Crailsheim Vom Wallfahrtsort zum größten Stadtteil

Ein Stadtteil entsteht: Der Kreuzberg wächst in verschiedenen Bauabschnitten – und mit unterschiedlicher Bebauung. Die historische Aufnahme zeigt den Pamiersring 1976.
Ein Stadtteil entsteht: Der Kreuzberg wächst in verschiedenen Bauabschnitten – und mit unterschiedlicher Bebauung. Die historische Aufnahme zeigt den Pamiersring 1976. © Foto: Stadtarchiv Crailsheim
Crailsheim / Helga Steiger 13.06.2018
In den letzten 70 Jahren entstand auf dem Kreuzberg in mehreren Bauabschnitten Crailsheims größter Stadtteil. Das Gebiet „Zum Heiligen Kreuz“ ist bereits im Mittelalter erwähnt.

Im Winkel zwischen Hammersbachweg und Ellwanger Straße wuchs in den letzten Jahrzehnten das Baugebiet auf dem Kreuzberg zu Crailsheims größtem Stadtteil heran. Auch wenn das Gebiet mit der 1418 geweihten Kapelle „Zum Heiligen Kreuz“ im Mittelalter vor der Stadtmauer lag, investierte die Stadt in die dortige Infrastruktur: Schon um 1450, so belegen die Stadtrechnungen, wurden Zäune errichtet, wenig später wurde der Weg zur Kapelle gepflastert.

Crailsheimer Chroniken berichten, dass dorthin jährlich eine Wallfahrt stattfand. Die Kirche wurde nach der Einführung der Reformation offenbar nicht mehr gepflegt, sie sei „altershalber eingefallen“, ihr Altar wurde in die Stadt verlegt. An die ehemalige Kapelle erinnert der Name des Heilig-Kreuz-Wegs.

Der Name des Schießhauswegs verweist ebenfalls auf ein heute nicht mehr vorhandenes Gebäude: Mit dem „neuen Schießhaus“ entstand 1766 auf dem Kreuzberg eine viel genutzte Anlaufstelle für Belustigungen. Die Crailsheimer Heelsche Chronik vermerkt: „Es ist in dem neuen Schießhaus getanzet und auch vieles Zinn (Zinngeschirr als Preis bei den Schießen) heraus gespiehlet worden, darbey sich viele Burger lustig gemachet“, also amüsiert haben. Auch die auf dem Kreuzberg 1777 erstmals stattfindende „neue Mußwieße“ dürfte zahlreiche Besucher und Besucherinnen aus der Stadt in dieses wenig bebaute „Naherholungsgebiet“ gelockt haben.

Die moderne Besiedlung des Kreuzberges begann nach dem Zweiten Weltkrieg in der Zeit einer großen Wohnungsnot. Auf einem Gelände der Stadt an der Kreuzbergstraße wurden 1949 drei Wohnblöcke mit 28 Wohnungen errichtet. Die Häuser wurden als Versuchsbauten der Forschungsgemeinschaft „Bauen und Wohnen“ gebaut.

Gebiet wächst abschnittsweise

Mit der Ansiedlung neuer Firmen wuchs die Crailsheimer Bevölkerung, was den weiteren Neubau von Wohnungen nötig machte. Als großer Industriebetrieb ließ sich 1956 die Firma Voith aus Heidenheim nieder. Sie war lange Zeit der größte Arbeitgeber in Crailsheim. Für seine Betriebsangehörigen ließ er durch die „Württembergische Heimstätte“ 54 Wohnungen auf dem Kreuzberg bauen.

So wuchs das Gebiet in mehreren Bauabschnitten zunächst entlang der Ellwanger Straße, dann auch in östlicher Richtung bis zum, als große Durchgangsstraße, ausgebauten Pamiersring. Entlang des Hammersbachwegs entstand in den 1970/80er-Jahren eine kleinteilige Eigenheimbebauung. Mit der Bebauung am Berliner Platz erhielt das Gebiet ein neues Zentrum, an dem sich Betriebe zur Nahversorgung ansiedelten. Im Jahr 1993 wurde der Berliner Platz mit einem Sommerfest eingeweiht.

Das Gebiet wuchs schließlich nach dem Zuzug vieler Familien aus den ehemaligen Ostblockstaaten in den frühen 1990er-Jahren in Richtung Süden. Die Stadt richtete mehrere Kindergärten und 1997 eine Grundschule ein. Durch den Bau der großen Mehrfamilienhäuser, die günstigen Wohnraum zur Verfügung stellen sollten, wird der Kreuzberg als „Crailsheims buntester Stadtteil“ angesehen, wo sich Menschen aus vielen Ländern mit unterschiedlichem kulturellen und religiösen Hintergrund niedergelassen haben. Das 1998 eingeweihte Kreuzberg-Gemeindehaus der evangelischen Johannesgemeinde wird daher ökumenisch genutzt.

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