Crailsheim Gerichtsprozess: vergeblicher Kampf um die Firma

Crailsheim / Harald Zigan 18.05.2018
Das Strafverfahren gegen einen Unternehmer endet vor dem Amtsgericht in Crailsheim mit einer Geldauflage.

Es gibt windige Unternehmer, die bei finanziellen Schieflagen ihres Betriebes auf dumme Gedanken kommen: Da werden Mitarbeiter monatelang nicht bezahlt und die Firma steuert auf die Pleite zu, während der Chef seine Schäfchen schon längst ins Trockene gebracht hat.

Ganz gewiss zählt ein 74 Jahre alter Mann, der sich jetzt vor dem Amtsgericht in Crailsheim zu verantworten hatte, nicht zu dieser Sorte Unternehmer, die nur ihren eigenen Vorteil im Auge haben und ganz bewusst „Arbeitsentgelte vorenthalten oder veruntreuen“ wie es im Strafgesetzbuch heißt.

Hinter der Anklage von Oberamtsanwältin Andrea Koller, wonach der Mann über einige Monate hinweg für vier Beschäftigte die Sozialversicherungsbeiträge in einer Gesamthöhe von rund 25.000 Euro teilweise nicht abgeführt hat, steckt vielmehr der verzweifelte Kampf, einen seit über 30 Jahren existierenden Betrieb nicht vor die Hunde gehen zu lassen.

„Sehr geordneter Betrieb“

Der Ausfall  von zwei Großkunden traf die Firma hart – und immer öfter fehlte fortan das Geld in der Kasse, um die Beiträge vollständig bezahlen zu können. Der Firmenchef, dessen Mitarbeiter ihm auch in schwierigen Zeiten die Treue hielten, ging aber nicht auf Tauchstation, sondern stand stets in Kontakt mit den Versicherungsträgern, die Teilzahlungen akzeptierten.

Als eine Bank allerdings den Kredit-Hahn zudrehte, war der Gang zum Insolvenzgericht nicht mehr zu verhindern. Bis dahin hatten sich die noch fehlenden Beiträge in der besagten Höhe angehäuft.

Der Insolvenzverwalter hat nach eigenem Bekunden einen „sehr geordneten Betrieb“ vorgefunden, der die Forderungen der Gläubiger wohl zu beachtlichen 50 Prozent erfüllen könne. Die Firma soll zudem von einer Verwandten weitergeführt werden.

Sowohl die Vertreterin der Anklage als auch der frühere Firmenchef waren mit dem Vorschlag von Richterin Uta Herrmann, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen, einverstanden: Der Mann muss 1800 Euro an die Traugott-Bender-Stiftung zahlen.