Künzelsau Teamplayer oder Macher?

Handschlag zwischen einem Mann und einer Frau: Wer hat den Hoch-, wer den Tiefstatus?
Handschlag zwischen einem Mann und einer Frau: Wer hat den Hoch-, wer den Tiefstatus? © Foto: dpa
Künzelsau / SIGRID BAUER 11.11.2014
Welchen Status nehme ich ein? Wie kann ich meinen Status ändern? Welchen Einfluss hat dieser auf ein Gespräch? Mit diesen Fragen konfrontierte Susan Barth Frauen, um sie fit für den Arbeitsmarkt zu machen.

Paarweise begrüßen sich die Frauen per Handschlag. Sie kennen sich nicht, aber schon in diesen ersten Sekunden wird ihnen klar, wer innerhalb der Paarung den Hoch- und wer den Tiefstatus einnimmt. Händedruck, Körperhaltung und Blick senden die Signale. Eine einfache Übung: Wieder begrüßen sich die Frauen, aber die eine schaut gleich weg - schaut sie nach unten, verrät das Unsicherheit, der Blick nach oben zeigt Desinteresse am Gegenüber: Ich stehe im höheren Status.

"Bei jedem Kontakt entsteht ein Gefühl, manchmal auch ein unangenehmes", erklärt Susan Barth. Ein Beispiel dazu, das die Frauen gleich zu zweit ausprobieren.

Wieder geben sie sich die Hände, aber eine fasst zusätzlich mit der linken Hand den Unterarm des Gegenübers an, ein Zeichen von Dominanz und Vertraulichkeit. Ein Gegenanfassen könnte aus der Situation befreien und ein Patt herstellen. "Wenn der Personalchef das beim Bewerbungsgespräch mit Ihnen macht, müssen Sie es aushalten und sich bewusst machen, was die Berührung mit Ihnen macht. Dann können Sie innerlich darauf reagieren", rät die Diplom-Psychologin.

Im Bewerbungsgespräch empfiehlt sie, sobald es um die Sache geht, körpersprachlich sofort in den Hochstatus zu gehen: aufrecht sitzen, Kopf gerade halten, offener Blick. Das könne Kraft kosten, räumt sie ein. Vor allem, wenn der Bewerber selber eher ein Tief-Status-Mensch ist. Das ist aber keineswegs abwertend gemeint, betont sie.

Gerade Menschen, die sich innerlich eher dem Tiefstatus zuordnen und deshalb das Bedürfnis nach Nähe haben, seien hervorragende Teamplayer und hätten viel Empathie. Übernimmt ein solcher Mensch Führungsaufgaben, müsse er bewusst, auch wenn es schwer fällt, in den Hochstatus gehen - auch mit der Kleidung.

"Wenn ich will, dass mir jemand zuhört, muss ich den Hochstatus einnehmen. Sonst passiert es ihnen in einem Meeting, dass Ihr Vorschlag ungehört bleibt und der gleiche Vorschlag von Ihrem männlichen Kollegen begeistert aufgenommen wird", rät sie den Frauen. Welchen Status jemand einnimmt, könne während eines Gesprächs mehrmals wechseln. Ein optimales Feld, das zu beobachten, seien Politiker. "Schauen Sie sich genau an, wer wem zum Beispiel die Hand auf die Schulter legt und wie derjenige darauf reagiert, um seinerseits wieder in den Hochstatus zu kommen", so die Seminarleiterin.

Dass die eigene Körperhaltung auch Einfluss auf Sprache und Gefühle hat, zeigte sie eindrucksvoll an einer Teilnehmerin. Diese berichtete zunächst von einem Ereignis, bei dem sie sich über jemanden geärgert hat - gestenreich, emotional und mit lebhafter Sprache. Dann wiederholte sie das Ganze, nur forderte die Psychologin sie - unhörbar für die restlichen Teilnehmer - auf, ihren Kopf dabei gerade zu halten: Der Bericht fiel deutlich sachlicher aus, sie bewegte die Hände weniger, sprach langsamer und ruhiger - ein frappierender Unterschied.

Info Die Veranstaltung der Haller Arbeitsagentur gehört zur Reihe "45 Plus - Mut zu neuen Wegen", die speziell ältere Bewerber und Bewerberinnen ansprechen soll. Die Vorträge und Seminare sind kostenlos.