Crailsheim Kleindenkmale: Was steht denn da?

Crailsheim / Birgit Trinkle 05.07.2018
Etliche Stadt- und Landkreise haben die Dokumentation ihrer Kleindenkmale abgeschlossen, andere sind mitten drin. Der Landkreis Schwäbisch Hall hat noch nicht damit begonnen.

Solche Fahrzeuge sind seit über hundert Jahren nicht mehr unterwegs, auch die Währung gibt’s nicht länger, doch auf dem Weg von Lendsiedel nach Dörrmenz zeigt eine alte Inschrift an der Brücke noch immer die Zollgebühren von anno dazumal an: Praktisch ist das Ding von keinerlei Nutzen, aber Wanderer schätzen den Zollstein seit vielen Jahren als Fenster in die Vergangenheit.

Auf dem Dorfplatz in Hilgartshausen gibt es einen uralten Wegweiser, der dank einer Privatinitiative erhalten und auch schon mal als „Schönheit im Schilderwald“ bezeichnet wurde; andere sogenannte „Ortsstöcke“ – allesamt aus Gußeisen und von den schwäbischen Hüttenwerken in Wasseralfingen hergestellt –, zeigen etwa in Tiefenbach und in Unterregenbach, in welchen militärischen Einheiten die Bewohner gedient haben. Zwischen Kirchberg und Lendsiedel erinnert eine Pyramide mit Kugel, mithin mit den damals modernsten Stilelementen, an den ersten Chausseebau im Fürstentum Kirchberg. Ein Wegstück weiter, Richtung Lobenhausen, steht der steinerne Zeuge eines uralten Feldfrevels: Wehe dem armen Tropf, der früher anderer Leute Eigentum klaute oder beschädigte! Zwischen Brettheim und Lobenhausen gibt es einen Gesundbrunnen, dessen Geschichte darauf wartet, erzählt zu werden. Die Liste lässt sich praktisch beliebig fortsetzen: Seit Menschen ihre Umwelt verändern, setzen sie ihrem Tun, wo immer es geht, ein Denkmal.

Startschuss vor 17 Jahren

Mit gutem Grund koordiniert das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungsbezirk Stuttgart seit 2001 die Erforschung solcher Kleindenkmale im Land, die damit vor Verfall, Zerstörung und dem Vergessenwerden geschützt werden sollen. Das Ganze wurde auf Initiative des Schwäbischen Heimatbunds mit einer ganzen Reihe von Partnern wie dem Albverein oder den Geschichtsvereinen auf den Weg gebracht.

Viele Stadt- und Landkreise haben ihre Kleindenkmale dokumentiert und entsprechend Bücher oder Broschüren veröffentlicht. In anderen Kreisen ist die Erfassung in vollem Gange oder es werden noch ehrenamtliche Helfer und Koordinatoren gesucht. Unter anderem im Landkreis Schwäbisch Hall wurde mit dem Projekt noch gar nicht begonnen. Hier ist es weitgehend dem Zufall und einigen engagierten Heimatforschern und Lokalhistorikern zu verdanken, wenn eine Gemeinde weiß, was warum auf ihrem Grund errichtet wurde.

Schwierige Finanzierung

Kreisarchivarin Monika Kolb sagt, dass der Landkreis interessiert ist – und  interessant in Sachen Kleindenkmale sowieso. Sie kenne persönlich etwa 20 Ehrenamtliche, die engagiert zu diesem Thema arbeiten. 2015 gab es ein Treffen im Freilandmuseum, um das Thema anzugehen. Die Umsetzung, so Kolb, hätte aber etwa 10 000 Euro gekostet –, heute sind es eher mehr. Damals habe der Landkreis dringendere Aufgaben geltend gemacht. Das Thema sei bislang also an der Finanzierung gescheitert, es sei aber „sicher nicht endgültig vom Tisch“.

Wegweiser, Grenzstein, Denkmal

Glaubenszeugnisse sind in  evangelischen Gegenden selten, aber es gibt, rechnet die Koordinatorin des Landesdenkmalamts Martina Blaschka hoch, im Landkreis  einige Tausend Kleindenkmale in den Feldern und Wäldern, an Dorfplätzen, Hauswänden und vor allem entlang alter Straßen und Wege. Sie sind aus Stein, Holz oder Metall. Sie weisen den Weg. Sie erinnern an besondere Begebenheiten wie Hochwasser oder die erste gute Ernte nach einer langen Zeit des Hungerns, an frühere Nutzungen, an Besitzverhältnisse. Sie wurden gesetzt, um die großen Söhne einer Gemeinde zu ehren – Töchter haben’s eher selten zu Ehrungen gebracht. Sie waren nützlich, einfach nur schön, oder sie sollten buchstäblich zu denken geben. Immer mehr setzt sich die Erkenntnis durch, dass sie alle als Zeugen der Vergangenheit geschützt werden sollten. Vieles wurde gestohlen, mutwillig zerstört, im Zuge der Flurbereinigungen entfernt. Anderes ist schlicht zerfallen. Die Geschichten, die sie erzählen, gehen meist mit ihnen verloren. Nur selten wird ein zerstörtes Kleindenkmal neu errichtet, wie jüngst das Sühnekreuz in Hengstfeld.

Martina Blaschka macht deutlich, dass dieses Projekt ohne ehrenamtliche Unterstützung nicht möglich wäre. Nicht nur, dass die Arbeit schlicht nicht finanziert werden könnte: Niemand außer den engagierten Heimatforschern und Lokalhistorikern weiß, wo diese Kleindenkmale zu finden sind und wer mehr über sie wissen könnte.

Das ganze Land erfassen

Jedes Kleindenkmal soll vermessen, fotografiert und mithilfe von GPS-Daten kartiert werden.
Viele Tausend Kleindenkmale wurden bereits dokumentiert, und laufend kommen neue hinzu. Unterstützt von den Landratsämtern, werden die Daten von Ehrenamtlichen überall im Land erfasst und in den Kreisarchiven und in einer zentralen digitalen Datenbank des Landesamts für Denkmalpflege und für die Nachwelt gesichert.
www.kleindenkmale-bw.de

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