Untergröningen Textiles mit Tiefgang bei KISS

Von "Pausa" werden von KISS Musterbücher gezeigt. Darin sind etwa 6000 Entwürfe zu sehen, was angesichts des kreativen Schaffensdrangs der Textilfirma nur einen verschwindend kleinen Teil darstellt. Privatfoto
Von "Pausa" werden von KISS Musterbücher gezeigt. Darin sind etwa 6000 Entwürfe zu sehen, was angesichts des kreativen Schaffensdrangs der Textilfirma nur einen verschwindend kleinen Teil darstellt. Privatfoto
RAINER RICHTER 19.05.2012
Die 12. Kunstausstellung "Textiles" des Kunstvereins KISS im Schloss in Untergröningen beeindruckt schon im Vorfeld. Mehr als 30 Künstler mit über 300 Exponaten stellen sich dem Publikum.

Manche Räume ähnelten noch einer Baustelle. Aber, "wir sind weiter als im Vorjahr", konnte Kurator Christian Gögger die Presse beruhigen. "Bis zur Eröffnung am 20. Mai wird alles fertig sein."

Der Titel der Ausstellung "Textiles" verweist wortgeschichtlich schon auf die Intention der Ausstellung: Das Schreiben als ein Weben von Fäden wird mit dem Zeichenhaften des Genähten kontrastiert. Gezeigt werden aktuelle, internationale Positionen, die auf nahezu alle künstlerischen Medien zurückgreifen. Es wird keine abgeschotteten Medienräume (Dunkelkammern) geben, versichert Kurator Christian Gögger. Die Ausstellung sei sehr dicht konzipiert mit Einbeziehen der Flure.

Die Ausstellung ist breit angelegt und interessant aufgebaut. So gibts etwa Stoffmusterentwürfe der Textilfirma "Pausa" zu sehen. Etwa 6000 davon sind auf einem großen Tisch in Musterbüchern zu bewundern - eine kleine Auswahl von etwa 100 000 Entwürfen der Firma. Ebenso vertreten sind die Modelabel Hugo Boss und "Clemens en August" (C&A). Diese Firmen haben bedeutende Künstler engagiert wie etwa HAP Grieshaber, Anton Stankowski, Thomas Bayrle, Liam Gillick und Vemer Pantom.

Bei der Vielzahl der Künstler, der ausgestellten Objekte und der Kontraste, ist jeder Besucher aufgerufen, seine eigenen Entdeckungen zu machen. Menja Stevenson etwa zaubert Kleidung aus Stoffen öffentlicher Verkehrsmittel. Einen völlig anderen, beklemmenden Eindruck vermitteln die Arbeiten von Rosemarie Koczy. Als Überlebende des Holocaust webt sie den von Bulldozern verscharrten Opfern nachträglich ein Leichentuch, um ihnen ihre Würde zurückzugeben. "Das Leichentuch ist das Strichgewebe, das jeder meiner Gestalten umgibt."

Wir sehen Arbeiten der verstorbenen italienischen Künstlerin "Dadamaino" (Eduarda Maino), die sich aus den Erfahrungen des Dadaismus heraus von der traditionellen Kunstpraxis abwendet. Zu sehen sind zwei drei Meter lange transparente Rollen mit Tuschezeichen. Jürgen Palmtag zeichnet und beschriftet seine Objekte ebenfalls mit Tusche. Die "zertrümmerten" Sprachfetzen" auf seinen Bildern, eher Lautgemälde, irritieren den Betrachter. Tünde Kovacs näht aus Malereien Jacken. Zu sehen ist beispielsweise ein Anzug, den sie aus Coverpaintings von Markus Neufanger genäht hat. Christina Frey hingegen zeigt kleine kunstvoll aus Seide gewebte Objekte.

Die Reihe ließe sich endlos fortsetzen. Christian Gögger hat angekündigt, dass an den Ausstellungssonntagen viele Künstler anwesend sein werden, um sich mit ihren Arbeiten dem Publikum zu stellen.

Info Die Ausstellung ist vom 26. Mai bis 7. Oktober samstags und sonntags jeweils von 11 bis 19 Uhr geöffnet.