Im großen Sitzungssaal des Gmünder Rathauses gibt es am morgigen Freitag, 13. April, um 19 Uhr eine Soiree zur "Stolpersteine"-Aktion. Zu Gast ist der Bildhauer Gunter Demnig, Initiator des Projekts. Im Anschluss an seinen Vortrag besteht die Möglichkeit zur Diskussion und zu Begegnungen. Der Eintritt ist frei; eingeladen sind alle interessierten Bürgerinnen und Bürger.

Gmünd wird zum 850-jährigen Stadtjubiläum viele geschichtliche Aspekte darstellen; so soll auch an die Menschen erinnert werden, die im Nationalsozialismus deportiert oder vertrieben wurden. Um dies zu erreichen, wurde der Arbeitskreis "Erinnerungskultur" ins Leben gerufen.

Über die Stolpersteine "stolpern" heißt: stutzen, stehen bleiben, nachdenken. Das Projekt "Stolpersteine" hat der Bildhauer Gunter Demnig 1996 ins Leben gerufen und in vielen deutschen Städten verwirklicht - zusammen mit Menschen vor Ort. So kann erreicht werden, dass die ungeheuerlichen Verbrechen der Nazis nicht abstrakt bleiben, sondern mit Personen und ihren Schicksalen konkret verbunden werden.

Mittlerweile gibt es bereits mehr als 33 000 Stolpersteine; die zehn mal zehn Zentimeter großen Steine erinnern in vielen deutschen Städten an die von den Nationalsozialisten verfolgten Juden, Politiker, Sinti und Roma und Homosexuelle. Auf der Kopfseite des Steins wird eine Messingplatte fixiert, auf der eine Mitteilung eingehämmert wird. Diese Stolpersteine werden von Gunter Demnig im Bürgersteig vor den jeweiligen Gebäuden, also auf öffentlichem Gelände, verlegt, in denen die Verfolgten ihren letzten selbstbestimmten Wohnsitz hatten.

In Gmünd wurde bereits an zwei Standorten Stolpersteine verlegt. Nun soll an weitere 25 Personen erinnert werden. Eine erste Verlegeaktion findet morgen ab 14 Uhr statt, also vor der Soiree. Dabei werden an drei Orten Stolpersteine verlegt. Vor dem Haus Marktplatz 29 wird ein Stein Sofie Heimann gewidmet sein, vor dem Gebäude Ledergasse 12 sind drei Steine für Leopold, Selma und Abraham Kahn vorgesehen, und vor dem Gebäude Uferstraße 48 sollen zwei Stolpersteine zum Gedenken an Hermann und Fanny Heimann verlegt werden.

Nach der Begrüßung durch Ersten Bürgermeister Dr. Joachim Bläser und einer musikalischen Umrahmung durch Peter Varda wird Gunther Demnig mit der Aktion beginnen. Schülerinnen des Hans-Baldung-Gymnasiums werden Informationen zur Biografie von Sofie Heimann vortragen. Danach geht es weiter zu den nächsten Standorten. Auf besondere Initiative des Arbeitskreises Stolpersteine konnten auch Nachfahren der Familie Kahn in den USA gefunden und eingeladen werden. Sie werden anwesend sein. Die nächste Verlegeaktion ist für Herbst geplant.