Crailsheim Von Crailsheim in die Karibik

Sarah Schelbert aus Crailsheim führt kleine und große Reparaturen an ihrem Boot selbst durch.
Sarah Schelbert aus Crailsheim führt kleine und große Reparaturen an ihrem Boot selbst durch. © Foto: privat
Crailsheim / Tobias Haase 18.08.2018
Nach Abitur und Studium hat sich Sarah Schelbert aus Crailsheim für eine Reise entschieden, die ihr Leben für immer verändern sollte. Heute besitzt sie ihr eigenes Segelboot und erkundet Süd- und Mittelamerika.

Sarah Schelbert ist in Tiefenbach aufgewachsen, sie lebt gerade in Guatemala und Belize, doch zum Volksfest ist sie dieses Jahr wieder in Crailsheim. Die 29-Jährige entschloss sich nach ihrem Studium an der Universität Konstanz für eine Reise, die ihr Leben verändern sollte. „Es lohnt sich, Risiken einzugehen und seinen Träumen zu folgen. Wir sind selbst dafür verantwortlich ein Leben zu führen, das uns glücklich macht“, ist sie überzeugt. Das Abenteuer, das für sie vor fünf Jahren begann, hat sie noch immer nicht beendet, obwohl es oft genug Gründe dafür gab.

In Filderstadt bei Stuttgart geboren, zog die Familie kurze Zeit später nach Tiefenbach, wo Schelbert zunächst die Reußenbergschule und bald darauf das Albert-­Schweitzer-Gymnasium in Crailsheim besuchte. In der achten Klasse wechselte sie aufs neu eröffnete Lise-Meitner-Gymnasium, wo sie sich als Schülersprecherin engagierte und an Austauschprogrammen teilnahm. In ihrer Freizeit spielte sie in der Damenmannschaft der Crailsheim Merlins und verbrachte viel Zeit auf dem Fränkischen Pferdehof.

Zunächst auf Weltreise

Nach der Schulzeit ging Schelbert mit einem „Around-the-world“-Ticket auf Weltreise und ihr wurde klar, dass sie die Reiselust nicht wieder ablegen würde. Trotzdem entschied sie sich zunächst für ein Studium in Deutscher Literatur und Politikwissenschaften an der Universität Konstanz. Nach erfolgreichem Bachelor-Abschluss stand für sie fest: „Der konventionelle Weg – Job finden, Wohnung oder Haus kaufen, Auto mit Garage, Partner, Hochzeit, Kinder und dann so weiter bis zur Rente, ist absolut nichts für mich.“

24 Tage an Bord

Im September 2013 begann ihr neues Leben. Schelbert ging Ende des Jahres auf Gran Canaria an Bord der „Aria”. Als einzige Frau mit sechs Männern verbrachte sie 24 Tage an Bord. Schelbert: „Während der Überfahrt in die Karibik gab es oft Gelegenheiten zum Nachdenken, Erinnern und Träumen.“ Von Grenada aus sollte es nun in Richtung Panama weitergehen. Doch noch bevor sie den Inselstaat verließ, lernte sie Dave kennen.

Sarah Schelbert verliebte sich in den Kanadier und sein zehn Meter kleines, altes Holzboot „Lizzy Belle”. Gemeinsam schipperten sie von nun an über Bonaire, Aruba, Haiti und Jamaika nach Honduras und Guatemala. Während dieser Zeit lernte sie nicht nur das Segeln, sondern auch wie frei das Leben auf einem kleinen Boot sein kann. „Simplizität war immer etwas, nachdem ich mich in unserer Bequemlichkeits- und Konsumwelt, in der immer alles verfügbar ist, gesehnt habe“, sagt die Crailsheimerin.

Im Sommer 2014 zerbrach die Beziehung und Schelbert kehrte für einige Wochen nach Deutschland zurück. „Das Gefühl, wieder nach Hause zu kommen, war zunächst mit einer schrecklichen Nervosität und Angst verbunden, obwohl ich meine Familie und Freunde wiedersehen würde.“

Für Sarah Schelbert stellte sich die Frage, ob es nun Zeit für einen „ordentlichen Job“ sei und dafür, das „richtige Leben“ anzufangen. Doch schnell stand fest: „Nein, natürlich nicht.“ Viel zu sehr vermisste sie das Leben im Rhythmus mit Sonnenaufgang und -untergang, die Einfachheit und Härte des Bootsalltages und die Wärme des tropischen Klimas. „Allein die Vorstellung, in einem ‚Zimmerkasten’ einer Stadt alt zu werden, passte einfach nicht zu meinem Lebensstil – und das, obwohl es viele wunderbare Menschen in meinem Leben gibt, die es mir unglaublich schwer machen, sie zurückzulassen.“

Nachdem Schelbert von Deutschland aus auf dem 40 Meter großen Segelschiff „Eye of the Wind” anheuerte, fand sie sich ein paar Monate später bei Freunden in Guatemala wieder, die ihr damals gemeinsames Schiff „Lizzy Belle” übernommen hatten. Dort stieß die Seglerin auf „Alani”. Für einen Spottpreis erwarb sie das elf Meter lange traditionelle Holzboot, welches 1961 in Dänemark erbaut wurde.

Ohne großes Vorwissen über die anstehenden Reparaturen und mit der niemals endenden Unterstützung ihrer Eltern, wurde die Tiefenbacherin zur Besitzerin und Kapitänin von „Alani”. Anfang Mai 2016 unterschrieb sie den Kaufvertrag und arbeitet seither an ihrem Herzensprojekt.

Schnell stellte sich jedoch heraus, dass das Boot in weit katastrophalerem Zustand war, als vom Verkäufer zugegeben: Es gab ein großes Leck, morsches und verfaultes Holz und einen Motorschaden. Für die Reparatur brauchte Schelbert nun eine Finanzquelle.

Seit Dezember 2016 arbeitet sie daher als Köchin  und bald auch als erste Kapitänin in Belize auf Charter-Yachten. Dadurch hat sie die Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt und ihr Boot selbst finanzieren zu können. Der Arbeitsplatz auf dem karibischen Meer ist für sie ein wunderschöner Ort.

Zukunft noch offen

Die Zukunft steht vollkommen offen für die Abenteurerin, nur so viel steht fest: Es muss ums Segeln gehen. Die große Hoffnung wäre, dass „Alani“ am Ende des Jahres einsatzbereit ist, um so selbst die Segel in die Hand zu nehmen und neue Horizonte zu erkunden.

Während dieses intensiven Lebensabschnitts entwickelte die 29-Jährige eine neue Einstellung, Menschen zu begegnen. Schelbert ist froh, das Risiko eingegangen zu sein, obwohl sie oft direkt mit ihren Schwächen konfrontiert wurde. Ihr Motto ist seither: „Lasst uns versuchen, jeden Tag unser Bestes zu geben – für die Zukunft von uns allen und für die Zukunft dieses Planeten.”

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