Schaden Viele Firmen in der Region kämpfen gegen den Raub ihres geistigen Eigentums

KATHARINE BEHR 12.02.2013
Ideenklau auf Messen, geklaute Werbefotos in Prospekten oder 1:1-kopierte Produkte - vor Marken- und Designfälschungen ist kein Unternehmen mehr sicher. Das spüren auch die hiesigen Betriebe.

Egal ob EBM-Papst, Bürkert, Kärcher oder Bausch + Ströbel - jedes dieser Unternehmen kann von solchen oder ähnlichen Fällen berichten. Obwohl beispielsweise Bausch + Ströbel hochspezialisierte Maschinen herstellt, sind auch sie nicht vor Kopien sicher. "Die Plagiate gehen vom Nachbau einzelner Baugruppen bis hin zur Kopie des Designs", weiß Tanja Bullinger, zuständig für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. "Zudem warb ein chinesisches Unternehmen in einem Prospekt einmal mit unseren Produktfotos."

Beim Ingelfinger Ventilspezialisten Bürkert werden hauptsächlich Komponenten wie Magnet- und Prozessventile kopiert. Die Fälschungen sind dabei kaum vom Original zu unterscheiden. Selbst die Identifikations-Nummern sind gleich.

Bei EBM-Papst werden sowohl komplette Produkte, als auch das Design nachgemacht. "Wir sind sehr stark von Plagiaten betroffen", erklärt Hauke Hannig, Pressesprecher von EBM-Papst.

Der Schaden, der durch diese Kopien entsteht, ist aufgrund der Dunkelziffer für viele Firmen schwer in Zahlen auszudrücken. "Wir gehen davon aus, dass die Fälschungen einen Umsatzanteil von rund 150 Millionen Euro pro Jahr ausmachen, also rund zehn Prozent unseres Umsatzes", erklärt Hannig weiter. Der Großteil der Produktkopien entsteht in China. Bürkert ist aber auch in Brasilien und in ganz Europa schon fündig geworden. Allerdings ließen sich alle Kopien bisher auf China zurückführen. "Das heißt, in den andern Ländern wurden diese Kopien nicht hergestellt, sondern als Handelsware aus China vertrieben", weiß Dr. Gertrud Eppler, Patentexpertin bei Bürkert.

Doch welche Möglichkeiten gibt es, sich vor Fälschungen zu schützen? "Wir entdecken heute mehr Kopien als vor fünf oder zehn Jahren. Aber wir suchen jetzt auch aktiv nach Plagiaten", betont Dr. Gertrud Eppler weiter. Schutz bieten dabei Maßnahmen wie Patente, Marken oder ein Designschutz. "Zudem arbeiten wir auf Messen eng mit dem Zoll zusammen und haben so gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft, beispielsweise auf der Hannover Messe, auch Beschlagnahmen durchgeführt", so Eppler.

Auch EBM-Papst setzt auf Zusammenarbeit: "Wir bekämpfen Produkt- und Markenpiraterie mit Dienstleistern und Behörden vor Ort. So wurde im Juli vergangenen Jahres in China erfolgreich eine Razzia durchgeführt, bei der eine große Menge gefälschter Ventilatoren entdeckt wurde."

Dass sich juristische Schritte lohnen, hat Kärcher vor Kurzem erfahren. Der Reinigungsspezialist gewann einen Prozess wegen unlauteren Wettbewerbs gegen die chinesische Firma Wenzhou Haibao. Diese hatte einen gewerblichen Hochdruckreiniger kopiert. Das Urteil: Wenzhou Haibao ist es untersagt, das Gerät weiter herzustellen. Zudem muss die Firma eine Kompensationszahlung an Kärcher leisten.

Aber auch durch aktive Weiterentwicklung können Unternehmen Produktpiraten das Leben schwer machen. EBM-Papst hat durch seine Entwicklungsarbeit eine Neuerungsquote von über 40 Prozent. "Damit ist nahezu jedes zweite unserer Produkte jünger als fünf Jahre. Für das Unternehmen ist die kontinuierliche Weiterentwicklung so auch ein probates Mittel gegen Markenpiraterie", erläutert Hannig.

Er ist sich sicher, dass EBM-Papst auf einem guten Weg ist: "Im Zeitraum von 2003 bis 2010 konnten wir eine kontinuierliche Zunahme von Kopien feststellen. Seit 2011 sind die Fälle jedoch leicht rückläufig." Dies liegt seiner Meinung nach auch daran, dass der chinesische Staat den Wert des geistigen Eigentums erkannt hat und vermehrt gegen Produktkopien vorgeht. EBM-Papst geht es bei der Bekämpfung der Produkt- und Markenpiraterie zudem um mehr als um die Minimierung wirtschaftlicher Schäden. "Die qualitativ minderwertigen Fälschungen weisen einen erhöhten Verschleiß auf und können die Sicherheitsstandards von uns nicht erfüllen. Daher geht es vor allem um das Vertrauen und den Schutz der Konsumenten."