Crailsheim Vollblutunternehmer von Beruf

Crailsheim / Melanie Boujenoui 25.07.2018
Mustafa Koc kam vor 28 Jahren als türkischer Einwanderer nach Deutschland. Im Gepäck hatte er jede Menge Geschäftsideen, Tatendrang und den richtigen Riecher für Marktlücken.

Seine Geschichte erzählt sich beinah wie ein Märchen, „masal gibi“, wie Mustafa Koc selbst sagt. Gemeinsam mit seiner Familie lebt er den Traum vieler Ein­wanderer in Deutschland.  Erst kürzlich wurde der Betriebswirt vom türkischen Unternehmerverband Müsiad als „Visionär 2017“ ausgezeichnet. In Crailsheim wächst sein selbst gemachtes Geschäftsimperium etwa zwei Kilometer von der Innenstadt entfernt, am McKee-Platz, zwischen Sophie-­Scholl-Straße und Hans-Scholl-Allee. Mit dem Einkaufszentrum „AS City Center“ und dem „City Hotel“ beläuft sich sein Investment im sechsstelligen Bereich.

Dahinter steckt allerdings harte Arbeit und Risiko. Ehefrau Güldane, die mit anpackt, wo immer sie kann, betont (in perfektem Deutsch): „Wir waren kürzlich das erste Mal, seitdem wir uns vor 28 Jahren selbstständig gemacht haben, für zehn Tage alle gemeinsam im Urlaub.“ Ansonsten seien die drei Kinder quasi in den Märkten groß geworden.

Von Natur aus Geschäftsmann

Bereits als Schulkind kam Mustafa Koc auf den Handel. „Ich habe Bücher verkauft und den Gewinn in Süßigkeiten-Packungen investiert. Den Inhalt habe ich einzeln verhökert“, erzählt der Selfmademan amüsiert und fügt hinzu: „Das Handeln liegt mir im Blut.“ Selbst finanzierte er sich auch sein Studium der Betriebswirtschaftslehre in der türkischen Hauptstadt Ankara. 1990 kam er dann nach Deutschland. Nachdem er einige Jahre die Bundesrepublik mit Plastikblumen aus den Niederlanden versorgte, eröffnete Koc 1996 sein erstes Lebensmittelgeschäft, den Asya Markt in Kreuzberg. Damals hatte er die Bedürfnisse vieler Ausländer oder Bürger mit Migrationshintergrund in der Umgebung in Sachen Lebensmitteln erkannt. Wobei schnell auch echte Horaffen auf den Geschmack so mancher orientalischen Leckerei gekommen sind.

„Wir haben auch viele deutsche Stammkunden, die unsere Frische und unsere Gastfreundschaft im Laden schätzen“, sagt Koc. Nach einigen Vergrößerungen und Umzügen gründete dieser 2011 schließlich seine gleichnamige MK Group und begann mit dem Neubau des AS City Centers in der Hans-Scholl-Allee 2. Der Supermarkt – mit Obst- und Gemüseabteilung, mediterranen Spezialitäten, einer Back- und Süßwarentheke, Dekoartikeln und Getränken und Teppichladen – bewegt sich mit mehr als 14.000 Artikeln bereits im Großhandelsbereich. Außerdem sind in der Einkaufspassage Metzgerei, Friseursalon und Sultan’s Pizzeria eingemietet. „Und ein Geldautomat, das ist mein bester Mieter“, witzelt der Geschäftsmann.

Vielfalt mit breitem Angebot

Wie hoch der jährliche Umsatz liegt, will die Familie allerdings nicht verraten. Insgesamt arbeiten 60 Angestellte im Einkaufszentrum, 30 davon sind bei Koc beschäftigt; 15 im Hotel. Sohn Mehmet Kaan Koc führt das „City Hotel“, das sein Vater 2015 erbaute, gemeinsam mit seiner Frau ­Aysenur und der Unterstützung der ganzen Familie. Bei der Finanzierung wurden die Kocs von ihrer Hausbank unterstützt. „Das war nicht ganz einfach“, sagt Mustafa Koc.

„Wir mussten unser Konzept genau erklären, Pläne und Ertragsaussichten vorlegen. Da war es gut, dass wir mit dem City Center schon gezeigt hatten, dass wir erfolgreiche Geschäftsleute sind.“ Bereits nach drei Jahren zeigt sich, dass der Vollblutunternehmer den richtigen Riecher hatte: „Wir haben etwa 80 Prozent Auslastung“, sagt der 21-Jährige. Neben Bestbewertungen im Internet wurde das Hotel kürzlich zu einem 3-Sterne-Superior-Hotel gekürt. Aufgrund der hohen Nachfrage erweiterten die Kocs ihr Hotel um zehn Zimmer. Jetzt befinden sich auf vier Etagen 41 Zimmer und 70 Betten. „Unsere Gäste sind Geschäftsreisende, Privatpersonen und Familien“, erklärt der Junior-Chef.

Während der Woche sorgen die Firmenkunden für gute Auslastung. An den Wochenenden kurbelt Mehmet Kaan Koc mit Frühstücks-Brunch den Umsatz an.

Ungewöhnlicher Erfolg

Markus Schmid, Leiter des Geschäftsfeldes Gründung und Unternehmensförderung von der IHK Ostwürttemberg, bestätigt: „Diese Geschichte ist eine Ausnahme-Story mit ungewöhnlicher Gemengelage, die unternehmerischen Mut und das Vertrauen der Finanzpartner zeichnet.“

Türkische Familien halten für gewöhnlich zusammen. Beim Unternehmen Koc erweist sich das als wichtiger Vorteil, weil es besonders schwierig ist, zuverlässiges Personal zu finden. Auch die „angeborene“ Gastfreundschaft wirkt sich positiv auf das Geschäft aus. „Viele aus dem Hotelfach lachen mich aus, weil ich zum Beispiel Kaffee umsonst vergebe“, sagt Mehmet Kaan Koc. Ein türkisches Sprichwort besagt: Eine Tasse Kaffee sind gleich 40 Jahre Erinnerungen. „Wäre doch schön, wenn unsere Gäste uns auch noch die nächsten 40 Jahre die Treue halten“, findet der junge Geschäftsmann.

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