Nichts Geringeres als die „Modernisierung der Kommunalverfassung“ hatte Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer im Sinn, als er im September vorschlug, die unechte Teilortswahl abzuschaffen und die Ortschaftsräte durch Bezirksbeiräte zu ersetzen oder zumindest Gremien zusammenzulegen. Inzwischen ist klar, dass zumindest die Sache mit den Ortschaftsräten vom Tisch ist, denn bei keinem seiner sieben Besuche in den Crailsheimer Teilorten stieß er auf Gegenliebe.

Auch in Westgartshausen, wo er kürzlich seine „Tournee“ durch die sieben Teilorte mit Ortschaftsratsverfassung beendete, bekam er eine Abfuhr. Damit ist klar, dass die Gremien bestehen bleiben, denn sie können sich nur selbst auflösen – wollen das aber nicht. Auch der Vorschlag von Grimmer, die Zahl der Ortschaftsräte durch Zusammenlegungen (Westgartshausen mit Goldbach, Tiefenbach mit Triensbach und Jagstheim mit Onolzheim) zu reduzieren, hat wohl keine Chance auf Realisierung.

Landstraße zwischen Gründelhardt und Obersontheim Strecke ist ab Freitag wieder frei

Gründelhardt/Obersontheim

Damit ist auch der Denkanstoß von Grimmer, Bezirksbeiräte in Crailsheim einzuführen, vom Tisch. Sie könnten nämlich nur kommen, wenn die Ortschaftsräte aufgelöst werden. Der Vorteil der Bezirksbeiräte ist, dass sie (im Gegensatz zu Ortschaftsräten) auch in Stadtteilen gebildet werden können, die mit der Kernstadt baulich zusammenhängen, etwa Roter Buck, Sauerbrunnen, Altenmünster oder Kreuzberg. Der Nachteil ist, dass die Mitglieder von Bezirksbeiräten vom Gemeinderat bestimmt, also nicht wie Ortschaftsräte von den Bürgerinnen und Bürgern gewählt werden.

Hermann Wagner: Ortschaftsräte sind wichtig für die Balance zwischen Kernstadt und Stadtteilen

Während Grimmer anhand einer Statistik belegte, dass sich immer weniger Menschen als Kandidaten für Ortschaftsratswahlen aufstellen lassen, hob der Westgartshausener Ortsvorsteher Hermann Wagner hervor, wie wichtig die Ortschaftsräte für die Balance zwischen Kernstadt und Stadtteilen sind. Als Beispiel führte er die Baulandpolitik der Stadt an, die ab Mitte der 1990er- bis Mitte der 2010er-Jahre auf die Kernstadt fokussiert gewesen sei. Das habe zu einer geradezu „bedrohlichen Entwicklung“ in den Teilorten geführt. Weil keine Bauplätze vorhanden gewesen seien, hätten viele Familien anderswo bauen müssen. Eine solche Entwicklung führe zu einer Überalterung und gefährde zudem die Sozialstrukturen in den Teilorten, so Wagner. Mittlerweile, das anerkannte er, hat sich die Situation geändert, verfügen auch die Teilorte wieder über Baugebiete.

Schwäbisch Hall

Oberbürgermeister: Unechte Teilortswahl ist nicht durch Eingemeindungsverträge geschützt

Den Hinweis von Ortsvorsteher Wagner, man solle sich mal vor Augen führen, was alles in den Eingemeindungsverträgen der Teilorte geregelt ist, griff Grimmer auf. „Meine Tür steht den Ortsvorstehern offen“, sagte er. Und vergaß nicht zu erwähnen, dass die unechte Teilortswahl, die den Stadtteilen Sitze im Gemeinderat garantiert, nicht durch diese Verträge geschützt sei. Über die Abschaffung der unechten Teilortswahl, dem zweiten Vorhaben von Grimmers Modernisierungsbemühungen, entscheidet allein der Gemeinderat.