Feuchtwangen Vom Fremdsein in der Welt

Das Jugendtheaterstück „Kafka“. Zu sehen sind Achim Conrad als Justizangestellter (vorne) und Thomas Hupfer als „K.“.
Das Jugendtheaterstück „Kafka“. Zu sehen sind Achim Conrad als Justizangestellter (vorne) und Thomas Hupfer als „K.“. © Foto: Ralf Snurawa
Feuchtwangen / Ralf Snurawa 13.07.2018
Die letzte Premiere der Feuchtwanger Kreuzgangspiele in diesem Sommer gilt einer Produktion für Jugendliche: Das Projekt „Kafka“ soll den Autor der jüngeren Generation näherbringen.

Schlinge den Traum durch die Zweige des Baumes“, so lautet einer der Sprüche von Franz Kafka, die man am Ende des von Thomas Hupfer und Achim Conrad für die Kreuzgangspiele Feuchtwangen erarbeiteten und nicht nur für Jugendliche gedachten Theaterstücks „Kafka“ in Händen hält: verpackt wie ein Lotterielos und wohl auch der Spruch für das Passieren des Gartentors des Fränkischen Museums.

Denn dort haben die beiden Schauspieler Kafkas „Naturtheater von Oklahoma“ aus dem Romanfragment „Der Verschollene“ ausgebreitet, eine der wenigen Erzählungen Kafkas, der etwas Hoffnungsvolles innewohnt. Kafka einem jüngeren Publikum näher bringen zu wollen, heißt deshalb auch, allzu Düsteres ein wenig auszublenden.

Dabei hat Thomas Hupfer kein einzelnes Werk von Franz Kafka dramatisiert, sondern anhand von Auszügen aus Erzählungen, Fragmenten und Briefen Kafkas ein eigenes Stück zusammengestellt, das Leitthemen aus dem Leben und Werk des Schriftstellers betont. Thomas Hupfer unterstrich dies im Gespräch mit dem Publikum nach der Aufführung. Kafka habe sich zeitlebens als Fremder, in dieser Welt sich oft wie ein Tier oder eine Nummer gefühlt, und immer wieder Prüfungsängste durchstanden: „Kafka ist nie wirklich im eigenen Leben angekommen.“

Man müsse Mitgefühl mit so jemandem entwickeln, „der mit Energie ins Leben aufbricht, aber von Türhütern immer wieder eingegrenzt wird“. Und der Türhüter steht auch am Beginn der Inszenierung. Übers Gartentor mit dem Megafon herausrufend ist Achim Conrad mit Engelsflügeln versehen in diese Rolle geschlüpft. „K.“, wie die von Thomas Hupfer dargestellte Figur schlicht heißt, darf aber im Gegensatz zum Publikum nicht rein. Er scheitert an des Türhüters Frage: „Du hast also keine Ausweispapiere?“

Bereits hier drängen sich einem Anklänge an die aktuelle Politik auf. Die werden mit der Figur des Prüfers, in die Achim Conrad nun mit überdimensionierter Brille schlüpft, weitergeführt. Conrad bezieht dabei das Publikum mit ein. Musste das Publikum zuerst eine auf der Wiese aufgestellte Tür passieren, wird es nun exemplarisch von ihm gemustert.

„K.“, der „immer Schriftsteller sein“ und reisen wollte, darf schließlich auch durch die Tür schreiten. Die Liebe ist für ihn uninteressant, für ihn mit seinem „aus der Rumpelkammer gezogenen Körper“. Im kleinen Amphitheater des Gartens am Museum geht es weiter.

Gekonnt verwandelt sich Achim Conrad: mal vom genervt Auskunft gebenden Hutträger zum alten Mann, dann zum Hund, der „K.“ die Geschichte über den „schmalen Mond“ abluchst. Hupfers „K.“ erzählt als Einlass Begehrender, dass er dem nicht nachweine, dass er keine Geliebte ertragen könne, dass aber ein Mann ohne Frau kein Mensch sei.

Dann ist er auf der Suche nach seinen Artgenossen und findet sie im Publikum. Achim Conrad erscheint als anklagender Sekretär, der „K.“ seine Anklageschrift auf den Rücken stapelt. Wegen was er angeklagt sei? „Das ist geheim!“

Schließlich wird „K.“ zu einem, der sich in die literarische Arbeit rettet. Seine Arbeit als Türhüter in Käferform hat er dabei vernachlässigt und ist somit unnütz. Retten kann er sich aber in ein anderes Leben.

Fremdsein in der Welt, das sei ein Grundthema Kafkas, betont Achim Conrad später noch einmal im Gespräch. Vor diesem Hintergrund stelle sich die Frage danach, wie es da Flüchtlingen ergehe. Und: Wie geht man um mit Flüchtlingen? Die Regierung habe damit größte Schwierigkeiten.

„Kafka“ ist noch bis zum 26. Juli zu sehen

Heute sind gleich drei Vorstellungen des nicht nur für Jugendliche gedachten Stücks „Kafka“ im Garten des Fränkischen Museums bei den Kreuzgangspielen zu sehen: um 11, 21 und 23.30 Uhr. Weitere Abendvorstellungen stehen am 15., 20., 24. und zuletzt am 26. Juli jeweils um 21 Uhr auf dem Programm. Die letzte Vormittagsvorstellung findet am Mittwoch, 25. Juli, um 11 Uhr statt. Informationen zu den anderen Vorstellungen finden sich unter www.kreuzgangspiele.de.

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