Crailsheim Unter den Pfoten schmilzt es

Engagierte Kinder: Simon Kleinhanß (vorne) und Verena Götz (hinten links, beide elf Jahre) informierten über Eisbären und die Arktis. Foto: Bianca-Pia Duda
Engagierte Kinder: Simon Kleinhanß (vorne) und Verena Götz (hinten links, beide elf Jahre) informierten über Eisbären und die Arktis. Foto: Bianca-Pia Duda
Crailsheim / BIANCA-PIA DUDA 16.09.2013
"Jede Stimme zählt" hätte am Samstag das Motto in der Langen Straße lauten können. Am Greenteam-Stand war jedoch keine Stimme für eine Partei, sondern für Eisbären und deren bedrohten Lebensraum Thema.

Während die Parteien nebenan an ihren Ständen fleißig die Werbetrommel rührten, um eine Woche vor der Wahl in der Gunst der Wähler zu steigen, hatten Simon Kleinhanß und Verena Götz (beide elf Jahre) ein anderes Anliegen: Inmitten der Parteistände sammelten sie an ihrem mit Stofftieren dekorierten Stand Stimmen für die Eisbären.

"Wir wollen ein Schutzgebiet für den Nordpol, weil wir es wichtig finden, dass die Eisbären geschützt werden", informierte Kleinhanß über die Aktion ihres Greenteams "Die Ökokrieger". Den Polarbären droht nämlich ihr Lebensraum, die Arktis, unter den Pfoten wegzuschmelzen.

Die Aktion am Samstag stellte die Premiere der beiden jungen Umweltschützer dar. Vor etwa einem halben Jahr haben sich Kleinhanß und Götz zu einem Greenteam - so nennen sich die Jugendgruppen von Greenpeace - zusammengeschlossen. Die Crailsheimer Aktion war Teil des bundesweiten Protesttages zum Schutz der Arktis, auf den Greenpeace-Greenteams in etwa 50 deutschen Städten aufmerksam machten. Wie es auf der Greenpeace-Homepage heißt, ist "die einzigartige Region durch Klimawandel und Industrialisierung bedroht".

Besonders das Gazprom-Offshore-Ölprojekt und die Untersuchungen in der Arktis durch den Ölkonzern Shell versetzen die Umweltschutzorganisation in Alarmbereitschaft. "Gazprom nutzt veraltete Technik. Wenn sich in der Arktis ein Öl-Unfall ereignet, sterben Fische, von denen sich die Eisbären ernähren", schildert Kleinhanß die Konsequenzen der geplanten Öl-Bohrungen des russischen Energie-Konzerns.

"Ich finde es wichtig, dass man sich aktiv einsetzt", so der Elfjährige, der mit reichlich Hintergrundwissen beeindruckte und Tierlexika gelesen hat, noch bevor er eingeschult wurde, wie sich seine Eltern erinnern. "Zum Geburtstag wollte er auch lieber eine Mitgliedschaft im Tierschutzverein als ein Geschenk", so Mutter Stefanie Kleinhanß, die dank ihres Sohnes nun Eier aus Freiland- statt Bodenhaltung kauft.

Sie hatte ihrem Sohn, der sich mit ansteckender Begeisterung für die Umwelt einsetzt, bei der Organisation geholfen. "Um Genehmigungen, Pressearbeit und den Stand müssen wir Greenteams uns selbst kümmern", so Simon Kleinhanß. Das Infomaterial hatten die beiden Gymnasiasten teils von Greenpeace bekommen, teils selbst zusammengestellt.

Zudem hatten sich "Die Ökokrieger" einiges für die Passanten ausgedacht: So konnten diese mit ihrer Unterschrift auf einer Eisbärenpostkarte symbolisch einen Eisbären adoptieren oder beim Eisbären-Quiz teilnehmen, sogar gegen "Bärenhunger" gab es etwas: Kekse in - klar - Bärenform.

Info Weitere Hintergrundinformationen zur Aktion und zu Greenteams gibt es auch im Internet unter www.kidsfuerdiearktis.greenpeace.de oder unter www.savethearctic.org.

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