Roßfeld Roßfeld sucht die schnellste Sau

Roßfeld / Birgit Trinkle 05.09.2018
Höhepunkt der Sichelhenket in Roßfeld ist wieder das Saurennen in der Ortsmitte.

Sau los“, heißt es am Sonntag. Das ist der offizielle Start eines Rennens in Roßfeld, in dem es darum geht, welches Schwein das schnellste ist. Wer sich nun vorstellt, dass Schweine trainiert werden wie Pferde oder Windhunde, dass eine besondere Diät sie auf den Wettlauf vorbereitet oder eine Ölmassage der Sprunggelenke, liegt ganz weit daneben. Die Sau kommt an, direkt von ihrer Weidewiese, und fängt an zu laufen. Ganz einfach. Damit verbunden sind freilich Vorbereitungen, in die eine ganze Dorfgemeinschaft eingebunden ist, außerdem Helfer wie Martin Schneider von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall, die dafür sorgen, dass insgesamt sechs bis acht Schwäbisch-Hällische Landschweine pünktlich am Start sind.

Das ist der schwierigste Teil, sagen die, die sich auskennen, mit einem Grinsen: Schweine sind generell ziemlich schlau, und die Schwäbisch-Hällischen richtig gut darin, Haken zu schlagen und zu entwischen. Vor allem die Rennschweine, in der Regel erst einige Monate alt, sind neugierig wie Sau, klein, leicht und wendig; sie einzufangen ist die vom Publikum unbeachtete Königsdisziplin der Sichelhenket.

Die Anfänge der Saurennen

Ganz zu Beginn dieser Dorffeste, mit denen die sicher eingebrachte Ernte gefeiert wird, übten sich die Schweine von Bauer Wilhelm Baumann im Schweinsgalopp. Zeitzeugen erinnern sich, dass es da durchaus eine Art Training gab: Die Tiere hüpften, wenn der Mist hoch stand, gern auch mal über die Stallbuchten. Die Idee  zum Rennen hatte dann der heutige Ehrenvorsitzende Horst Müller, und  das Ganze kam sofort richtig gut an. Als es in der Dorfmitte keine Schweine mehr gab, war es gar nicht so einfach, Ersatz zu finden. Das war in der Zeit, bevor die Stressanfälligkeit aus den Schweinen gezüchtet war; Tiere in den großen Mastbetrieben könnten mit der Aufregung nicht zurechtkommen, hieß es; für sie wäre das Rennen eine echte Plagerei, im schlimmsten Fall ob der ungewohnten Aufregung sogar tödlich. So lag es für Horst Müller nahe, sich bei Rudolf Bühler und den Bäuerlichen Hilfe zu holen. Und das klappt bis heute einwandfrei. „Die Schwäbisch Hällischen Schweine sind eine alte Landrasse und besonders robust“, liefert Bühler selbst eine Erklärung für diese Erfolgsgeschichte.

So heißt es am Sonntag ab 13.30 Uhr in Roßfeld wieder „Sau los“. In Nullkommanix ist dann alles vorbei: Im vergangenen Jahr hat so eine kleine Sau die Strecke in 28 Sekunden gepackt, andere trödeln eineinhalb Minuten lang, was den Treiber die Haare raufen lässt, dem Publikum aber richtig viel Freude beschert.

Der halbe Ort ist dabei

Um die 15 Treiber werden wieder versuchen, die Schweine möglichst schnell ins Ziel zu bringen. Natürlich, ohne Gewalt anzuwenden. Tierarzt Dr. Marcel Kunz achtet darauf, wie sein Vater Erich vor ihm, dass kein Tier über Gebühr belastet ist, auch wenn es zwei, gar dreimal läuft. Grundsätzlich, sagt er, sei heute jedes Schwein in der Lage, die Aufregung zu verkraften.

Die Sichelhenket ist mit großem Aufwand und viel Arbeit verbunden. Der jetzige Vorsitzende Klaus Mayer geht mit gutem Grund davon aus, dass ihn seine Frau vom Aufbau am Donnerstag bis zum Montagnachmittag recht wenig sieht. Der Waldsägewettbewerb will organisiert sein und der Strohballen-Parcours fürs Saurennen baut sich auch nicht von selbst auf. Genehmigungen, Verhandlungen mit Bauhof und Ordnungsamt, das Geschirrmobil: Am Anfang sieht es immer aus, als nähme das alles kein Ende. Aber dann ist es Freitagabend, Red fat Cat spielt und das Wochenende kann kommen.

Neben dem Posaunenchor Roßfeld und den Gronachtalern sind die Dorfmusikanten dabei. Auch eine nette Geschichte: Als die Siebenbürger Kapelle einst einen Übungsraum suchte, wurde sie kurzerhand zu einer Abteilung der Dorfgemeinschaft, denn nur so war das Proben in der Turnhalle möglich. Und seither gibt es Dorfmusikanten. Ebenfalls zum Programm tragen Bobby-­Car-Rennen, Dorfbüttel und Dreschflegelklopfer, Island-Pferdereiten und die Heimatstuben bei.

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