"Wir haben seit 2013 keinen nachgewiesenen Patienten, der sich in unserem Klinikum einen Methicillin-resistenten Staphylococcus-aureus (MRSA) eingefangen hat, und das, obwohl wir umfangreich danach suchen", betont die Ärztliche Direktorin und Chefärztin der Chirurgie, Dr. med. Martina Mittag-Bonsch. Gemeinsam mit Carmen Stegmeier, der Beauftragten für klinisches Prozessmanagement, erläuterte sie in einem Pressegespräch, was im Crailsheimer Krankenhaus alles in puncto Patientensicherheit und Risikovermeidung unternommen wird.

Es zeigt sich, dass die MRSA-Strategie im Klinikum Crailsheim, die von den Fachleuten als vorbildlich gelobt wird, wirkt. Bei allen Patienten, die möglicherweise ein erhöhtes Risiko haben, ein unerkannter MRSA-Träger zu sein oder die aus einer Umgebung mit erhöhter MRSA-Wahrscheinlichkeit kommen, wird ein Abstrich gemacht. Dazu wird mit einem Teststäbchen eine Probe von der Nasenschleimhaut genommen und im Diak in Hall auf MRSA untersucht. So wird bei allen Patienten, die aus anderen Kliniken oder Heimeinrichtungen nach Crailsheim verlegt werden, verfahren. Wer in jüngerer Vergangenheit operiert wurde oder eine infizierte Wunde hat, wird ebenfalls auf eine mögliche MRSA-Keimbelastung untersucht. Auch Menschen, die auf Bauernhöfen mit Schweine- und Putenmast arbeiten und leben, werden ins Screening-Programm aufgenommen. Viele Menschen aus der Landwirtschaft weisen schon selbst im Aufnahmegespräch darauf hin.

"In den ersten Stunden ist das Übertragungsrisiko äußerst gering", erklärt Carmen Stegmeier. Dennoch erhalten positiv getestete Patienten in Crailsheim ein eigenes Zimmer, denn selbst wenn sie keine Staphylokokken-Erkrankung haben, können sie keimbesiedelt sein. Eine Übertragung der Keime aber kann für andere, geschwächte Patienten im Klinikum hoch riskant sein. Sollte sich bei der Laboruntersuchung eine MRSA-Besiedelung bestätigen, sind Ganzkörperwaschungen mit einem Antiseptikum angesagt. Mit den Labortests lässt sich sehr gut eingrenzen, ob der Keim vom Patienten "mitgebracht" oder im Klinikum "erworben" wurde, betont Dr. Mittag-Bonsch.

Die Beratung und Betreuung durch Spezialisten für Mikrobiologie ist in jüngster Zeit noch intensiver worden. So treffen sich einmal im Monat Fachleute des Haller Diaks mit Ärzten und Bereichsverantwortlichen des Klinikums Crailsheim vor Ort zu Visiten. Dabei werden Fragen, die im Zusammenhang mit sogenannten "Problemkeimen" stehen, erörtert und vorbeugende Maßnahmen besprochen. "Unsere Ärzte und das klinische Personal sind durch Weiterbildungen in Sachen Hygiene ständig auf dem neuesten Stand", betont Dr. Mittag-Bonsch.

Die Ärztliche Direktorin ist Gründungsmitglied des kürzlich ins Leben gerufenen MRE-Netzwerks Schwäbisch Hall, das sich speziell mit dem Thema "multiresistente Erreger" (MRE) befasst.