Weite Melodienbögen

Konzentriertes Musizieren: der Cellist Reinhard Armlehner. Foto: Ralf Snurawa
Konzentriertes Musizieren: der Cellist Reinhard Armlehner. Foto: Ralf Snurawa
RALF SNURAWA 16.10.2013

Der Cellist Reinhard Armlehner und die Pianistin Dagmar Hartmann hatten sich für ihr Konzert bei der Crailsheimer Konzertgemeinde im Rathaussaal ein zweigeteiltes Programm überlegt. Stand im ersten Teil mehr die Melodie im Vordergrund, war es im zweiten der Rhythmus.

Das hieß aber nicht, dass es unmelodisch zuging - im Gegenteil: Maurice Ravels "Pièce en forme de Habanera" oder Pablo de Sarasates "Romanza Andaluza" boten weit gedehnte Melodiebögen vor allem im ausdrucksstark gespielten Violoncello, aber eben eine tänzerische Basis in der Klavierstimme.

Nicht anders war es mit Frédéric Chopins "Polonaise brillante" in C-Dur, die den ersten Teil beschloss und auf den zweiten vorauswies. Dem gesanglichen und nicht nur virtuos-tänzerischen Moment hatte Chopin ebenfalls in der Violoncello-Stimme Raum gelassen.

Beide Musiker gingen den schnellen Teil mit Entschiedenheit im Ton an, ohne federnde Akzentsetzungen außer Acht zu lassen. Vor allem Dagmar Hartmanns virtuoses Können war bei schnellen Figurationen gefordert. Die hätte man sich noch etwas klarer herausgearbeitet vorstellen können.

Einen großen Kontrast hin zum Schmalzigen bot davor Franz Liszts "Liebestraum" in einer Duo-Bearbeitung. Die beiden Musiker reizten dabei vor allem die Rubato-Möglichkeiten aus. Schön geatmet gelang so ein besonders sehnsuchtsvoller Tonfall.

Durchdacht erschien die Interpretation von Robert Schumanns drei Fantasiestücken op. 73. Das Karlsruher Konzertduo hatte sich eine fließende Steigerung von zurückhaltender zu beinahe stürmischer Wiedergabe vom ersten zum dritten Stück überlegt.

Spielte hier die klangliche Nähe des Violoncellos zur menschlichen Stimme zwar keine dominante Rolle, war sie bei den ersten beiden Werken des Abends dafür umso entscheidender. Mit verhaltener Leidenschaft erklang so das "Lied ohne Worte" op. 109 von Felix Mendelssohn.

Ganz am Anfang standen Ludwig van Beethovens Variationen über das Duett von Pamina und Papageno "Bei Männern, welche Liebe fühlen" aus Mozarts Oper "Die Zauberflöte". Das Ineinandergreifen der Stimmen wie Doppelmelodien wurden schön gleichberechtigt umgesetzt. Die langsam-kontemplative Variation wurde empfunden wiedergegeben, sodass die darauf folgende Schlussvariation umso gewitzter und kecker wirken konnte.

Zu Beginn des zweiten Konzertteils spielten die Musiker Claude Debussys Violoncellosonate. Schillernde Klänge und ein Schwanken zwischen tänzelnden wie kantablen Momenten bestimmten die Interpretation.

Deutlicher dem Virtuosen und Tänzerischen verpflichtet war Manuel de Fallas "Primera danza espa·ola" aus "La vida breve". Er war leicht fiebrig im Ton zu hören und bereitete ideal auf Astor Piazzollas "Le Grand Tango" vor. Hier wechselten scharfe Tanzakzente mit sehnsüchtiger Melodik: eigentlich schon eine Zusammenfassung des Abends in einem Werk. Denn auch die wienerische Doppelmelodik des Beginns war hier - natürlich ins Argentinische umgedeutet - wiederzufinden.

Für den lang anhaltenden Applaus bedankte sich das Karlsruher Konzertduo mit Enrique Granados zweitem "Spanischen Tanz" sowie Edward Elgars gesanglich geprägtem "Salut d""amour" - als letzter Verweis auf die beiden Konzertschwerpunkte.