Infrastruktur Straßen werden immer mehr belastet – und immer älter

Die Schäden auf der Crailsheimer Kalkäckerstraße sind auch für den Laien deutlich erkennbar. Die Straße steht allerdings auf Platz 18 der jetzt beschlossenen Prioritätenliste und wird noch einige Jahre auf ihre Sanierung warten müssen.
Die Schäden auf der Crailsheimer Kalkäckerstraße sind auch für den Laien deutlich erkennbar. Die Straße steht allerdings auf Platz 18 der jetzt beschlossenen Prioritätenliste und wird noch einige Jahre auf ihre Sanierung warten müssen. © Foto: Christine Hofmann
Crailsheim / Christine Hofmann 06.07.2018
Die Prioritätenliste ist beschlossen: 25 Straßen und neun Gemeinde­verbindungsstraßen in Crailsheim werden in den kommenden Jahren saniert.

Wenn man die Straßen, für deren Unterhalt die Stadt zuständig ist, aneinanderlegen würde, käme man von Crailsheim bis Passau. Nimmt man die Wirtschaftswege noch dazu, käme man bis Budapest.“ Als Gerhard Schacht die Ergebnisse der Straßenbestands- und Zustandserfassung der Crailsheimer Straßen und Wege im Gemeinderat vorstellte, versetzte er die Stadträte regelrecht in Staunen.

Der Leiter des Ressorts Bauen und Verkehr berichtete, dass das städtische Straßennetz einer stetig wachsenden Beanspruchung – besonders durch Schwerlastverkehr – und einem ständigen Alterungsprozess ausgesetzt sei. Immerzu müssten die Fahrbahnen gewartet, instand gesetzt und erneuert werden, sonst gebe es einen Substanzverlust.

Jährlich 2,67 Millionen Euro

Das soll natürlich vermieden werden, schließlich stellten die Straßen, Wege und Plätze das größte Infrastrukturvermögen der Stadt dar. „Um den Substanzverlust zu stoppen, müssten jährlich mindestens 2,67 Millionen Euro für die Stadtstraßen ausgegeben werden“, sagte Schacht.

Die Bewertung der Crailsheimer Straßen erfolgt inzwischen automatisiert. Per Kamerabefahrung wird der Zustand ermittelt und klassifiziert – in Zustandsklassen von 1 bis 8. „Klassen bis 5 sind noch okay“, erklärte Schacht das Bewertungsschema, „ab Klasse 6 ist der Warnwert überschritten, bei 8 müssen wir die Straße für den Verkehr sperren.“

Die Zustandsanalyse hat für alle Verkehrswege zusammen einen durchschnittlichen Wert von Klasse 4 ergeben. Etwa ein Sechstel der Straßen befindet sich mit den Klassen 6, 7 und 8 in einem schlechten Zustand. Mehr als ein Drittel ist mit mittleren Schäden belastet (Klasse 4 und 5) und wird in den kommenden Jahren vermutlich auch in einen kritischen Zustand übergehen.

Die Sanierung der Straßen erfolgt nach einem Prioritätenplan. Der letzte wurde im Dezember 2012 vom Gemeinderat beschlossen und wird seither von oben nach unten abgearbeitet. „Wir haben in den letzten Jahren einige Straßen nachhaltig saniert“, sagte Gerhard Schacht und stellte die Fortschreibung des Plans vor (siehe Infokasten). Er enthält 25 Straßensanierungsmaßnahmen, von denen jedoch lediglich sechs bis zum Jahr 2020 umgesetzt werden.

Neun Maßnahmen stehen auf der Sanierungsliste der Gemeindeverbindungsstraßen: Eichelberg, L 2218–Ölhaus, Degenbachstraße Jagstheim (erster Bauabschnitt), Goldbach–Westgarts­hausen, Degenbachstraße Jagst­heim (zweiter Bauabschnitt), Hagenhof–L 2218, Buch–Triensbach, L 2218–Schüttberg und Maulach–L 1012. Auch hier werden voraussichtlich nur die ersten vier Maßnahmen bis 2020 umgesetzt.

Lkw-Verkehr verdrängen

Stadtrat Markus Schmidt (Grüne) fragte nach, ob eine jährliche Investition von 2,67 Millionen Euro in das Crailsheimer Straßennetz unter dem Aspekt der Werterhaltung ausreichend sei: „Würde die Stadt nicht langfristig sparen, wenn man mehr Geld für Sanierungen ausgibt?“ So könnten zu einem früheren Zeitpunkt kostengünstigere Deckenerneuerungen ausreichen, während in fortgeschrittenem Schadensstadium nur noch ein teurer Vollausbau infrage komme.

„Mehr geht immer“, antwortete Gerhard Schacht auf den Vorschlag, „alles, was über diesen Betrag hinausgeht, dient einer Verbesserung des Straßenzustands.“ Allerdings müsse das Geld in anderen Bereichen eingespart werden. Er wies darauf hin, dass sein Ressort zurzeit unterbesetzt sei und keine zusätzlichen Maßnahmen umsetzen könne.

Der Gemeinderat stimmte der Prioritätenliste für die Straßensanierungen einstimmig zu.

Prioritätenliste der Straßensanierungen

1. Spitalstraße, zweiter Bauabschnitt
2. Akazienweg in Goldbach
3. Taxisstraße in Roßfeld
4. Mittlerer Weg, zweiter Bauabschnitt
5. Rathausweg in Triensbach
6. Ortsmitte Roßfeld, zweiter Bauabschnitt
7. Alexandersreuter Straße in Jagstheim
8. Frankenweg in Onolzheim
9. Renngässle/Im Veitswasen in Westgartshausen
10. Wolfgangstraße, dritter Bauabschnitt
11. Kirchberger Straße in Tiefenbach
12. Weickstraße
13. Martin-Luther-Straße
14. Sauerbrunnenstraße
15. Peter-und-Paul-Straße
16. Ostring
17. Theodora-Cashel-Straße
18. Kalkäckerstraße
19. Rodäckerstraße in Tiefenbach
20. Im Hirtenwasen in Jagstheim
21. Haller Straße
22. Bachweg
23. Siedlerstraße in Onolzheim
24. Krautbergstraße in Wittau
25. Lange Straße

683

Kilometer lang ist das städtische Wegenetz. Die Gesamtfläche der öffentlichen Straßen beträgt 178 Hektar, das entspricht pro Einwohner einer Fläche von 50 Quadratmetern.

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