Crailsheim „Armee braucht Ausrüstung“

Ein Politiker beantwortet die Frage der Woche. Heute: Inge Gräßle (CDU). Sie sitzt seit 2004 im Europaparlament.
Ein Politiker beantwortet die Frage der Woche. Heute: Inge Gräßle (CDU). Sie sitzt seit 2004 im Europaparlament. © Foto: Partei
Crailsheim / HT 08.12.2017
Ein Politiker beantwortet die Frage der Woche. Heute: Inge Gräßle (CDU). Sie sitzt seit 2004 im Europaparlament

Das EU-Parlament hat Hilfen für Militärs in Entwicklungsländern zugestimmt. Kann so wirklich Stabilität in diesen Ländern, etwa in Afrika, geschaffen werden?

Ihre Frage ist sehr berechtigt – trotzdem: Ja! Die meisten Opfer islamistischer Terrororganisationen gibt es in Afrika. Der Sahel ist ein Ziel dschihadistischer Organisationen geworden. 2012 wurde der Norden Malis von 600 mit lybischen Waffenbeständen ausgerüsteten Terroristen überrannt. Die schlecht ausgerüstete nationale Armee ergriff praktisch die Flucht. Der Vormarsch der Dschihadisten auf die Hauptstadt Bamako im Süden wurde von der französischen Armee gestoppt, übrigens gefeiert von der einheimischen Bevölkerung.

Seit 2013 gibt es EUTM – eine multinationale Militärmission der EU zur Ausbildung der Armee Malis mit einem Mandat der Vereinten Nationen. Bis zu 1000 Soldaten der Bundeswehr und zusätzlich 10 000 Blauhelme der Vereinten Nationen (MINUSMA) sollen das Land stabilisieren. Der Aufbau der Armee in Mali ist Teil des Mandats, damit diese Armee auch die Sicherheit für das Land und seine Bewohner übernehmen kann.

Diese Armee braucht Ausrüstung, von Schuhen und Uniformen bis zu Ferngläsern und Nachtsichtgeräten, Transportfahrzeugen und Kommunikationsmitteln („alles außer Waffen“). Eine solche EU-Militär­mission gibt es auch in Somalia. Die EU nennt dies „Kapazitätsaufbau“, damit die Länder für sich selbst Verantwortung über­nehmen können. Dieser Aufbau kommt uns wiederum zugute, wenn diese afrikanischen Armeen die islamistische Terrororganisation selbst effizient bekämpfen können.

Nach den Erfahrungen in ­Afghanistan, in Syrien und im Irak muss eines unbedingt verhindert werden: die Entstehung eines von Islamisten regierten Landes als Brutstätte und Rückzugsgebiet für regional oder weltweit operierende Terrororganisationen. Nur modernisierte und reformierte afrikanische Armeen geben den Bundeswehr(ausbildungs)missionen Sinn. Und die Kosten dafür sind klein im Verhältnis zu dem, was wir in die Auslandsmissionen der Bundeswehr investieren müssen. Nachhaltigen Erfolg haben diese Missionen nur dann, wenn die afrikanischen Armeen eigenständig weitermachen können.

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