Menschen Vom Sport in die Politik gewechselt

Der Crailsheimer Christoph G. Grimmer ist ein renommierter Sportwissenschaftler, der jetzt in die Politik ging.
Der Crailsheimer Christoph G. Grimmer ist ein renommierter Sportwissenschaftler, der jetzt in die Politik ging. © Foto: Julia Vogelmann
Crailsheim / Julia Vogelmann 01.04.2017
Der Sportwissenschaftler Dr. Christoph G. Grimmer aus Crailsheim arbeitet jetzt als Referent für eine Abgeordnete und als FDP-Pressesprecher in der Hamburger Bürgerschaft.

Tatsächlich war die Sport­redaktion des Hohenloher Tagblatts die erste Stelle auf einer langen Liste von Praktika, die Christoph G. Grimmer während seiner Studienzeit absolvierte. Nach dem Abitur 2005 am Albert-Schweitzer-Gymnasium studierte er Sportpublizistik in Hamburg.

Bei der Nachrichtenagentur dpa stieg der heute 31-Jährige früh als freier Mitarbeiter ein. Nach dem Studium wollte er eigentlich sofort promovieren, doch eine kurzfristig freie Volontariatsstelle bei der dpa in München reizte ihn so sehr, dass er sich bewarb. „Im Leben entscheiden manchmal andere für einen – damit muss man zurechtkommen“, blickt er auf den Moment zurück, als er erfuhr, dass der damalige Sportchef seine Unterlagen nicht zur Chefredaktion der Agentur weitergeleitet hatte.

Also doch Promotion: Seine Erfahrungen im Sportjournalismus lieferten ihm mit dem „Verhältnis von Pressesprechern zu Journalisten“ das passende Thema, das ihm später viel Aufmerksamkeit in Wissenschaft und Medien einbringen sollte.

„Am Anfang hatte ich den Wunsch, über Sportereignisse zu berichten, doch die wissenschaftliche Auseinandersetzung hat mir genauso viel Spaß gemacht“, sagt er rückblickend. Langfristig profitiert hat er nach eigenen Angaben von beiden Ansätzen. Die journalistische Arbeit  lehrte ihn viel über Feinheiten der Sprache, die Herausforderung bei der Dissertation war dann das wissenschaftliche Schreiben.

Noch bevor er seinen Doktortitel erhielt, stieg der passionierte Freizeitläufer als Dozent an einer privaten Medienhochschule in Hamburg ein und wechselte später an die Universität Tübingen, wo er als Lehrkraft für besondere Aufgaben arbeitete. Die Entscheidung, dorthin zu gehen, fiel ihm leicht, weil hier die Forschungsmöglichkeiten seinen beruflichen Vorstellungen entsprachen. „Zu eigenen Ambitionen und Zielen kamen immer wieder Dinge, die nicht geplant waren“, fasst er seinen Werdegang zusammen. Neben einem Lehrauftrag in Norwegen, diversen Konferenzreisen in die USA, nach Dublin und Dänemark berichtet er von einer Kooperation mit dem Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg. Gleichzeitig sagt er: „Ich war immer offen für Neues, wollte neue Perspektiven mit Entwicklungspotenzial.“

Diese Einstellung führte ihn dahin, wo er jetzt ist: Seit letztem Herbst ist Christoph G. Grimmer persönlicher Referent von Katja Suding, FDP-Abgeordnete in der Hamburger Bürgerschaft. Zudem fungiert Grimmer als stellvertretender Pressesprecher der FDP-Fraktion im Hamburger Stadtparlament. Zwar ist er nach wie vor parteilos, identifiziert sich aber nach eigenen Angaben mit dem freiheitlichen und liberalen Menschenbild, das auf Selbstverwirklichung, Leistungsbereitschaft und Verantwortung des Einzelnen baut.

Den Schritt, weg vom Sport hin zur Politik hat er bisher nicht bereut. Was ihm an der neuen Arbeit gefällt, ist die Vielfalt seiner Aufgaben, deren Aufzählung an dieser Stelle den Rahmen sprengen würde. „Ich werde dafür bezahlt, dass meine Chefin sorgenfrei ist – das ist das Wesentliche. Man ist in hektischen Phasen auch mal Blitzableiter, aber wenn sie lächelt, scheint die Sonne“, fasst er schmunzelnd zusammen.

Zwar ist sein Expertenrat in Sportkreisen noch oft gefragt, doch er macht deutlich, dass seine Prioritäten mittlerweile woanders liegen. Einen weiteren Vorteil hat sein erneuter Umzug nach Hamburg außerdem: Er kann wieder mehr aktive Zeit mit seiner achtjährigen Tochter verbringen, die dort lebt.

Den traditionellen Volksfestbesuch in Crailsheim wird Grimmer in diesem Jahr wegen der Bundestagswahl vermutlich nicht schaffen. Dennoch versucht er regelmäßig in seine Heimatstadt zurückzukommen und beobachtet Kommunalpolitik und lokales Sportgeschehen aufmerksam aus der Ferne.

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