Sulzbach-Laufen Weißwurst, Bier und Denkmalschutz

Sulzbach-Laufen / KLAUS MICHAEL OSSWALD 11.09.2012
Seit 175 Jahren ist sie keine "echte" Kirche mehr. Und doch lockt die grundlegend sanierte, denkmalgeschützte Schmiedelfelder Schlosskirche heute mehr Menschen an als seinerzeit zu Gottesdiensten.

Dem Bau- und Werkstoff Holz - Leitmotiv des diesjährigen Denkmaltags, der am Sonntag im ganzen Land begangen wurde - ist es zu verdanken, dass die Entstehung der altehrwürdigen Schlosskirche in Schloss Schmiedelfeld zweifelsfrei datiert werden kann. Die Stämme für die Balken des wuchtigen Dachstuhls sind im Winterhalbjahr 1594/95 geschlagen und umgehend verarbeitet worden. Das hat eine dendrochronologische Untersuchung im Vorfeld der millionenschweren Sanierung des vom völligen Verfall bedrohten Gotteshauses an den Tag gebracht. Und auch das: Hier waren, wie vor 20 Jahren der Bauhistoriker Dr. Johannes Gromer nachwies, eindeutig Zimmerleute aus dem Raum Meißen am Werk.

Über die wechselvolle wie abenteuerliche Geschichte, die sich mehr als zehn arbeitsreiche Jahre hinziehende Sanierung und die heutige Nutzung des Kirchengebäudes informierte am Sonntag der Heimat- und Kulturverein Sulzbach-Laufen seine Gäste aus allen Teilen der Region. Dabei geriet die Präsentation keineswegs zur trockenen Lehrstunde in Heimatgeschichte: Vorsitzender Peter Kraft und sein Team hatten die Geselligkeit in den Mittelpunkt gerückt und zum Weißwurstfrühstück vor dem früheren Kirchenportal geladen. Dabei sorgte ein Ensemble des Musikvereins als "Schlosskapelle" für Biergartenatmosphäre unter den Schatten spendenden Kastanienbäumen. So kurzweilig mag es bis in die 1920er-Jahre hinein auf dem Schlossberg zugegangen sein, als dort noch die weithin bekannte "Schloßbrauerei Schmiedelfeld" das Kirchlein als Brauereigasthof führte.

Gottesdienste werden hier oben längst nicht mehr gehalten, und das Bier, dessen Ausschank dem Erhalt der Schlosskirche dient, wird heutzutage wenige Kilometer kocheraufwärts in Untergröningen gebraut. Was geblieben ist: Nach wie vor pilgern die Menschen gern hinauf auf den Berg, um von hier aus die herrliche Aussicht zu genießen oder die Veranstaltungen des Heimat- und Kulturvereins, der durch seine Arbeit die Kirche gerettet hat und ihr als kleines kulturelles Zentrum das Überleben garantiert.

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