Musdorf Treffpunkt Brauerei Schmetzer: Männerhort mit Kultstatus

Musdorf / SEBASTIAN UNBEHAUEN 13.10.2014
Das Wort "Kult" ist mit Vorsicht zu gebrauchen - hier aber gänzlich angebracht: Der Schmetzer-Stand im Gewerbezelt ist ein Ort gedrängter Geselligkeit und für viele ein Hauptanlaufpunkt auf der Muswiese.

Er liegt versteckt im Zelteck, er ist nur 42 Quadratmeter groß. Es gibt eine Theke, zwei Stehtische und ein paar Biergarnituren. Das reicht, um Muswiesen-Herzen höher schlagen zu lassen. Der Stand der Brauerei Schmetzer aus Michelbach/Lücke ist seit 32 Jahren ein Treffpunkt, an dem man die komplizierten Fragen des Lebens für ein paar Stunden hinter sich lassen kann. Stattdessen stehen die Gäste in erster Linie vor folgender Entscheidung: Schwarzer Adler oder Hefepils? Das sind die zwei Biersorten vom Fass und hier scheiden sich die Geister. Ansonsten aber ist man sich einig: Beim Schmetzer lässt sich ein Muswiesen-Nachmittag besonders gemütlich rumbringen.

Man kennt sich. "Es kommen immer ein bisschen die gleichen", sagt Sigrid Schmetzer-Jaeger. Das ist kein Wunder: Wer zu Stoßzeiten in den Stand will, kommt an engem Körperkontakt nicht vorbei. Schmetzer-Jaeger: "Da quetscht sich ein Fremder nicht unbedingt rein."

Heuer hat sie ein großes Plakat aufgehängt, sie nennt es "Wall of Fame". Bilder von Stammgästen sind darauf zu sehen - eine Hommage an jene, die immer wieder kommen. Wer den Schmetzers bekannt ist, kriegt übrigens traditionell auch das erste Bier umsonst. Für manche hat die Muswiese erst richtig begonnen, wenn dieses getrunken ist.

"Für mich ist das eine Ehre", sagt Geschäftsführer Carl Schmetzer, der vom Muswiesen-Publikum Jahr für Jahr begeistert ist: "Die Leute sind phänomenal ehrlich. Wenn meine Schwester ihnen schon ein Freibier ausgegeben hat und ich das nicht mitbekommen habe, weisen sie mich darauf hin. Das gibt es nur hier in der Gegend."

Diese Gegend ist seit der Brauerei-Gründung 1716 Schmetzersches Kernland. Die älteste Bauernwirtschaft auf der Muswiese ist der Uhl - und dort wird seit Anbeginn Michelbacher Bier ausgeschenkt. Carl Schmetzers Vater hat die Gewerbeausstellung mitinitiiert, das frühere grün-weiß gestreifte Zelt gehörte der Brauerei. Und so musste Carl Schmetzer schon mal ausrücken, als es Anfang der 80er-Jahre schneite und die Zeltplane zum Schneesack wurde.

Heute ist alles sehr viel komfortabler und die Schmetzers sind nur noch für den eigenen Stand zuständig. Sigrid Schmetzer-Jaeger sprüht nur so vor Ideen, will mehr bieten als nur Bier. Letztes Jahr hat sie Ansteck-Herzen drucken lassen. Weil ihr das Ergebnis nicht gefiel, musste der Schmetzer-Nachwuchs ran: Es galt, 500 Herzchen selbst zu basteln. "Wir sind nunmal keine große Brauerei mit großem Marketing-Budget", sagt Schmetzer-Jaeger. Bei den Besuchern waren die Teile vielleicht gerade deswegen der Renner. Heuer können sich die Gäste Kronkorken mit verschiedenen Botschaften anstecken. "Michelbacher macht sexy", heißt es da zum Beispiel. Klar.

Noch so eine These von Sigrid Schmetzer-Jaeger: "Unser Stand dient der Harmonie auf der Muswiese." Immer wieder nämlich beobachte sie, wie Frauen ihre Männer dort parkten, um selbst in Ruhe durch die Budengassen zu ziehen. "Wenn das dann einmal ein bisschen länger dauert, ists nicht so schlimm. Ich nenne das betreutes Trinken", sagt Schmetzer-Jaeger und lacht. Der Schmetzer-Stand, ein Männerhort? "Ich sehe auch immer mehr Frauengruppen, die bei uns schon einen Kaffee trinken, während die Männer noch in der Maschinenausstellung sind", merkt Carl Schmetzer da an.

Vielleicht ist es einfach so: Im Schmetzerschen Gedränge kuschelt jeder gern.

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