Umwelt Was hat Kaffee mit Klimaschutz zu tun?

Crailsheim / Christine Hofmann 27.01.2018

Es ist nur ein kleines Projekt, und doch zeigt es beispielhaft, warum es gut ist, einen Klimaschutzmanager in der Stadt zu haben. Der neue Crailsheimer Klimaschutzmanager Johannes Löblein bemüht sich, ein Mehrwegpfand­bechersystem in den Bäckereien und Cafés zu etablieren. Dabei kooperiert er mit dem Landkreis und der Stadt Schwäbisch Hall. Das System ist einfach und effektiv: Der Kunde kauft seinen Kaffee in einem Mehrwegbecher und zahlt einen Euro Pfand. Gibt er den Becher wieder ab, gibt’s das Pfandgeld zurück. Die Becher werden gespült und wieder verwendet. Das spart Energie bei der Produktion und der Abfallbeseitigung – und schützt das Klima.

„Pro Jahr werden 2,8 Milliarden Einwegbecher verbraucht. Übereinandergestapelt wären sie so hoch wie der Eiffelturm“, sagte Löblein am Donnerstag in der Sitzung des Crailsheimer Gemeinderats, in der er sich und seinen Aufgabenbereich vorstellte. Allein im Landkreis Hall würden 6,5 Millionen Einwegbecher jährlich verbraucht – jeder Becher ist nur etwa 15 Minuten in Benutzung und wird danach weggeworfen. Höchste Zeit also, an diesem System etwas zu ändern, findet Löblein.

Die Umstellung auf ein Mehrwegsystem beim Kaffeeverkauf ist natürlich nur ein kleines Feld, das der städtische Klimaschutzbeauftragte beackert. In den vergangenen Monaten hat er sich beispielsweise schon mit Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen in der Kläranlage Heldenmühle und der Grundschule Altenmünster beschäftigt.

Energie sparen und gewinnen

Er ersetzte Heizungspumpen mit hohem Stromverbrauch durch moderne Hocheffizienzpumpen und konnte dadurch Stromkosten und CO2 einsparen. Außerdem erstellte er die Vorplanung für Fotovoltaikanlagen auf Dächern der Kläranlage und des Baubetriebshofs.

Die Aufgaben werden Johannes Löblein nicht so schnell ausgehen. Sie stehen sauber aufgelistet im Klimaschutzkonzept der Stadt Crailsheim und warten darauf, dass er sie Schritt für Schritt umsetzt. 51 konkrete Maßnahmen sind hier benannt – darunter der weitere Ausbau des Energiecontrollings der städtischen Gebäude und die Steigerung der Energieeffizienz bei haustechnischen Anlagen. Er soll Netzwerke aufbauen, sich um Radwege und den ÖPNV kümmern und die Bürger für den Klimaschutz gewinnen – beispielsweise indem sie ihren Coffee-to-go künftig in einem Mehrwegbecher bestellen.

Positiv haben die Stadträte auf die ersten Ergebnisse der Arbeit des Klimaschutzbeauftragten reagiert. Und sie kündigten sogleich an, dass sie bei verschiedenen Themen auf seine Fachkompetenz setzen. CDU-Stadtrat Franz Köberle will sich an den Experten wenden, wenn es um Mehrfamilienhäuser und die Innenentwicklung der Stadt geht. Peter Gansky (BLC) ist der Meinung, dass das Thema Energieversorgung bei der Ausweisung neuer Baugebiete zu kurz kommt und Charlotte Rehbach (Grüne) regt an, die Mehrwegkaffeebecher auch den beiden Fastfood-Ketten in der Haller Straße anzubieten.

Die Themen sind vielfältig und die Erwartungen hoch. „Wir erwarten, dass alles, was im Konzept steht, umgesetzt wird“, betonte der SPD-Fraktionsvorsitzende Gernot Mitsch. Ob das zu schaffen ist, bleibt abzuwarten. Die Stelle des Klimaschutzbeauftragten ist nämlich auf drei Jahre befristet.

Umweltingenieur mit Zusatzqualifikationen

Johannes Löblein (35) aus Röckingen ist seit August 2017 als Klimaschutzbeauftragter bei der Stadtverwaltung Crailsheim angestellt. Er studierte an der Fachhochschule Weihenstephan-Triesdorf den Studiengang Umweltingenieurwesen mit den Schwerpunkten erneuerbare Energien und Verfahrenstechnik. Löblein sammelte berufliche Erfahrungen als Klimaschutzmanager des Landkreises Ansbach sowie zuvor in einem freien Ingenieurbüro und als Ingenieur für die ­Inbetriebnahme und Betreuung von Biogasanlagen bei einem Unternehmen in der ­Region. hof