Gesundheit Süß oder nicht süß, das ist die Frage

Crailsheim diskutiert über Getränke in den Kindergärten, für die eine einheitliche Regelung gefunden wurde.
Crailsheim diskutiert über Getränke in den Kindergärten, für die eine einheitliche Regelung gefunden wurde. © Foto: RioPatuca Images - Fotolia
Crailsheim / Birgit Trinkle 14.02.2018
Eine Diskussion über  Getränke in Crailsheimer Kindertagesstätten, zu viele zu dicke Kinder, Zahngesundheit und Eigenverantwortung der Eltern.

Es gibt keinen Kaba mehr im Kindergarten Ingersheim. Apfelschorle auch nicht. Und ja, das ist Thema in der Stadt. Zum ersten Mal öffentlich diskutiert wurde der Becher­inhalt in der „Traumkiste“ in der Dezembersitzung des Crailsheimer Gemeinderats, als Stadtrat Harald Gronbach im Namen der CDU-Fraktion infrage stellte, dass in städtischen Kindertageseinrichtungen nur noch Wasser und ungesüßter Tee ausgegeben werden. Die Eltern, so sein Ansatz, sollten gemeinsam mit den Kindergärten entscheiden dürfen, welche Getränke zulässig sind. Das sei nicht Sache der Stadt.

Grundsatzfrage

Nun kann eine Fraktion zwar Themen setzen, aber nur, wenn diese zum Aufgabengebiet des Gemeinderats zählen. Der Gemeindeordnung zufolge sind Kindergartengetränke aber reine Verwaltungsangelegenheit. Diskutiert wird dennoch. In Ingersheim haben, so Gronbach, Eltern Unterschriften gegen die Neuregelung gesammelt.

Der scheidende Erste Bürgermeister Harald Rilk spricht von einer Entscheidung zum Wohl des Kindes. Er zitiert aus einer Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, nach der „zum Durstlöschen ausreichend Flüssigkeit in Form von energiefreien oder -armen Getränken wie Wasser und ungesüßte Kräuter- und Früchtetees“ zur Verfügung stehen sollte. Fruchtsäfte seien wenig geeignet, weil auch sie Zucker enthalten, und Limonaden und andere süße Getränke taugten grundsätzlich nicht dafür, den Durst zu löschen. Auch Rilk geht davon aus, dass der Zuckerkonsum für die steigende Zahl übergewichtiger Kinder mitverantwortlich ist. Und nicht zuletzt führt er negative Folgen für die kleinen Zähne an.

„Süße Getränke sollten genau wie Süßigkeiten nur ab und zu konsumiert werden.“ Diese Empfehlung gibt es von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, vom Jugendamt im Landkreis Hall sowie von den Krankenkassen; Harald Rilk macht sich die Position zu eigen.

Bislang haben die Kindergärten der Stadt die Getränkefrage sehr unterschiedlich beantwortet: Jedes Kind konnte und kann sich zwar nach Bedarf bedienen, aber nur in einigen Einrichtungen wurden Kaba, Milch, Apfelsaft und Apfelsaftschorle sowie gesüßter Tee angeboten. Die Kosten, zwischen einem und drei Euro pro Kind und Monat, haben die Eltern getragen. Die Verwaltung beruft sich nun auf „Anfragen und Bitten von Eltern, keine gesüßten Getränke mehr anzubieten“.

Dem werde aus gesundheitlichen Erwägungen heraus entsprochen. Im Kindergartenalltag zeigt sich, so die Position der Verwaltung, dass Eltern ganz unterschiedliche Vorstellungen von Erziehung haben, was immer wieder zu kontroversen Diskussionen darüber führe, wie der Alltag in einer Kindertagesstätte auszusehen hat. In solchen Fällen müsse der Träger entscheiden und eine klare Regelung herbeiführen.

Bereits im Frühjahr 2017 hätten Eltern „vehement gefordert, keine gesüßten Getränke mehr anzubieten“. Die Verwaltung habe daraufhin in den 15 Kindertageseinrichtungen der Stadt eine Umfrage gestartet. Ergebnis war, dass von 15 Einrichtungen nur fünf gesüßten Tee und sechs Saft anboten. Bei einer Leitungssitzung im September 2017 habe man gemeinsam mit den Erzieherinnen festgelegt, dass ab Oktober in allen städtischen Kindertageseinrichtungen nur noch ungesüßter Tee und Wasser ausgegeben wird, wie es im Großteil bereits der Fall sei. Lediglich zu besonderen Anlässen wie Sommerfest oder Fasching werde es Zuckerhaltiges geben. Die Getränke werden künftig von der Stadt bezahlt.

Ein Blick auf die anderen

Aus den evangelischen und katholischen Einrichtungen kommen vergleichbare Stellungnahmen. Lediglich zu besonderen Gelegenheiten gebe es Saft, ist zum Beispiel zu hören. Der Paul-Gerhardt-Kindergarten bietet Saftschorle aus dem selbst gepressten Apfelsaft an. Charlotte Rehbach vom Kindergarten Parkstraße beruft sich auf eine Gesund-
heitsstudie, wenn sie erklärt, warum Kinder ihre mitgebrachten süßen Getränke wieder mit nach Hause nehmen müssen: „Das war noch nie ein Problem.“

Auch wenn der Gemeinderat nicht zuständig ist: Harald Gronbach bekräftigt seine Kritik. Ihm geht es um Eigenverantwortung, um Bevormundung der Eltern: Er wolle nicht, dass die Stadt ihren Bürgern alles vorschreibe, bis ins letzte Detail deren Leben regle. Diese Gesellschaft lebe von ihren Freiheiten. Er selbst habe vier Kinder, so Gronbach im Gespräch mit dem HT, und die habe er nicht, um die Verantwortung für sie abgeben zu können und andere entscheiden zu lassen.

Eltern seien verantwortlich für ihre Kinder. Niemand wisse so gut wie sie, was ein Kind brauche – und das sei von Kind zu Kind unterschiedlich. Gronbach verweist auf die Eltern in Ingersheim, die sich dafür aussprechen, dass Milch oder Apfelschorle getrunken werden können, nichts wirklich Ungesundes wohlgemerkt: „Wenn diese Kinder heimkommen und keine Bewegung haben, ist das viel schädlicher.“

Gronbach geht es grundsätzlich um eine Entwicklung, die ihm nicht gefällt. Zehn Jahre habe er mit seinen Kindern den Kindergartenalltag erlebt, und dieser habe sich mit all dem Dokumentationsaufwand negativ verändert. Vieles werde übertrieben, im Übermaß geregelt. Der Elternbeirat in Ingersheim wollte sich zur Getränkefrage nicht öffentlich äußern.

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