Justiz Unterschriften der Kunden gefälscht

Crailsheim / Harald Zigan 14.04.2018

Reinen Tisch machte ein 26 Jahre alter Mann vor dem Amtsgericht in Crailsheim: „Ohne Wenn und Aber“ gab der gelernte Versicherungskaufmann zu, dass er in mindestens fünf Fällen die Unterschriften von Kunden auf Verträgen gefälscht hat. Das Geständnis des Mannes („Ich bereue zutiefst, was ich getan habe“) ersparte Richterin Uta Herrmann die Ladung von etlichen Zeugen, auf die dann auch der Verteidiger und der Vertreter der Staatsanwaltschaft verzichtet hatten.

An diesem Fall von gewerbsmäßiger Urkundenfälschung gab es nichts zu deuteln: Der für einen Versicherungskonzern arbeitende Angeklagte verfiel wohl erstmals im Mai 2016 auf die Idee, bestehende Versicherungsverträge mit gefälschten Unterschriften zu kündigen und neue Vereinbarungen mit der Assekuranz abzuschließen – ohne Wissen der Kunden.

„Den Überblick verloren“

„Meinem Mandanten ging  es dabei nicht um höhere Provisionen“, sagte Rechtsanwalt Steffen Lindberg aus Mannheim. Denn die Beiträge der neuen Verträge seien zum Teil sogar niedriger ausgefallen. Vielmehr habe der Angeklagte bei über zehn Kundenterminen pro Tag „den Überblick über die Vorgänge verloren“, als er eine generelle Ziel­vorgabe seines Arbeitgebers umsetzte, verschiedene Alt-Verträge zusammenzuführen. „Er wollte die oft schon kurz besprochenen Vertragsumstellungen beschleunigen und vielleicht bei seiner Firma auch als erfolgreicher Mitarbeiter dastehen“, sagte der Verteidiger.

Der Anklagevertreter hielt eine auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten sowie eine Geldauflage von drei Netto-Monatseinkommen für angemessen. Der Verteidiger wiederum plädierte für eine Bewährungsstrafe von neun Monaten und eine Geldauflage von 3500 Euro. Richterin Uta Herrmann quittierte die Urkundenfälschung letztlich mit einer auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe von zwölf Monaten, der Mann muss zudem 3500 Euro an die Traugott-Bender-Stiftung zahlen.

Jetzt auf „schwarzer Liste“

Die Straftaten zogen auch außergerichtlich Kreise: Neben der fristlosen Kündigung durch seine einstige Firma gibt es für den Mann auch einen Eintrag bei der AVAD – ein von Branchenverbänden getragener Verein, der unseriöses Verhalten in der Versicherungswirtschaft registriert. Diese „schwarze Liste“ versperrt dem Mann, der sich die Karriere bei einer Assekuranz zielstrebig und mit großem Einsatz aufgebaut hatte, die Rückkehr in seinen früheren Beruf.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel