Ellwangen Taubenparadies kräftig vermiest

Ellwangen / Fred Ohnewald 06.07.2018
Drei Monate lang haben Falken die ungeliebten Tauben aus der Ellwanger Altstadt verjagt. Offensichtlich mit Erfolg: Der Bestand an Tauben ist drastisch zurückgegangen.

Barack und seine Kollegen haben ausgezeichnete Arbeit geleistet. Die Falken haben vom 1. März bis 5. Juni die Tauben in der Ellwanger Innenstadt so erfolgreich in Angst und Schrecken versetzt, dass von „Taubenplage“ in der Stadt jetzt erst einmal keine Rede mehr sein kann.

Thomas Steidle, stellvertretender Leiter des Ordnungsamts, ist hellauf begeistert von der Arbeit der Falknerei Rau in Harthausen bei Günzburg. Die waren im März täglich mit zwei oder drei Leuten in Ellwangen, ebenso viele Falken waren im Wechsel im Einsatz und kreisten über den Altstadtdächern. Das brachte auf Anhieb so großen Erfolg, dass die Falkner in der Folgezeit nur noch etwa dreimal die Woche anrückten. Nun haben sie Vollzug gemeldet: Die Zahl der Tauben ist auf ein absolut erträgliches Maß geschrumpft. Und das, ohne dass Tauben wirklich zu Schaden gekommen wären: Die Falken verjagen sie nur, aber schlagen sie nicht als Beute.

Anwohner bedanken sich

„Der Erfolg ist riesig“, freut sich Thomas Steidle. Anwohner haben bei ihm angerufen und sich ausdrücklich für die Aktion bedankt. „Die Falkner haben überall in der Innenstadt nachgeschaut, im ganzen Altstadtquartier, haben in alle Seitenstraßen geguckt, wo sich Tauben bevorzugt aufhalten könnten.“ Und wenn sie welche gesehen haben, ließen sie Barack und seine Kumpel aufsteigen.

Die Gebäudeschäden durch Taubendreck sind enorm, schildert Steidle das Problem: „Die Leute waren regelrecht verzweifelt.“ Dächer und Fassaden von Privatwohnungen und Ladengeschäften, die Markisen vor den Läden: Alles war, kaum gereinigt, schon wieder zugepladdert. Es wurde schon schwierig, Reinigungsfirmen für diesen Job zu finden: Der Taubendreck ist sehr ätzend und wegen der meist darin enthaltenen Krankheitserreger auch nicht eben ungefährlich.

Lange hat man seitens der Stadt überlegt, welche Maßnahmen erfolgversprechend sein könnten. Das Fütterungsverbot hat leider nur wenig bewirkt, und das Töten der Tiere stand nicht zur Disposition. Doch dann kamen die Falken. . .

Und die Falkner haben nicht nur ihre „Jagdflieger“ aufsteigen lassen, sondern auch die Häuser genau angeschaut und den Hauseigentümern Tipps gegeben, wie sie die Gebäude ein wenig taubensicherer machen können: Fehlende Dachplatten ersetzen, versteckte Winkel zubasteln. Kurz gesagt: den Tauben das Nisten erschweren.

Nun ist die Mehrzahl der Tauben erst mal weg, hat vermutlich die freie Landschaft der Umgegend dem Falkenrevier Ellwangen vorgezogen. Wie lange dieser Zustand anhält, weiß man natürlich nicht. Ganz los wird man die Tauben sowieso nie. Im Herbst wird man sich die Lage genau anschauen und prüfen, ob und wann ein Falkeneinsatz wieder nötig werden könnte. Darüber hinaus werden weitere Mittel gegen eine Taubenplage – zum Beispiel „Taubenhäuser“, die den Tieren tolle Nistmöglichkeiten bieten, wo aber heimlich ihre Eier gegen Gipseier ausgetauscht werden – auf Tauglichkeit untersucht.

Eins ist aber schon mal klar: So eine Attraktion wie die über den Dächern kreisenden Falken hat keine der Alternativen zu bieten. Übrigens: Die Ellwanger Störche haben, wie vorhergesagt, den Einsatz sozusagen keines Blickes gewürdigt, ließen sich beim Brutgeschäft nicht stören. Sie wissen, dass Falken keine natürlichen Feinde für sie sind.

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