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Crailsheim / Joachim Mayershofer  Uhr
Der Crailsheimer Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer geht trotz vollem Terminkalender regelmäßig laufen. In einem Buch hält er alles fest.

Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer hat Anfang Oktober beim Stadtlauf in Crailsheim Platz 10 von 268 Läufern belegt. Die zehn Kilometer legte er in 36:18 Minuten zurück. Der 33-jährige studierte Sportwissenschaftler kennt kein schlechtes Laufwetter, wie er verrät. Das liegt auch an Hamburg.

Herr Dr. Grimmer, Anfang Oktober haben Sie beim Stadtlauf in Crailsheim Platz 10 von 268 Läufern belegt. Die zehn Kilometer legten Sie in 36:18 Minuten zurück. Können Sie sich noch an Ihre allererste gelaufene Zeit über diese Strecke erinnern?

Ja, bei meinem ersten offiziellen Laufwettkampf 2015 in Tübingen wurde ich 38. unter 1200 Männern mit einer Zeit von 36:56 min.

Herr Dr. Grimmer, seit wann haben Sie diese Leidenschaft fürs Laufen, woher kommt sie?

Dr. Christoph Grimmer: Beim Tennis früher bin ich schon immer gerne gelaufen. Ein Gegner schimpfte mal, ich würde „Anti-Tennis“ spielen, weil ich eher auf Sicherheit gespielt habe, jeden Ball erlief und einfach zurückspielte. Das hat mir Spaß und ihn mürbe gemacht. Für das Sport-Abitur bin ich regelmäßig laufen gegangen, obwohl der Cooper-Test eigentlich das war, wofür ich am wenigsten hätte tun müssen.

Welchen Stellenwert nimmt Laufen in Ihrem Leben ein? Hat es für Sie nur einen gesundheitlichen Aspekt oder laufen Sie auch aus anderen Gründen?

Wenn ich sehe, dass es buchstäblich „gut läuft“, tanke ich damit auch Selbstbewusstsein für Leistungsfähigkeit im beruflichen Geschehen. Ich glaube an mich, schrecke vor termingespickten Tagen nicht zurück und weiß, dass ich auch mal die Ausdauer für beanspruchende Phasen habe. Neben dem gesundheitlichen Mehrwert gibt es mir also auch mentale Stärke. Zudem denke ich über vieles im wahrsten Sinne „bei-läufig“ nach: die nächste Sitzung, das nächste Grußwort oder auch strategische Vorhaben. Und nicht zu vergessen: Wenn das Tagesgeschehen oft rastlos ist, gibt das Laufen mir die Möglichkeit, Vorgänge zu verarbeiten oder mich auch mal ganz bewusst an Erreichtem zu freuen.

Matthias Schwarz ist einer der bekanntesten Läufer der Region. Mittler sieht der 49-Jährige Braunsbacher vor allem unter dem Gesundheitsaspekt.

Es gibt Läufer, die sind lieber morgens vor der Arbeit unterwegs, andere hingegen lieber abends. Zu welcher Kategorie gehören Sie und warum?

Definitiv abends. Morgens komme ich schwerer in die Gänge. Ich arbeite abends auch gerne länger. Die effektivsten Zeiten in meiner Promotionsphase waren vermutlich zwischen 22 und 3 Uhr nachts – da rief niemand mehr an oder schrieb SMS. Aufgrund der Dunkelheit nehme ich mir über die Wintermonate aber die Freiheit, zumindest einen Morgen in der Woche später ins Rathaus zu gehen und eine Laufrunde zu absolvieren. Am Wochenende laufe ich am liebsten vor dem Mittagessen, um nachmittags Fußballbundesliga schauen zu können.

Ihr Terminkalender ist prall gefüllt. Wie oft in der Woche planen Sie eine Sport- beziehungsweise Laufeinheit ein?

