Weltenbummler Steffen Endreß reist in zwei Jahren durch 32 Länder

Kupferzell / JULIANE RENK 23.05.2013
Am 30. März 2011 bricht Steffen Endreß von Rüblingen zu seiner Reise nach Kapstadt auf. Er beginnt im Schnee und fährt später durch Wüsten bis ans Meer. Am Donnerstag erzählt er, was er erlebt hat.

In der Salzwüste am Lake Turkana in Kenia ist es 40 Grad heiß. Steffen Endreß aus Rüblingen quält sich auf seinem Rad. Der 29-Jährige will zum Victoriasee, der zwischen Uganda, Tansania und Kenia liegt. Unter einem Baum im Schatten stellt er sein Rad ab. Der Durst ist so stark, dass er noch mit dem Helm auf dem Kopf zur Trinkflasche greift. Plötzlich fährt ein Windstoß in den Baum. Ein Skorpion fällt herab, verfängt sich im Fahrradhelm und sticht Endreß in den Kopf. Geistesgegenwärtig greift der Mann nach dem Tier, erschlägt es und packt es ein. Dann steigt er auf sein Rad und fährt bis zur nächsten Klinik. Fünf Kilometer hat er zu bewältigen. Dort zieht er die Tüte heraus, zeigt dem Arzt den Skorpion und deutet auf seinen Kopf. Der Mediziner gibt dem Rüblinger sofort ein Gegengift.

Ersatzteile und Werkzeuge wiegen zehn Kilo

"Wenn man ruhig bleibt, kann man auch die Probleme in Afrika meistern", sagt Endreß im Rückblick. Trotzdem gehört mehr als Abenteuerlust dazu, durch Afrika zu radeln. In 32 Ländern hat sich Endreß aufgehalten, zwei Mal ist er mit Motorradfahrern kollidiert. Ein paar Mal nahm er das Flugzeug, um Strecken zurückzulegen, weil Bürgerkrieg oder andere Warnungen ihn abhielten, ein Land zu queren.

Die Reise würde er wieder unternehmen: "Die Begegnungen mit den Afrikanern waren umwerfend. Leute, die selbst fast nichts zu essen haben, laden dich ein."

Fünf Jahre lang hat er sich vorbereitet. Die Idee für die Tour kam ihm, nachdem er 2005 ein dreiviertel Jahr durch Neuseeland geradelt war. Mit 45 Kilo Gepäck ist er unterwegs. Allein zehn Kilo davon sind Ersatzteile und Werkzeug. Zelt, Schlafsack, Wasseraufbereitungsfilter, Benzinkocher, Medikamententasche und Kamera gehören ebenfalls dazu.

"Dass Afrikaner keine Privatsphäre kennen - oder zumindest nicht so wie die Deutschen - war sehr anstrengend. Wenn ich in einem Dorf übernachtet habe, haben mich die Einheimischen beobachtet. Was ich koche, wie viel ich esse - alles war eine Attraktion. Morgens um sechs saß schon das erste Kind vor dem Zelt." Trotzdem bevorzugte er es, in den Dörfern unter dem Schutz des Dorfältesten zu kampieren.

100 Kilometer pro Tag

In Kenia durchquert Endreß einen Nationalpark. Ungefähr 100 Kilometer pro Tag legt er zurück, sieht Elefanten, Zebras, Antilopen, Warzenschweine und Schildkröten. Anhand von Kompass und Karten orientiert er sich. Manchmal trägt der Hohenloher sein Rad durch Wasserlöcher. Mehrmals bekommt er die Tropenkrankheit Malaria trotz Prophylaxe.

Mit 38,5 Grad Fieber ist er zu schwach fürs Rad. Er stellt sich an den Straßenrand und wartet auf Hilfe. Ein Radler kommt vorbei und sagt, er warte mit ihm, bis ihn ein Auto mitnehme. "Einen Kranken lässt man nicht allein", erklärt der Afrikaner. Fünf Minuten später hält ein Pick-Up-Truck und fährt den Kranken in Ghanas Hauptstadt Accra ins Krankenhaus. "Ich hätte jeden Preis für die Fahrt bezahlt", sagt Endreß. Doch der Mann wollte keinen Cent: "Wenn es jemandem schlecht geht, halten wir zusammen." In zwei Jahren und zwei Monaten hat Endreß 37552 Kilometer mit dem Rad zurückgelegt und 74 Mal Reifen geflickt. Dann stand er wieder vor der Haustür in Rüblingen - ohne Ehefrau, obwohl er mehrere Heiratsanträge bekommen habe. Jetzt sucht der Biochemiker eine Stelle. Die Reise hatte er begonnen, nachdem er sein Diplom abgeschlossen hatte.

Info Steffen Endreß erzählt heute um 19.30 Uhr im Landhotel Günzburg, Eschental, von der Reise. Einlass: 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.