Die Villa ist die Sonne, natürlich. Was die Crailsheimer schon lange wussten, wird mit dem Crailsheimer Planetenweg offenbar. Denn der beginnt genau dort, an der Villa.
Der erste Anlaufpunkt des Wegs, sprich: der sonnennächste Planet unseres Sonnensystems, der Merkur, steht in unmittelbarer Nachbarschaft, von der Villa 26 Meter entfernt. Der letzte Planet, Neptun, steht am Ende des Planetenwegs und damit schon fast im Schönebürgwald, und zwar dort, wo der Wanderweg die Bundesstraße kreuzt. Andreas Groß vom Amt für Stadtentwicklung hat diesen Punkt für den letzten Planeten des Sonnensystems gewählt, „damit die Familien nicht über die Bundesstraße müssen.“
Doch was ist ein Planetenweg eigentlich? Die Idee ist simpel und das, was herauskommt, ist atemberaubend: Auf einem Weg werden unsere acht Planeten aufgereiht, und zwar in den Abständen, die sie hätten, wenn das Sonnensystem nur bis zur Bundesstraße reichen würde. Sprich: Nach dem Merkur folgt nach 23 Metern die Venus oberhalb der Streuobstwiese, nach weiteren 19 Metern die Erde. Damit haben die Besucher bereits eine „astronomische Einheit“ hinter sich gebracht. Denn dieser Maßeinheit ist die mittlere Entfernung zwischen Erde und Sonne zugrunde gelegt, 149,6 Millionen Kilometer. Auf dem Crailsheimer Planetenweg beträgt die Strecke gerade mal 68 Meter.

Wissenswertes zu Planeten

Die Planeten sind auf künstlerisch gestalteten Holzstelen angebracht, auf denen außerdem allerlei Wissenswertes steht. Dass ein Venusjahr nur 225 Tage dauert, zum Beispiel, oder dass der Mars 104 Planetenwegs-Meter von der Villa und 228 Millionen Weltraumkilometer von der Sonne entfernt ist. Wenn allerdings die paar Schritte schon für eine solch riesige Entfernung stehen ­– wie weit draußen muss man sich den Neptun vorstellen?
„Das können die Crailsheimer nun herausfinden“, sagte Oberbürgermeister Grimmer, der am Dienstag den Planetenweg eröffnet hat. Den Weg hat er auf der Insel Mainau kennengelernt, die im vergangenen Jahr unter dem Motto „Sonne, Mond und Sterne“ stand. Und weil die Mainauer Stelen wieder abgebaut werden sollten, hat die Stadt Crailsheim sie kurzerhand gekauft. „Sie passen gut zur Landesgartenschau und ihrem Motto ,Wächst. Blüht. Verbindet‘.“ Denn der Planetenweg verbinde nun zwei Schmuckstücke Crailsheims, nämlich die Villa und den Schönebürgwald.

Schwäbisch Hall

Bei der Eröffnung dabei war der VHS-Arbeitskreis Astronomie mit Kursleiter Gunter Hesse und der Astronomiekurs des Albert-Schweitzer-Gymnasiums. Dessen Schüler wollte Lehrer Matthias Penselin nach der Eröffnung noch zu einem Spaziergang zu Jupiter und Saturn locken, Letzterer mit seinen Ringen einer der attraktiveren Planeten. Doch die Schüler waren angesichts der Entfernungen wenig begeistert, was kein Wunder ist, denn da draußen im Weltall wird die Luft dünn: Der Riese des Sonnensystems, der Jupiter, steht am Ende der Ackers, der Uranus schon mitten im Wald, 2800 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. Und der Neptun erst: 4500 Millionen Kilometer ist er von der Erde entfernt. Auf dem Planetenweg sind das 2,06 Kilometer – immerhin.

Astronomische Eselsbrücke


Wer sich die Reihenfolge der Planeten merken mag, kann das mithilfe dieses Spruchs tun: „Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel“. Die Anfangsbuchstaben der Wörter stehen für die Planeten, von der Sonne aus gesehen: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn und Neptun. uts