Crailsheim Ursachen so vielfältig wie das Leben

ELS 06.03.2014
Betroffene zu finden, die frank und frei über ihre finanziellen Probleme berichten, ist schwer. Dem HT wurden dagegen anonymisierte Fälle zur Verfügung gestellt. Sie verdeutlichen, wie sich die Schuldenspirale dreht.

So vielfältig wie das Leben sind die Beispiele, die belegen, dass höchst unterschiedliche Ursachen eine private Überschuldung auslösen können. Grundlage für die folgenden Darstellungen ist jeweils das Gläubiger- und Forderungsverzeichnis, das dem Antrag auf Verbrauchernsolvenz angefügt wird.

Eines wird schnell deutlich: Es sind nicht allein die Hauptforderungen, die manchen Schuldner in die Knie zwingen. In vielen Fällen kommen zu den nicht eingehaltenen Zahlungsverpflichtungen noch erhebliche Kosten durch fällige Zinsen und Mahngebühren.

So im Fall einer etwa 30-jährigen Frau, deren Gesamtaußenstände sich auf knapp 30.000 Euro addieren. Allein Zinsen und Mahnkosten summieren sich auf etwa 5000 Euro. Der Fall ist zugleich ein Muster für offenbar unkontrollierten Konsum, denn neun der 28 Positionen des Forderungsverzeichnisses listen Kaufverträge, weitere zehn Dienstleistungen auf. Doch auch unbezahlte Arzt- und Versicherungsrechnungen, unbezahlte GEZ-Gebühren sowie Energieschulden tauchen auf.

Anders gelagert ist der Fall eines etwa 40-jährigen Mannes, dessen Gesamtschulden von 110.000 Euro ihm über den Kopf gewachsen sind. Die Bankschulden resultieren wohl, wie es sich darstellt, aus mehreren Krediten von zusammen gut 80.000 Euro für einen Immobilienkauf, die nicht mehr bedient werden konnten. Der Auslöser geht natürlich aus der Aufstellung nicht hervor - eventuell eine Beziehungskrise?

Dass auch Kleinvieh Mist macht, geht aus einer Liste hervor, die eine gut 30-jährige Frau zusammengestellt hat. Die Gesamtsumme der Forderungen mag manchem Beobachter mit knapp 7000 Euro einigermaßen überschaubar erscheinen, hier genügen sie zum Antrag auf Privatinsolvenz. Anscheinend telefoniert die Dame gern. Zwölf der 23 Positionen sind mit "Telekommunikationsschulden" gekennzeichnet. Die Frau hat so ziemlich alle gängigen Telefonanbieter durch. Dazu gesellen sich "Schulden bei Gewerbetreibenden".

Auf gescheiterte Selbstständigkeit deutet das Sammelverzeichnis einer etwa 40-jährigen Frau, deren Liste mit nur fünf Positionen immerhin rund 136.000 Euro Schulden ausmacht. Hier konnten vorrangig Kreditverträge mit Banken nicht mehr bedient werden, aber auch bei einer Brauerei und der Bundesagentur für Arbeit blieben Rechnungen offen.

Bei anderen Schuldnern tauchen auch Mietschulden und Außenstände bei Krankenkassen auf - oft besonders bitter, weil es hier an die existenziellen Grundlagen geht, wenn etwa die Wohnung gekündigt wird.

Böses Erwachen garantiert: Schuldnerberatung ist erster Schritt