Ist es angemessen, für eine Erlebnisbrauerei mit der Natur zu werben, um sie gleichzeitig mit ihrem Bau zu zerstören?“ Mit dieser Frage hätten sich vor einem Jahr Bürger aus Saurach und Umgebung zur Bürgerinitiative „Sauracher Sauerholz schützen“ zusammengeschlossen, um gegen die dort geplante neue Brauerei ins Feld zu ziehen, sagt Heike Johannsen, die für die Ini­tiative spricht. „Pünktlich zum einjährigen Gründungstag“ wurden gestern über tausend Unterschriften im Crailsheimer Rathaus abgegeben.

Holprige Übergabe

Die BI (Bürgerinitiative), so Johannsen, habe Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer die Unterschriften öffentlich überreichen wollen; mit einem solchen Entscheidungsprozess müsse „offen und transparent umgegangen“ werden. Christoph Grimmer wiederum bedauert, dass es zu keiner persönlichen Übergabe der Unterschriften kam: „Ich habe einen nicht öffentlichen Termin mit maximal zwei Vertretern der Bürgerinitiative angeboten. In diesem Rahmen hätte ich gerne den persönlichen Kontakt mit den Vertreterinnen und Vertretern der Initiative gepflegt und mich inhaltlich über das geplante Ziel­abweichungsverfahren sowie die Aktivitäten der BI ausgetauscht.“ Eine medienwirksame Übergabe mit Fotoaufnahmen wolle er nicht unterstützen, „da die Unterschriften zumindest teilweise unter unredlichen Umständen gesammelt worden sind“.

In einer Pressemitteilung betont die Bürgerinitiative (BI), dass sie das Konzept einer Natur-und Erlebnisbrauerei unterstütze, „jedoch an einem für Natur und Mensch verträglicheren Standort“. Sie appelliert an die verantwortlichen Entscheidungsträger und die Brauerei Engel, die Planungen an diesem Standort einzustellen und die bestehenden Alternativstandorte ernsthaft in Betracht zu ziehen. Es sei vielen Menschen aus der Region wichtig, „diesen letzten nur wenig zersiedelten grünen Flecken zwischen Ilshofen und Crailsheim in seinem jetzigen Zustand zu erhalten“.

Crailsheim

Mit gutem Grund sei dieser Bereich im Regionalplan rechtlich bindend als Grünzug ausgewiesen. Die BI sei froh, dass sich der Regionalverband Heilbronn-Franken in seiner Stellungnahme vom 30. November 2017 gegen ein Gewerbegebiet an diesem Standort ausgesprochen und auf einen möglichen Verstoß gegen den Landesentwicklungsplan 2002 hingewiesen habe. Unterstützung gebe es vom Landratsamt, das erhebliche Bedenken gegen ein Gewerbegebiet am Sauerholz vorbringe und auf zwei weniger problematische Alternativstandorte verweise, die vom Umweltzentrum Kreis Hall ins Spiel gebracht wurden.

Johannsen sagt, für viele Bürger sei Naturschutz ein wesentlicher Grund, sich für die Erhaltung des Gebietes am Sauracher Sauerholz zu engagieren. Denn der Projektstandort unmittelbar am Randbereich des Burgbergwaldes sei bisher rein landwirtschaftlich genutzt, im direkten Umfeld gebe es ein Naturdenkmal und mehrere Schutzgebiete in Form von Feuchtwiesen, Sümpfen, Quellbächen und Dolinen. Werde das Vorhaben dort realisiert, seien negative Einflüsse auf diese Naturschutzjuwelen durch Wasserentnahme, Lärm, Unruhe, Lichtverschmutzung unvermeidbar. Unter anderem sei mit Störungen des Wasserhaushaltes, dem Verschwinden seltener Arten und dem Unterbinden des dortigen Biotopverbundes zu rechnen. Schließlich gefährde das geplante Gewerbegebiet die Existenz eines biologisch-dynamisch wirtschaftenden Landwirtes, der auf die Flächen in direkter Nähe seiner Hofstelle angewiesen ist.

Herbe Kritik

Noch im November habe die BI von einem 27 Hektar großen Gewerbegebiet gesprochen, sagt Grimmer zum Thema „unredlich“ und zählt dann verschiedene Gelegenheiten auf, bei denen öffentlich mitgeteilt wurde, „dass es sich um eine vier Hektar große Fläche handelt, von denen 2,5 Hektar bebaut und 1,5 Hektar versiegelt werden würden“. Und obwohl die L 2218 mit rund 11.000 Fahrzeugen täglich in unmittelbarer Nähe zum möglichen künftigen Standort der Biermanufaktur vorbeiführe, werde von naturbelassenem Gebiet gesprochen.

Grimmer fährt fort: „Selbst bei zahlreichen ortsfremden Personen hat die BI in den vergangenen Monaten unter falschen Vorgaben Unterschriften erwirkt und hiermit letztlich auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Crailsheimer Stadtverwaltung sowie kommunalpolitische Vertreter in Misskredit gebracht.“ So kritisiert der Oberbürgermeister, dass über Facebook mit einem Erich Kästner-Zitat von „Unfug“ gesprochen werde: „Ich bedauere, dass die BI Haltungen und Darstellungen, die ihren Vorstellungen entgegenstehen, als „Unfug“ abtut.“ Wer auf unlautere Weise Unterschriften erwirke und das Vorgehen von Stadtverwaltung und Gemeinderat in dieser Tonart und Schärfe attackiere, schüre Politikverdrossenheit. Bürgerinitiativen, so die herbe Kritik aus dem Rathaus, „sollten an demokratischen Maßstäben gemessen werden und mit Fakten statt Fake News operieren“. „Mit meiner persönlichen Annahme der Unterschriften“, so Grimmer, „und einem persönlichen Gespräch ohne Öffentlichkeit wollte ich den Weg gehen, miteinander statt übereinander zu reden und gegenüber der BI zum Ausdruck bringen, dass Inhalte und Sachlichkeit sich gegenüber Schlagzeilen und Effekthascherei durchsetzen.“

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