Im vergangenen Jahr habe ich 121 Runden geschafft; also im Durchschnitt jeden dritten Tag. Meine gewohnte Strecke dauert rund 50 Minuten. In meinem besten Jahr in Hamburg, 2010, kam ich auf 235 Alster-Runden und zusätzlich 18 Runden bei meinen Besuchen in Crailsheim. Seit Beginn meines Studiums 2005 führe ich darüber Buch – deshalb kann ich das heute noch nachvollziehen.

Haben Sie eine Lieblingstrainingsstrecke in der Region, die Sie unseren Läufern ans Herz legen können?

Im Schönebürg ist es toll, ein echtes Kleinod zum Spazieren und Laufen – reine Luft, eine unglaubliche Ruhe und Abgeschiedenheit und auch für die Gelenke vom Untergrund angenehm zu laufen.

Gehen Sie im Winter genauso oft im Freien joggen wie im Sommer?

Wer neun Jahre in Hamburg auch mal bei Regen und Sturm laufen war, macht keinen Unterschied mehr zwischen Sommer und Winter.

Als Sportwissenschaftler kennen Sie sich auch mit Medizin, Trainings- und Bewegungslehre aus. Kleiner Test: Wie würden Sie dem Laien die anaerobe Schwelle beim Ausdauertraining erklären?

Das ist die Grenze, an der das gebildete Laktat noch in gleicher Menge abgebaut werden kann. Bei einer Belastung darüber ist die Leistungsfähigkeit zwar höher, aber aufgrund der Ermüdung des Muskels nur begrenzte Zeit aufrechtzuerhalten. Für die Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit ist ein Training an ebendieser Grenze gut.

Vor 15 Jahren wurde in Crailsheim eine Lauf-Aktion ins Leben gerufen. Höhepunkt war die Teilnahme am Frankfurt-Marathon.

Viele Menschen wollen durch unsere Aktion „Lauf geht’s“ abnehmen. Lässt Ausdauersport die Pfunde wirklich am besten purzeln?

Die Beantwortung dieser Frage überlasse ich Sportmedizinern. Es gibt verschiedene Schulen und Philosophien, schließlich hat Muskulatur einen höheren Energiebedarf als Fett, weshalb natürlich auch eine Zunahme von Muskelmasse zu einer positiven Energiebilanz führt. Am besten ist daher auch vor dem Hintergrund der notwendigen Superkompensation eine Mischung aus Ausdauer- und Kraftsport. Ich selbst beschäftige mich damit nicht so sehr, weil ich überzeugt bin, dass ein insgesamt gesunder Lebensstil das Beste für Körper und Seele ist: bewusste Ernährung, ausreichend Schlaf, soziale Kontakte, nicht rauchen, sich selbst, das Leben an sich und möglicherweise unerfreuliche Erscheinungen wie Bürokratie oder Steuererhöhungen nicht ernster nehmen als notwendig. Optimismus, Zuversicht und Zufriedenheit sind mir wichtiger als das Zählen von Kalorien.

Wie viel Sport ist eigentlich gesund?

Wenn man Verschleißerscheinungen hat und Schmerztabletten nehmen muss, um trotzdem Sport machen zu können, ist das sicherlich bedenklich. Aber wir müssen ja nicht immer ans Maximum denken: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen pro Woche mindestens 150 Minuten Sport mit moderater Intensität wie Radfahren oder Schwimmen als ausreichend. Alternativ 75 Minuten Bewegung mit hoher Intensität wie Laufen oder Mannschaftssport. Wer sich verbessern möchte, sollte die Umfänge jeweils verdoppeln. Bei Kindern spricht man von rund 60 Minuten pro Tag; deshalb halte ich Sport für eines der wichtigsten Schulfächer, um Kinder früh für Bewegung zu begeistern. Der volkswirtschaftliche Nutzen des Schulsports ist meines Erachtens immens.

Bellt bei Ihnen auch manchmal der innere Schweinehund? Wenn ja, wie bringen Sie ihn zum Schweigen?

