Durlangen Steelcase: Die Tage sind gezählt - Noch 150 Mitarbeiter ohne Job

Fast gespenstische Atmosphäre auf dem Durlanger Betriebsgelände der Steelcase Werndl AG. Der Produktionsstandort wird in wenigen Wochen geschlossen. 150 Mitarbeiter hoffen noch auf eine neue Perspektive.
Fast gespenstische Atmosphäre auf dem Durlanger Betriebsgelände der Steelcase Werndl AG. Der Produktionsstandort wird in wenigen Wochen geschlossen. 150 Mitarbeiter hoffen noch auf eine neue Perspektive. © Foto: RUNDSCHAU-Archiv
Durlangen / . RS/PM 17.10.2015
Heute vor genau zwei Jahren gab es den großen Knall: Die Chefetage des Büromöbelherstellers Steelcase verkündete die Schließung des Werks in Durlangen. Noch 150 Mitarbeiter sind ohne Perspektive.

Seit zwei Jahren ist Steelcase in Durlangen im "Abbau-Modus". Das Werk wird Ende 2015 nach mehreren Entlassungswellen dichtgemacht. Derzeit suchen noch 150 erfahrene und qualifizierte Beschäftigte - deren Durchschnittsalter liegt bei etwas mehr als 45 Jahren - einen neuen Arbeitsplatz.

Am 17. Oktober 2013 verkündete der Büromöbelhersteller, dass er wegen der Verluste im Europa-Geschäft den Produktionsstandort Durlangen schließen und die Produktion in ein neues Werk in Tschechien nahe Pilsen verlagern werde. Ein mit dem Betriebsrat ausgehandelter Interessenausgleich und Sozialplan sichert den Betroffenen eine Abfindung für den Verlust des Arbeitsplatzes zu. Eine neue Beschäftigung muss jeder selbst suchen.

Die Verlagerung des Werks und der Ausspruch von Kündigungen erfolgen in mehreren Schüben. Seit Ende April verlieren Mitarbeiter sukzessive ihren Arbeitsplatz und ihre Existenzgrundlage. Noch vor den ersten Entlassungen startete der Betriebsrat mit Unterstützung von Personalabteilung, IG Metall und Agentur für Arbeit die Vermittlungsaktion "Gute Arbeitskräfte suchen Arbeit" (wir haben berichtet). Gezielt wurden etwa 200 Unternehmen im Ostalbkreis sowie in den benachbarten Landkreisen Schwäbisch Hall und Rems-Murr angeschrieben und auf die Arbeit suchenden Fachkräfte hingewiesen.

"Diese Aktion ist als Erfolg zu verzeichnen", erklärte gestern Betriebsratsvorsitzender Tobis Bucher. Mindestens 25 Kolleginnen und Kollegen hätten dadurch direkt eine neue berufliche Perspektive gefunden. Andere haben sich dem Vernehmen nach selbst bemüht, so dass heute, wie Bucher bilanziert, etwa 50 Mitarbeiter einen neuen Arbeitsplatz haben oder in Kürze antreten werden.

In den kommenden Monaten verlieren weitere 150 Steelcase-Beschäftigte aus den Bereichen Produktion, Materialwirtschaft, Logistik, NC-Programmierung, Operativer Einkauf, Arbeitsvorbereitung, IT, Personal, Instandhaltung, Engineering und Pulverbeschichtung ihren Arbeitsplatz in Durlangen, da die Einstellung der Produktion in dem Werk bereits für Mitte November geplant ist.

"Wir wollen unser Netzwerk nutzen und in der Region auf die qualifizierten und erfahrenen Arbeitssuchenden aufmerksam machen", erklärt Felicitas Nick von der IG Metall. Für Arbeitgeber könnte laut Nick interessant sein, "dass die Agentur für Arbeit im Bedarfsfall bereit ist, so genannte Anpassungsqualifizierungen vorzunehmen"

Info Stellenangebote können direkt an folgende Kontaktdaten übermittelt werden. Die Stellen werden dann den Steelcase-Mitarbeitern über eine firmeninterne "Stellenbörse" zugänglich gemacht:

- Betriebsrat Steelcase Werndl AG, Tobias Bucher, E-Mail tbucher@steelcase.com, Telefon 0152 / 09222599 (ab 17 Uhr)

- IG Metall Schwäbisch Gmünd, Felicitas Nick, E-Mail felicitas.nick@igmetall.de, Telefon 0 71 71 / 92 75 40

- Agentur für Arbeit, Clemens Reitzig, E-Mail Clemens.Reitzig@arbeitsagentur.de, Telefon 07171/ 1044-143

Beschäftigte erleben nach dem Waiko-Konkurs 1996 einen weiteren Einschnitt

Der zweite Schlag Für etliche der "Steelcaser", die früher bei Waiko in Durlangen mit Zweigwerk im Gaildorfer Teilort Bröckingen gearbeitet haben, wird die Werkschließung der zweite harte Einschnitt in ihrem Berufsleben sein: Waiko war 1996 in Konkurs gegangen und nach langwierigen Verhandlungen mit fast 900 Mitarbeitern - darunter vielen aus dem Limpurger Land und dem Haller Raum - vom damaligen Gemeinschaftsunternehmen des amerikanischen Büromöbelherstellers Steelcase Inc. (Grand Rapids/Michigan) und des französischen Mischkonzerns Strafor Facom SA (Straßburg) übernommen worden. Seit 2001 segelt das Werk unter der Flagge der Steelcase Werndl AG.

Dass dieses Kapitel Firmengeschichte nach nicht einmal 20 Jahren zu Ende gehen soll, hat mit Bekanntgabe der unternehmerischen Entscheidung vor zwei Jahren in der ganzen Region eingeschlagen wie eine Bombe. Dies, zumal das Werk in der Vergangenheit stets als profitabel eingestuft wurde. "Fassungslos" reagierte damals im Herbst 2013 neben dem Betriebsrat auch IG-Metall-Sekretärin Felicitas Nick, zumal Durlangen "hoch rationell" arbeite und eine "super Auslastung" habe.

KMO

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