Also, das mit dem Kratzer auf Peer Hahns Stirn dürfte stimmen. Der Hauptorganisator und Moderator erzählte beim Bürgerabend der Gemeinde Wallhausen in Hengstfeld von der „Diskussion mit meiner Katze“. Und weil die nun mal weiblich sei, könne so ein Disput kaum gewonnen werden. Die Geschichte von der nächtlichen Baustellenbesichtigung nach einer Bierverkostung des Gemeinderats in Riedbach ist dem Vernehmen nach ebenfalls wahr. Auch wenn „Ernst und Ernst“ die Erlebnisse der einen ordentlichen Dullen heimbringenden Ausflügler ein bisschen ausgeschmückt haben dürften.

Alles andere aber, was die beiden Hohenloher Kult-Kabarettisten so erzählt haben, ist mit Vorsicht zu genießen oder gleich als Fake News einzuordnen. Weder haben sie das Auto Carmen Lehmanns, Sängerin und Stargast des Abends, mit einer „Fünf-Meter-Kreiselegge“ plattgemacht, noch hat man je gehört, dass der eine Ernst „dem Könninger seinen Mist“ auf dem Weg von Oberwinden in die Biogasanlage vor der Tankstelle in Rot am See auf einen Tesla gekippt hat, versehentlich. Oder dass die beiden mit einem Fünferpack Stielhandgranaten im Wallhäuser Naturfreibad angeln. Aber was soll’s: Niemals die Wahrheit mit einer guten Geschichte und einem Lachen davonziehen lassen – das gilt zumindest für Späßemacher.

Applaus für Werner Gutmann

Dass Werner Gutmann, Roßbürger Wirt und früherer Ortsvorsteher, einen Zentnersack Hafer nach Hengstfeld getragen hat, ohne abzusetzen, ist bekannt. Ob er das getan hat, um die ein bisschen aus dem Gleichgewicht geratene Welt an deren Nabel, Mittel-, Dreh- und Angelpunkt auszuwuchten, wie der andere Ernst behauptet, ist eher zweifelhaft, ebenso, dass „der Blumenstock“ – Beerenbaubetrieb in Roßbürg – zur Feinjustierung 500 Gramm Erdbeeren hinterhergetragen hat. Gutmanns legendäre Leistung aber, generell seine Verdienste um Hengstfeld wurden beim Bürgerabend gleich zweimal mit lautem Applaus und Jubelrufen gewürdigt.

Bürgerabend 2020 in Hengstfeld

Veranstaltung Bürgerabend 2020 in Hengstfeld

Männer der ersten Stunde des Viehmarkts

Mit Gutmann erhielten noch andere eine Ehrenurkunde des Bundes der Selbstständigen sowie eine „Kleinigkeit“: Karl Scheu, früherer BDS-Vorsitzender, der den Viehmarkt 1995 wiederbelebt hat, seine Mitstreiter Peter Dietz und Willi Pfeiffer, damals Bürgermeister und Ortsvorsteher, sowie deren Nachfolger, der Ex-BDS-­Vorsitzende Günter Paule und die Ex-Ortsvorsteher Hermann Wacker und Roland Jakel. Die „Kleinigkeit“, eine entsprechend bedruckte Drei-Liter-Flasche Wein, fand ebenso Anklang wie das Weinpräsent „Nichts“ für Peer Hahn, aktuell Vorsitzender, der diese Ehrung initiiert hatte und seinerseits von Bürgermeisterin Rita Behr-Martin bedacht wurde.

Bilanz der Bürgermeisterin

Behr-Martin hatte einige angenehme Aufgaben an diesem Abend, der ein Höhepunkt im Wallhausener Jahreslauf ist und am Dienstag entsprechend von zahlreichen gut gelaunten Gästen genossen wurde. Von der Einstimmung durch den Musikzug Wallhausen über die Majorettengruppe Rot am See und den Auftritt der Crailsheimer Sängerin Carmen Lehmann bis hin zum Appetithäppchen aus dem jüngsten Stück der Bädlesbühne gab’s ein sehr kurzweiliges Programm. Neben Ehrung und der Annahme von Spenden nutzte Behr-Martin die Möglichkeit, über das Geschehen in ihrer Gemeinde zu berichten.

Blick auf die Landwirte

So waren ihr die Protestfahrten und Mahnfeuer der Landwirte wichtig: Die Verbraucher seien gefragt, etwas für eine zukunftsfähige Landwirtschaft und gutes Essen zu tun – „mehr Sorgfalt beim Einkaufen walten lassen und nach regionalen Produkten greifen“. Auch Ortsvorsteher Uwe Vogel bat in seinem Grußwort um Solidarität mit den Landwirten.

Hohenloher Silvesterlauf Zwölfjährige läuft bärenstark

Hengstfeld

Ausflug in die Kommunalpolitik

Das vergangene Jahr war von Kläranlagenbau und Investitionen in die Kinderbetreuung bestimmt. 2020 sind der Kläranlagen-Neubau, das Feuerwehrfahrzeug, das Baugebiet Hochholz und die Breitband-Versorgung ein Thema. Die Bürgermeisterin dankte Landrat Gerhard Bauer hier „für die Chance, schnelles Internet in die Teilorte zu bringen“.

Auch im Grußwort des Landrats war die Breitbandversorgung ein Schwerpunkt: In keinem anderen Landkreis seien mehr Fördermittel geflossen. Weiter sprach Bauer über „Klimaschutz mit Augenmaß“. Und beim Thema Gesundheitsversorgung stellte er dem Crailsheimer Klinikum mit nunmehr über 10.000 Patienten und dem entstehenden Parkhaus eine ebenso positive Prognose aus wie den beginnenden „Goldenen Zwanzigern“ des 21. Jahrhunderts. Bauer hielt sich an den leichten Ton des Abends: Dass er ernsthaft in Betracht zog, als „Zugpferd der Kommunalpolitik“ bei der Pferdeprämierung anzutreten, darf durchaus bezweifelt werden, und das liegt nicht daran, dass ihm, wie er erklärte, die üppige Mähne fehlt.