Nein, die Vorfreude ist bei Sonnenschein natürlich größer. Dafür ist bei Regen oder Kälte das Glücksgefühl nach dem Laufen doppelt so groß.

Die Aktion „Lauf geht’s“ wird auf Infoabenden in Schwäbisch Hall, Crailsheim und Gaildorf vorgestellt.

Wann verzichten Sie ganz bewusst auf eine Laufeinheit (Ich meine jetzt so was wie Grippe, Husten, Fersensporn, etc.)?

Es gibt ja einige, die im Urlaub besonders gerne die Laufschuhe einpacken. Das muss ich nicht haben, weil der Körper und die Strukturen wie Gelenke, Bänder und Sehnen auch mal eine Auszeit verdienen. Bei Erkrankung ist der Körper ohnehin geschwächt und die Lauflust gering – das ist ein guter Indikator, sich noch zu erholen.

Haben Sie als Läufer noch ein großes Ziel, sprich eine bestimmte Veranstaltung, an der Sie unbedingt einmal teilnehmen wollen, und eine Zeit, die Sie beim Halbmarathon oder beim Marathon auf jeden Fall erreichen wollen?

Nein, ich möchte mir möglichst lange die Freude am Laufen bewahren. Und dafür brauche ich keine Wettkämpfe. Es soll für mich gerade eben weiter ein Ausgleich bleiben. Dass ich einmal einen Marathon unter drei Stunden beenden konnte, war mein Ziel. Das habe ich auf Anhieb geschafft.

Welcher Lauf steht als nächstes an, und werden Sie Ende September auch beim Einstein-Marathon in Ulm starten, der das große Ziel unserer Aktion ist?

Meine Teilnahme für den Burgberglauf am 30. Juni habe ich zugesagt, ein Halbmarathon. Ich hoffe auf gutes Wetter. Vermutlich gehe ich auch beim Sparkassenlauf in Crailsheim am 3. Oktober wieder an den Start. Für den Einstein-Marathon habe ich mich bislang nicht angemeldet; nach dem Marathon in Hamburg würde mich München als nächstes reizen.

Sie laufen auch gerne mit anderen Kollegen wie dem Dinkelsbühler OB Dr. Christoph Hammer. Hand aufs Herz: Wer läuft Ihnen da den Rang ab?

Mein bayrischer Amtskollege ist schon ziemlich zäh. Als ich mit ihm laufen war, musste ich mich fragen, wer von uns beiden eigentlich der Jüngere ist …

Herzlichen Dank für das Interview!

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Die Aktion Lauf geht’s des Verlags Südwest Presse Hohenlohe bringt Menschen im Landkreis Schwäbisch Hall in Bewegung: In sechs Monaten trainieren die Teilnehmer auf das Ziel hin, den Halbmarathon beim Einsteinmarathon in Ulm am 29. September zu laufen. Das Training beginnt Anfang April.

An drei Infoabenden wird „Lauf geht’s“-Erfinder Wolfgang Granjean aus Aalen die Aktion im Detail vorstellen. Sie finden statt am Mittwoch, 20. Februar, um 19 Uhr in der Hospitalkirche in Schwäbisch Hall, am Montag, 25. Februar, um 19 Uhr im HT-Forum in Crailsheim und am Montag, 4. März, um 19 Uhr in der Limpurghalle in Gaildorf.

Die Lauftreffs werden in Schwäbisch Hall (mittwochs um 18 Uhr am Schenkenseestadion), in Crailsheim (dienstags um 19 Uhr am Schönebürgstadion) sowie donnerstags um 19 Uhr in Gaildorf (Sportplatz Bleichwiese) und Fichtenberg (Gemeindehalle) angeboten. An jedem Standort gibt es Gruppen in drei Leistungsklassen: für geübte Läufer, Wiedereinsteiger und Anfänger. Alle Laufgruppen werden von erfahrenen und speziell geschulten Trainern angeleitet und begleitet. hof