Serie: Straßengeschichten Umstrittener Ehrenbürger Friedrich Fröhlich war Bürgermeister

Crailsheim / CHRISTINE HOFMANN 26.04.2012
Wichtige Industrieansiedlungen zum Beispiel hat Friedrich Fröhlich als Crailsheimer Bürgermeister realisiert. Wegen seiner Politik und Haltung im Dritten Reich ist er aus heutiger Sicht umstritten.

Nach einstimmigem Beschluss des Gemeinderats vom 8. September 1955 wurde Friedrich Fröhlich zu seinem 75. Geburtstag die Ehrenbürgerwürde verliehen. In der Begründung hieß es: "Bürgermeister a. D. Friedrich Fröhlich hat in nahezu 35 Jahren als Bürgermeister die Geschicke der Stadt Crailsheim vorbildlich und vorausschauend zum Wohle der Stadt und der Bevölkerung geleitet und auch nach seiner Amtszeit freiwillig maßgebend am Wiederaufbau der kriegszerstörten Stadt mitgearbeitet."

Die Benennung einer Straße im Baugebiet am Mittleren Weg 1968 erlebte Fröhlich nicht mehr: Vier Jahre zuvor war er im Alter von 84 Jahren gestorben.

Geboren ist Friedrich Fröhlich in Heutingsheim bei Ludwigsburg. Nach dem frühen Tod seiner Mutter wuchs er bei Onkel und Tante auf. Obwohl er keine Möglichkeit zu einer höheren Schulbildung hatte, schaffte er es durch intensive Vorbereitungen, die Prüfung zum gehobenen Verwaltungsdienst als Bester zu bestehen.

Seine erste Anstellung bekam er im Jahr 1902 bei der Stadtverwaltung Crailsheim als städtischer Beamter. Vier Jahre tat er hier Dienst, wechselte dann für fünf Jahre zur Stadtverwaltung Stuttgart, bevor er sich 1911 als parteiloser Kandidat bei der Bürgermeisterwahl in Crailsheim aufstellen ließ - und gewählt wurde. 1921 und 1931 wurde er mit großer Mehrheit wiedergewählt.

Bis 1945 stand Friedrich Fröhlich an der Spitze der Verwaltung. Anfang 1948 trat er auf Bitte einer Gruppe Crailsheimer Bürger nochmals zur Wahl des Bürgermeisters an, verlor aber deutlich gegen seinen Nachfolger Wilhelm Gebhardt.

Fröhlichs Hauptaufgaben als Bürgermeister waren Industrieansiedlungen wie die der Nahrungsmittelfabrikanten Bourzutschky und Schaper, von Möbel König, Bosch und anderen Firmen. Er kaufte frei werdende Grundstücke für die Stadt auf und gewann dadurch Platz für weitere Industriebetriebe und die Anlage des Fliegerhorstes 1935. Fröhlich begann mit dem Aufbau des Heimatmuseums und erschloss das Neubaugebiet am Kreuzberg. Nach 1945 arbeitete er - bereits im Ruhestand - im Baulandumlegungs-Ausschuss zum Wiederaufbau der Stadt mit.

Wegen seiner Politik und Haltung während des "Dritten Reiches" und im Zusammenhang mit der Kriegszerstörung von Crailsheim im Jahr 1945 ist Friedrich Fröhlich aus heutiger Sicht umstritten.

"Viele Repressionsmaßnahmen des NS-Regimes, etwa die Deportation der Crailsheimer Juden und die sogenannte Arisierung ihres Eigentums, geschahen mit Kenntnis und Unterstützung der Stadtverwaltung", sagt Stadtarchivar Folker Förtsch.

In seinem Entnazifizierungsverfahren wurde Friedrich Fröhlich als "Mitläufer" eingestuft. Die vollständige Zerstörung der Innenstadt ist nach Recherchen des Historikers Folker Förtsch Ergebnis einer Reihe von Bedingungen und Faktoren, die sich im Falle Crailsheims zum Nachteil der Stadt auswirkten. Ein Faktor ist dabei, dass sich in der letzten Phase der Kämpfe um Crailsheim keine verantwortliche Person in der Stadt befand, die die weiße Fahne hisste, um zu retten, was noch zu retten war. Bürgermeister Friedrich Fröhlich war zu dieser Zeit bei seiner Familie in Wäldershub.

Info In der nächsten Woche stellt das HT die Geschichte der Adam-Weiß-Straße in Crailsheim vor.

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