Crailsheim Vom Jagdhelfer zum treuen Lebensgefährten

Crailsheim / Heinz Meyer 17.05.2018
Die Historikerin Dr. Heike Krause spricht in Crailsheim über die Geschichte des Verhältnisses des Menschen zum Hund.

Seit Urzeiten ist der Hund ein ständiger Begleiter des Menschen. Über die Kulturgeschichte dieses Vierbeiners referierte jetzt die Historikerin Dr. Heike Krause auf Einladung des Crailsheimer Stadtarchivs sowie des Historischen Vereins in den Rathausarkaden. Mit dabei: „Deutschlands einziger Archivhund“ Helene.

 Die leidenschaftliche „Hundlerin“, wie sie sich selbst bezeichnet, ist Archivarin in Gaildorf und Mainhardt sowie im Diakoniewerk in Schwäbisch Hall. Unter dem Titel „Hunds Tage“ blickte sie jetzt auf die Beziehungsgeschichte des Menschen zu den Vierbeinern zurück.

 Das Verhältnis sei nicht immer gegenseitig gewesen, weiß Krause. Zeitweise wurden die Vierbeiner lästig oder nahmen überhand und wurden deshalb kaltherzig eliminiert. Doch meistens war der Mensch auf den Hund angewiesen, zuvorderst als Jagdgehilfe, später stand der Schutzzweck im Vordergrund, während die Hunde heute oft nur noch gesellige Begleiter sind.

 Die Jagd diente früher der Nahrungsgewinnung, die Unterstützung durch die Vierbeiner war wichtig. Krause zeigte dazu Bilder von Jagdszenen. Die Untertanen mussten oft herrschaftliche Hunde halten, worauf ein „Hundsgeld“ erhoben wurde; ein Vorläufer der Hundesteuer. Eine Reglementierung von Hund und Halter gibt es seit dem Mittelalter; ein „ungereizter Biss“ war meist das Todesurteil für den Vierbeiner. Freilaufende Hunde wurden getötet, um die Population niedrig zu halten. Mitte des 16. Jahrhunderts erschien ein erstes Zoologie-Buch. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts verlangte die Obrigkeit erste Hunde-Registrierungen. Der Jagdhund entwickelte sich auch zum Begleit-, Hüte- oder Arbeitshund. Oft wurden die Vierbeiner auch zur Rattenvertilgung gehalten.

 Eine erste Hundemusterung war im Königreich Württemberg 1822 verfügt worden. Strenge Auflagen für Hunde wurden im späten 19. Jahrhundert gelockert.  Wurden die Vierbeiner früher vorwiegend von Wirten, Metzgern, Bäckern oder auch Handwerkern gehalten, so trat später der so genannte „Luxus-Hund“ in den Vordergrund. Später wurden Schutzhunde auch im Polizei- und Militärdienst eingesetzt.

 Am Ersten Weltkrieg nahmen bis zu 14 Millionen Tiere teil; darunter viele Sanitätshunde. Allein auf deutscher Seite waren es bis zu 6000 Sanitätshunde. Im Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der eingesetzten Tiere auf über 30 Millionen, so Dr. Heike Krause, die regelmäßig eine Hunde-Kolumne in der Gaildorfer Rundschau veröffentlicht. Ihre Erkenntnisse aus rund 20 Jahren Archivarbeit hat sie in dem Buch „Hunds Tage“ zusammengeführt, welches 2014 im Buchhandel erschienen ist.