Crailsheim Stadträte entscheiden sich für neues Hallenbad

Das Hallenbad in Crailsheim wird durch einen Neubau ersetzt. Allerdings steht der Standort noch nicht fest.
Das Hallenbad in Crailsheim wird durch einen Neubau ersetzt. Allerdings steht der Standort noch nicht fest. © Foto: Andreas Harthan
Crailsheim / Andreas Harthan 21.09.2018
Der Standort wurde noch nicht festgelegt. Die Stadtwerke wollen neben dem Freibad bauen, das Rathaus macht sich für die Stadt stark.

Es kann schon als Dinosaurier bezeichnet werden, das Crailsheimer Hallenbad. 47 Jahre alt ist es mittlerweile und weist, schreibt die Stadtverwaltung in einer Sitzungsvorlage für die Stadträte, „erhebliche Mängel“ auf. Bleibt also nur die Frage: schließen, sanieren oder neu bauen. In anderen Bundesländern wurden und werden Bäder geschlossen, in Baden-Württemberg ist das noch die Ausnahme. Eine Generalsanierung ist denkbar, ändert aber nichts daran, dass die Bausubstanz von Anfang der 1970er-Jahre stammt. Diese Option war in der Sondersitzung des Gemeinderates am Dienstag schnell vom Tisch. Rasch war klar, dass die Stadt ein neues Hallenbad braucht. Das wurde auch so mit großer Mehrheit beschlossen.

Stadt und Tochter uneinig

Schwieriger wird es mit der Festlegung des Standorts. Da gibt es nach HT-Recherchen Uneinigkeit zwischen Stadtverwaltung und Stadtwerken. Dieser Zwist wurde zwar nicht offen angesprochen, obwohl mit Uwe Macharzenski und Jürgen Breit beide Geschäftsführer des Unternehmens, das zu 100 Prozent der Stadt gehört, zugegen waren. Doch klar ist: Die Stadtwerke, die die städtischen Bäder schon seit vielen Jahren betreiben, wollen das Hallenbad neben dem Freibad in der Maulachaue bauen. Sie versprechen sich davon erhebliche betriebswirtschaftliche Synergieeffekte. Zudem könnte dort Abwärme, die in einem benachbarten Industriegebiet anfällt, genutzt werden. Und es entstünde ein Sport- und Wellnesszentrum mit Freibad, Hallenbad und Sauna („Parc vital“).

Harte Kriterien

Für das Rathaus liegt der beste Standort hingegen in der Stadt. Die Verwaltung verweist auf einen möglichen Zuschuss von maximal vier Millionen Euro aus dem vom Bund aufgelegten Förderprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“, der nur ausgezahlt wird, wenn das Vorhaben einen städtebaulichen Impuls setzt und in eine Gesamtstrategie eingebunden ist. Diese Voraussetzungen sieht die Verwaltung am ehesten im Sanierungsgebiet „Östliche Innenstadt“ gegeben. Zudem betont das Rathaus, dass das bezuschusste Projekt bis 2022 abgeschlossen sein muss. Das könne nur gewährleistet werden, wenn an einem Standort bereits Baurecht besteht, beziehungsweise schnell geschaffen werden kann. Ein Standort im Sanierungsgebiet erfülle die harten Kriterien des Förderprogramms „nahezu vollständig“, schreibt die Verwaltung an die Stadträte.

Zielabweichungsverfahren?

Am Standort Maulachaue gebe es hingegen keinen Bebauungsplan, und es sei vielleicht sogar ein aufwendiges Zielabweichungsverfahren erforderlich, weil der Standort in einem regionalen Grünzug liegt. Eine Realisierung innerhalb von drei Jahren sei hier „nicht möglich“, so die Verwaltung. Und deshalb reichte die Verwaltung den Förderantrag, der noch vor der Gemeinderatssitzung auf den Weg gebracht werden musste, mit einem möglichen Standort „am und im Sanierungsgebiet ‚Östliche Innenstadt’“ ein. Das ist jedoch keine verbindliche Setzung, das letzte Wort hat der Gemeinderat – und der hat noch nicht entschieden.

Unterschiedliche Kosten

Während CDU-Fraktionschef Gerhard Neidlein sagt, dass der Standort Maulachaue „die beste Lösung“ sei, gab SPD-Fraktionsvorsitzender Gernot Mitsch zu Protokoll, dass er „große Sympathien“ für einen Standort in der Stadt hege. Sebastian Klunker, der Vorsitzende der AWV, erklärte, dass seine Fraktion in der Standortfrage noch „relativ offen“ sei, und bei den Grünen gibt’s, so ihr Vorsitzender Markus Schmidt, kein einheitliches Meinungsbild.

Auf Nachfrage von SPD-Stadträtin Eva Kochendörfer verdeutlichte Stadtwerke-Geschäftsführer Macharzensky, warum es bei gleicher Kubatur zu zwei unterschiedlichen Preisen beim Neubau kommt: Im Fall Maulachaue haben die Stadtwerke 2,5 Millionen Euro, die für die Sanierung des Freibades erforderlich sind, dem Hallenbadbau zugeschlagen – auch deshalb belaufen sich die Kosten dort auf 15,5 Millionen Euro, während ein Neubau in der Stadt auf 10,6 Millionen käme.

Hallenbad wurde 1971 eröffnet

Nicht die Stadt allein hat das Bad gebaut, sondern ein Zweckverband, gebildet von Landkreis, Stadt und 18 Gemeinden im Umkreis. Zur Finanzierung der 3,3 Millionen Mark teuren Einrichtung hat auch ein Förderverein beigetragen. Er steuerte 400 000 Mark bei. 1986 und 1987 wurde das Bad erstmals saniert, damals mussten 4,5 Millionen Mark aufgebracht werden. Die jetzt erforderliche Generalsanierung würde rund acht Millionen Euro kosten und hätte eine zweijährige Schließung des Bades zur Folge. Das wollen weder Stadt noch Stadtwerke und so beschloss der Gemeinderat den Bau eines neuen Hallenbads. ah

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