Feuchtwangen Kreuzgangspiele: von Wermutstropfen und Frauen

Spielzeitbilanz und Ausblick auf die Saison 2019:  Intendant Johannes Kaetzler blickt zurück und nach vorn.
Spielzeitbilanz und Ausblick auf die Saison 2019: Intendant Johannes Kaetzler blickt zurück und nach vorn. © Foto: Ralf Snurawa
Feuchtwangen / Ralf Snurawa 15.08.2018
Die Kreuzgangspiele in Feuchtwangen blicken auf eine erfolgreiche Jubiläumsspielzeit zurück. 43.500 Zuschauer sehen sich die Vorstellungen an. Das Kindertheater fällt etwas ab.

Wir haben absolut eine Jubiläumssaison gehabt“, fasst es Johannes Kaetzler, Intendant der Kreuzgangspiele Feuchtwangen, zusammen. „Wir haben – etwa mit Goethes ‚Faust‘ – schwierige Stoffe bewältigt. Wir hatten eine tolle Schauspielertruppe. Und wir haben ganz großen Zuspruch vonseiten des Publikums erhalten.“

Fast 43.500 Besucher registrierten die Kreuzgangspiele in diesem Jahr, das sind 3500 weniger als 2017. Der Wermutstropfen in diesem Jahr, der für ein mindestens ebenso gutes Ergebnis gesorgt hätte, war das Kindertheaterstück.

Schon bei der Vorstellung des Spielplans war Intendant Kaetzler skeptisch, weil ein Märchenstück wie „Schneewittchen“ nicht zu den sogenannten „Big-Five“-Stücken wie „Pippi Langstrumpf“ oder „Räuber Hotzenplotz“ gehört. Das hat sich nun bewahrheitet. Statt der sonst üblichen über 15.000 Besucher beim Kindertheaterstück waren es diesmal nur etwa 12.900.

Woran es gelegen habe, ist Kaetzler selbst ein Rätsel. Das müsse man noch genauer analysieren. Denn die Inszenierung sei hervorragend gewesen, das Publikum begeistert. Mit ein Grund könnte gewesen sein, dass die Nachmittagssonne für extreme Hitze im Kreuzgang gesorgt hatte. Vielleicht müsse man hier über eine „Schattenüberdachung“ nachdenken.

Dass Goethes „Faust – der Tragödie erster Teil“ so gut ankam, das habe er zwar insgeheim gehofft, aber nicht unbedingt erwartet, gesteht der Intendant: „Es gab Leute, die sind fünf Mal in die Vorstellung gegangen. Das Stück hat die Leute schon sehr mitgerissen.“

Am Anfang habe es noch wenig Buchungen beim Kartenvorverkauf gegeben. Aber man habe „spektakuläre Bilder“ gefunden und versucht, einen „Faust“ auf die Bühne zu bringen, der vielen Menschen etwas sagt – und somit eine wesentliche Hemmschwelle genommen. Viele heutige Theaterbesucher empfänden dieses Drama als zu anspruchsvoll.

12.000 Zuschauer hatten letztlich so den Weg in den Kreuzgang gefunden, 1900 weniger als zu „Wie im Himmel“ im Vorjahr. Zu Faust habe nach kurzer Zeit der erwartete Ansturm – auch von ganzen Chören – eingesetzt. Ein Großteil der Vorstellungen war ausverkauft.

Dass Regisseur Achim Conrad viele Szenen auch hinter den Steinbögen hat spielen lassen, um sie so auch als Bauwerk in Szene zu setzen, das sei, so Kaetzler, schon ungewöhnlich und mutig gewesen und habe ihm zunächst Sorgen bereitet. Aber die waren unbegründet.

Belebend sei es auch gewesen, im Garten des Fränkischen Museums das Stück für die Kleinen und das Jugendtheaterstück spielen zu lassen. „Hase und Igel“ fanden mehr als 1200 Zuseher, „Kafka“ fast 1150. Besonders die Abendvorstellungen seien ausgesprochen gut besucht gewesen.

„Wenn alles gut geht, sind wir im nächsten Jahr aber wieder im Nixelgarten“, meint Johannes Kaetzler. Dort werde gerade noch umgebaut. Für die Kleinen wird es dort „Der Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ zu sehen geben – vielleicht sei ja noch kein Gras über die Baustelle gewachsen.

Gottfried Kellers „Kleider machen Leute“ wird dort von Liv Manthey inszeniert: spannend mit Blick darauf, was Jugendlichen heutzutage Kleidung bedeutet oder sagt. Beim Kinderstück wollen die Kreuzgangspiele mit „Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ aus dem Nachlass von Otfried Preußler bei den Zuschauerzahlen wieder auf der sicheren Seite sein.

Das betrifft ein wenig auch Wilhelmine von Hillerns Volksschauspiel „Die Geierwally“. Intendant Kaetzler hat dafür die Originalfassung aufgetrieben, die ein wenig gekürzt und ohne „Volkstümlichkeit“ zu sehen sein wird. Noch mehr Frauen werden mit Robert Thomas‘ „Acht Frauen“ in den Mittelpunkt des zweiten großen Abendstücks gerückt – ein Stück voller schwarzen Humors. Außerdem werden in der nächsten Spielzeit erstmals genauso viele Schauspielerinnen wie Schauspieler auf der Bühne zu sehen sein.

Info

Weitere Informationen zu den Kreuzgangspielen und zum Kartenvorverkauf finden sich unter www.kreuzgangspiele.de.

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