Für den Waldenburger Bürgermeister Markus Knobel und Kupferzeller Bürgermeister Joachim Schaaf war das Verhalten ihrer Gremien ein Schlag ins Gesicht. Beide Gemeindeoberhäupter hatten sich zusammengetan, um den Rewe-Markt in Neuenstein zu verhindern.

Die Auswirkungsanalyse, die die Stadt Neuenstein für den Supermarkt-Neubau hatte erstellen lassen, ließen die Gemeinden von einem Gutachterbüro prüfen und auf mögliche Fehler untersuchen. Zudem ließen sie sich durch ein Stuttgarter Anwaltsbüro beraten.

Die Rechtsanwältin Dr. Judith Schaupp-Haag kommt zu dem Schluss, dass der Lebensmittelmarkt, der in Neuenstein neben dem Netto-Markt angesiedelt werden soll, aus regionalplanerischen Gründen nicht zulässig sei. Würden die Interessen von Kupferzell und Waldenburg berücksichtigt, sei der Rewe-Markt als "unverträglich" einzustufen, schreibt sie.

Der Markt soll eine Größe von 1450 Quadratmetern haben und würde mit dem Netto-Markt in direkter Nachbarschaft eine Art Einkaufszentrum bilden. Darüber hinaus befürchten sowohl die Verwaltung in Kupferzell als auch die in Waldenburg, dass der Markt die Entwicklung eines eigenen Markts verhindere.

Dies liegt daran, dass das rechnerische Verkaufspotenzial für einen sogenannten Vollsortimenter für Waldenburg, Neuenstein und Kupferzell bei einer Fläche von 2200 Quadratmetern liegt. Wenn Neuenstein seine Pläne wahrmacht, bleiben für Waldenburg und Kupferzell noch 800 Quadratmeter Verkaufsfläche. Normalerweise würden Betreiber von Supermärkten jedoch eine Größe von mindestens 1200 Quadratmetern wollen, heißt es in der Studie der Firma Cima, die für Waldenburg und Kupferzell erstellt wurde. Darüber hinaus gebe es Pläne, den Netto-Markt von 800 auf 1200 Quadratmeter zu vergrößern.

"Ich stimme nicht dafür, Neuenstein Krücken in den Weg zu werfen. So ein Kasperlspiel brauchen wir mit Neuenstein nicht", sagte der Kupferzeller Gemeinderat Rudolf Kammerer. "Am Kasperlspiel war nicht Kupferzell schuld. Wir haben sechs Jahre lang versucht, einen Vollsortimenter anzusiedeln", antwortete Bürgermeister Joachim Schaaf in der Gemeinderatssitzung. "Neuenstein hat damals erhebliche Bedenken geltend gemacht", warf Hauptamtsleiter Bernd Schurg ein. Gemeinderat Günter Rudolf warnte: "Wenn wir zustimmen, dann bekommen wir über Jahre keinen Vollsortimenter mehr."

"Warum sollten wir sie hindern? Waldenburg wird so etwas nie bekommen. Warum lassen wir die Neuensteiner nicht machen? Wir sollten die Infrastruktur sichern", sagte Karoline Baumann im Waldenburger Gemeinderat. Dass eine Gemeinde versuche, einen Markt in der anderen zu verhindern, sei ein Spiel, das man schon seit 15 Jahren mache, erklärte der Waldenburger Rat Wolfgang Baas. "Am Ende verlieren wir alle", war sein Fazit.