Dinkelsbühl Viel Schwung mit "The Andrew Sisters" in Dinkelsbühl

Dinkelsbühl / PM 11.06.2016
Gleich eine deutsche Erstaufführung bot das Landestheater Dinkelsbühl mit der Premiere von Andy Hallwaxx‘ „Here we are! The Andrew Sisters“ bei seinen Sommerfestspielen am Wehrgang.

Am Ende gab es begeisterten Beifall vom Publikum für die drei Darstellerinnen der Andrew Sisters – und natürlich mit dem „Boogie Woogie Bugle Boy“ auch eine Zugabe. Doch Julia Klawonn, Marietta Holl und Katharina Felling sangen sich nicht allein durch das Hallwaxx-Stück. Auch Manuel Lopez konnte – etwa als Frank Sinatra, Bing Crosby oder gar als LaVerne Andrews-Vertretung – durch weich-wohlige Baritonstimmlage wie auch als Falsettist überzeugen.

Hallwaxx‘ Theateraufarbeitung der Karriere der Andrew Sisters ist dabei nicht gerade der große Wurf. 2009 wurde das Stück beim Wiener „Volkstheater in den Bezirken“ uraufgeführt – und offensichtlich ganz aufs Volkstheater ausgerichtet: viel Musik, wenig Drama.

Dabei wirkt die Ausgangskonstellation eigentlich spannend: Drei Frauen, Stammkundinnen von Vic Schön, wollen ihrem Frisör helfen. Der hat durch den „Schwarzen Freitag“ 1929 sein in Aktien angelegtes Vermögen verloren. Ein Auftritt der Andrew Sisters in seinem „Beauty Salon“ soll ihn vor dem Ruin retten. Doch versehentlich haben die bei seinem Kollegen angerufen, um mitzuteilen, dass sie nicht kommen können.

Da hat Vic Schön die Idee, seine drei Stammkundinnen, fleißige Sängerinnen im Kirchenchor, zu überreden, sich als die Andrew Sisters auszugeben. Dadurch hätte sich ein schönes Spiel zwischen Realität und Fiktion ergeben können. Hallwaxx hat aber eher für ein Verschwimmen der Spielebenen gesorgt.

Auch die vom Bühnenbild her schön auf den Frisörsalon konzentrierte Inszenierung von Peter Cahn arbeitete nicht dagegen: Sollten es nun die richtigen Andrew Sisters sein oder immer noch ihre Doppelgängerinnen aus dem Frisörsalon, fragt man sich spätestens nach dem Auftritt in der Radioshow.

Nur gegen Ende hin wurde es klarer, etwa, als LaVerne alias Mrs. Weschler nach wundervoll tragikomischem Solo zu „I Can Dream, Can‘t I?“ als „Spiegeltrinkerin“ im Frisörstuhl kurz vor dem eigentlichen Doppelgängerinnen-Konzert im Frisörsalon anscheinend stirbt – dann aber mit einem „Eine Legende stirbt nicht“ wieder erwacht.

Julia Klawonn als Mrs. Ruggiero alias Maxene Andrews, Marietta Holl als Mrs. Levy alias Patty Andrews und Katharina Felling als Mrs Weschler alias LaVerne Andrews harmonieren wunderbar. Sie verleihen der Inszenierung durch ihr pointenreiches Spiel viel Schwung.

Es werden so bekannte Lieder wie „Sing, Sing, Sing“, „Hold Tight“, „Chattanooga Choo Choo“, „Don‘t Sit Under The Apple Tree“, „Rum And Coca Cola“, die „Beer Barrel Polka“ (Rosamunde) oder „Bei mir bist du scheen“ geboten, leider nicht live begleitet. Aber damit kann man leben.

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