Seit 2009 sind Integrationskurse ein fester Bestandteil des Programms der Crailsheimer Volkshochschule. Seit im Januar 2005 das Zuwanderungsgesetz ist Kraft getreten ist, ist die Förderung der Integration von Migranten gesetzlich festgeschrieben. Das bedeutet, der Bund fördert nicht nur die Teilnahme an den Integrationskursen, sondern kann auch bestimmte Gruppen von Zuwanderern dazu verpflichten, die Kurse zu besuchen.
Finanziert und konzipiert werden die Integrationskurse über das Bundesamt für Migration und inzwischen gibt es 24 zugelassene Träger, darunter die Volkshochschule, die diese 700 Stunden umfassenden Kurse durchführen dürfen. So haben alleine in Crailsheim seit 2009 rund 70 Integrationskurse stattgefunden. Etwa 1300 Teilnehmer aus 70 verschiedenen Nationen haben in den letzten neun Jahren 50.000 Unterrichtsstunden absolviert, um Deutsch zu lernen und Deutschland kennenzulernen.
Angefangen hat in Crailsheim alles mit 13 Teilnehmern in einem Abendkurs, seitdem hat sich das Angebot stetig weiterentwickelt – auch wenn die Kursstruktur sich in dieser Zeit nicht verändert hat.
Was sich jedoch immer wieder verändert, ist die Zusammensetzung der Kurse, was die Nationalitäten anbelangt. Sind es im Moment hauptsächlich Menschen aus Osteuropa und der Türkei, die in den Kursen sitzen, waren es vor drei Jahren noch überwiegend Syrer und Afghanen, die die Kurse besuchten. „Im Flüchtlingsjahr 2016 waren es bedeutend mehr Kurse als heute, das wird es so wahrscheinlich nicht mehr geben“, blickt Patrizia Petrou zurück.
Sie war damals eine der neuen Dozentinnen für die Integrationskurse, die an der Volkshochschule angeworben wurden. Heute ist sie Fachbereichsleiterin für Sprachen an der VHS Crailsheim und hat die Entwicklung der Integrationskurse genau im Blick. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Niveau der Kurse“, sagt Petrou.

Bereitschaft von beiden Seiten

Gleichzeitig hat sie aber auch den kritischen Blick nicht verloren wenn sie sagt: „Am Anfang war eine sehr große Euphorie, die Menschen zu integrieren und dann hat man gemerkt, dass es Zeit und Bereitschaft von beiden Seiten braucht. Ich denke uns ist das seit ‚Wir schaffen das’ sehr gut gelungen.“
Große Integrationsbereitschaft bescheinigt sie den Flüchtlingen, die in dieser Zeit nach Deutschland gekommen sind. „Viele sind jetzt im Beruf oder machen eine Ausbildung oder sitzen in den B2-Kursen.“ B2 sind Deutschkurse auf gehobenem Niveau. Sie werden zum Beispiel als Sprachnachweis an vielen Fachhochschulen anerkannt. Auch viele Firmen haben inzwischen erkannt, wie wichtig es ist, zugewanderten Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, ihr Deutsch in solchen Kursen zu verbessern.
„Lesen, Schreiben, selbstständig arbeiten“, so fasst Patrizia Petrou den Mehrwert dieser Anschlusskurse zusammen. Seit 2017 ergänzen berufsbezogene Kurse das VHS-Programm. Rund 200 Teilnehmer haben die Möglichkeit genutzt, ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern. „Das sind viele Menschen, die an den Zahlen dranhängen,“ betont Petrou. Die erfolgreiche Teilnahme an einem Integrationskurs trage maßgeblich zur Integration bei: „Integrationskurse sind ein Baustein. Der Orientierungskurs legt einen Grundstein für das Verständnis für Deutschland. Mit beruflicher Integration fängt ein normales, geregeltes Leben in Deutschland an.“