Crailsheim Vorreiterin des Innovationsstandorts

Die Chefin hat alles im Blick: Auf diesem Bildschirm kann Ilkay Ormandy Produktivität und Energieverbrauch jeder einzelnen Linie mitverfolgen.
Die Chefin hat alles im Blick: Auf diesem Bildschirm kann Ilkay Ormandy Produktivität und Energieverbrauch jeder einzelnen Linie mitverfolgen. © Foto: Frank Lutz
Crailsheim / Frank Lutz 29.08.2018
Seit Februar leitet Ilkay Ormandy das Crailsheimer Werk von Procter & Gamble. Sie will die Produktivität weiter erhöhen, das Ausbildungsprogramm erweitern und in puncto Nachhaltigkeit Akzente setzen.

Manchmal scheint ihr Kopf schneller zu arbeiten, als sie mit den Worten hinterherkommt: Wenn Ilkay Ormandy über ihre Arbeit spricht, sucht die gebürtige Türkin manchmal nach dem passenden Ausdruck im Deutschen und wechselt kurz ins Englische. Doch eines wird sofort deutlich: Die Ingenieurin, die seit Februar den Crailsheimer Standort von Procter & Gamble leitet, steckt voller Ideen und brennt darauf sie umzusetzen.

Seit 2003 ist Ormandy bei Procter & Gamble tätig, zunächst als Praktikantin, dann einige Jahre lang in der Forschung und Entwicklung am Crailsheimer Standort. Zwischendurch sammelte sie Erfahrung in den Niederlassungen in Genf und Barcelona. Dass sie knapp ein halbes Jahr nach ihrer Rückkehr nach Crailsheim im Oktober 2017 bereits zur Chefin aufrückte, ist zwar vor allem der Tatsache zu verdanken, dass ihr Vorgänger Christoph Hausser das Unternehmen verlassen hat. Doch sagt Ormandy auch: „Ich war die geeignetste Person, die da war.“ Nicht umsonst hatte sie den Standort  in Barcelona für einige Monate geleitet.

Innovative Kultur

Dass sie nun an  der Spitze des Crailsheimer Werks steht, mache sie stolz: „Von unserer gesamten Kultur her sind wir ein Entwicklungswerk, was sowohl Produkt- als auch Technologieentwicklung einschließt.“ Dabei profitiere der Standort von den hohen Löhnen in Deutschland: „Wir können uns gute Leute, aber auch Technologien leisten, die man sich woanders nicht leisten kann. Damit sind wir ein Vorreiter für andere Werke.“

Das sind keine leeren Worte, wie ein Erfolg beweist, den das Werk im letzten Jahr bereits zum dritten Mal erzielt hat: Es wurde von der Fachzeitung „Produktion“ und der international tätigen Unternehmensberatung A. T. Kearney als „Fabrik des Jahres“ ausgezeichnet. Mit dem Preis werden Spitzenleistungen bei der Automation und Synchronisation sowie die außergewöhnliche Verankerung der Digitalisierung im Produktionsprozess gewürdigt.

Ist der Erfolg in diesem Jahr wiederholbar? Für Ormandy steht das nicht im Vordergrund: „Wir haben andere Prioritäten.“ Es gelte zahlreiche Projekte, die zum Teil noch ihr Vorgänger angestoßen hat, „fertig zu machen und exzellent umzusetzen“. So wolle sie etwa neue Roboter und automatisierte Stapler (AGV) testen, die Aufgabenbereiche der bereits vorhandenen AGV vergrößern und die automatisierte Fördertechnik zwischen Produktion und Verteilzentrum weiter optimieren. Um 7,5 Prozent sei die Produktivität im letzten Jahr gesteigert worden. Nun sollen auch die Kapazitäten des Standorts erweitert werden: So werde im kommenden Frühjahr eine neue Produktionslinie in Betrieb gehen.

Die Mitarbeiterzahl in Crailsheim ist zuletzt auf rund 1200 Personen angestiegen, Ende 2017 waren es noch etwa 1000. Von Stellenabbau durch die technische Entwicklung also keine Spur: „Automatisierung ist kein Mittel, um Mitarbeiter zu reduzieren, sondern um weitere Geschäftsbereiche hierherzuholen“, sagt Ormandy. Doch dafür die passenden Leute zu finden, sei eine große Herausforderung: „Es ist schwierig geworden, hoch qualifizierte Arbeitskräfte zu bekommen.“ Daher bezeichnet es Ormandy als einen ihrer größten Fokusbereiche, das Ausbildungsprogramm zu erweitern, um den Standort noch attraktiver für junge Bewerber zu machen. Rund 45 Frauen und Männer werden derzeit zu Elektronikern, Mechanikern oder Bürokaufleuten ausgebildet. Neu hinzugekommen ist der Ausbildungsgang zum IT-Systemintegrator mit derzeit zwei Azubis. Auch die Ausbildung der Elektroniker soll sich immer stärker in Richtung IT orientieren.

Fotovoltaik und Windenergie

Und noch in einem weiteren Punkt soll das Crailsheimer Werk auch künftig Maßstäbe setzen: bei der Nachhaltigkeit. Mit einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach, einer Arbeitsgruppe, die in jeder Abteilung nach weiteren Nachhaltigkeitspotenzialen sucht, und einer fortschrittlichen Müllentsorgung sei Crailsheim auch hier wieder einer der Vorreiter. Und es soll auch künftig keinen Stillstand geben: Die Müllentsorgung soll noch besser organisiert, die Sonnenenergie noch effizienter eingesetzt werden, und künftig soll eine Windkraftanlage hinzukommen. Nur einen Nachteil hätten die vielen Innovationen: „Da wir Vorreiter sind, wird es immer schwieriger und schwieriger, unsere Ziele zu erreichen.“

Seit 1981 in Crailsheim vertreten

Der amerikanische Misch-Konzern ist einer der größten Global Player im Konsumgütersegment. 2017 machte Procter & Gamble (P&G) rund 60 Milliarden Euro Umsatz. Der Konzern beschäftigt etwa 105.000 Menschen, in Deutschland sind es 10.000. Der Umsatz betrug zuletzt drei Milliarden Euro.

In Crailsheim gibt es P&G seit 1981. Das Werk ist ein Produktionsstandort für Health Care mit über 20 Produktionslinien für Damenbinden, Slipeinlagen, Inkontinenzprodukten und Haushaltstüchern und logistischer Umschlagplatz für P&G-Produkte in Süddeutschland, der Schweiz und Österreich sowie Entwicklungszentrum.

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