Radverkehrskonzept Stadt will ihre Radwege optimieren

Ellwangen / Franz Rathgeb 09.06.2018

Anfang April 2016 hat der Ellwanger Gemeinderat das Büro „Brenner Bernard Ingenieure“ mit dem Entwurf eines „Radverkehrskonzepts“ beauftragt. Zwischenzeitlich liegt das über 200-seitige Planwerk vor. Am Montag wurde es den Ortschaftsräten Röhlingen und Schrezheim sowie am Dienstag den Ortschaftsräten Pfahlheim und Rindelbach vorgestellt. „Die Stadt Ellwangen verfügt bereits über ein Radverkehrskonzept“, erklärte der Stadtplaner, Michael Bader. „Dieses Konzept konzentriert sich jedoch rein auf den Bereich der Kernstadt.“

Nicht zuletzt im Hinblick auf die zunehmende Elektromobilität gelte es, das vorliegende Konzept zu optimieren und auf die Gesamtgemarkung auszuweiten.
Das Konzept wurde mit Blick auf den Alltag und auf den Tourismus ausgearbeitet, erklärte Diplom-Geograf Günter Bendias vom mit der Planung beauftragten Büro. Ziel sei, dass alle Wohnplätze der Gesamtstadt mit Radwegen erschlossen werden – für den Alltag auf möglichst direkten Strecken, in Sachen Touristik auch auf Umwegen und dafür auf landschaftlich interessanteren Routen.

Bei den bestehenden und den zu schaffenden, beziehungsweise auszuschildernden Strecken wurden die jeweiligen Wegbreiten, Oberflächenbeschaffungen und exakten Linienführungen betrachtet und bewertet, sagte Bendias. Vor allem wegen der schnellen E-Bikes müssten Gefällstrecken und Kurvenradien sicher ausgeführt sein und über entsprechende Oberflächen verfügen. Zudem seien sämtliche Routen und vor allem die Knotenpunkte auf ihre Gefahrenpotenziale hin beurteilt worden. Zur Planung seien alle in Frage kommenden Wege mit dem Fahrrad abgefahren worden, betonte Bendias. Das Konzept soll in den nächsten 10 bis 15 Jahren als „Handlungsleitfaden“ dienen.

Die Mitglieder der Ortschaftsräte Schrezheim und Röhlingen begannen nach dem Vortrag eifrig damit, einzelne Abschnitte und Routenführungen in Frage zu stellen. Zudem wiesen einige Räte darauf hin, dass manche Routen schon seit 20 Jahren gefordert würden. Es gab auch Hinweise, dass einzelne Maßnahmen den falschen Teilgemeinden zugeordnet seien.

Der Schrezheimer Rat Bernd Uiffinger beendete die Diskussion mit der Feststellung, dass es beim vorliegenden Planwerk um einen Entwurf handele. Derselbe könne zu einem späteren Zeitpunkt noch ausführlich in den Gremien diskutiert werden, urteilte Uiffinger. Die beiden Gremien befürworteten den Entwurf einstimmig.

Räte hinterfragen Pläne

Analog zur Montagssitzung hinterfragten die Ortschaftsräte Pfahlheim und Rindelbach am Dienstagabend die in ihren Bezirken aufgelisteten Verbesserungsmaßnahmen und Lückenschlüsse. Der Pfahlheimer Rat Paul Walter kritisierte, dass in den Unterlagen der Kreuzungspunkt der K 3216 mit der A7 fehle. Laut den Plänen soll von Beersbach aus und entlang der Kreisstraße ein Radweg geschaffen werden, der zum Schönenberg führt. Walter fragte sich, wie denn der Radweg beim Süßhof über die A 7 geführt werden soll. Die Brücke sei zu schmal. Trotz offener Fragen befürworteten beide Gremien den Entwurf jeweils einstimmig.

213 Maßnahmen sollen insgesamt gut 15,223 Millionen Euro kosten

Für den Entwurf des Radverkehrskonzeptes wurden bestehende Radwege katalogisiert und Lücken erfasst. Das Büro „Brenner Bernard Ingenieure“ aus Aalen hat zur Erstellung des Ellwanger Radwegekonzeptes diese Aufgabe im Auftrag der Stadt übernommen. Für jedes Vorhaben wurden die jeweiligen Mängel und die erforderlichen Abhilfemaßnahmen sowie die Kosten aufgelistet. Zudem wurde eine Priorisierung vorgenommen.

Mängelanalyse: Bei der Bestandsaufnahme wurde das bestehende Radwegenetz auf potentielle Verbesserungsmöglichkeiten untersucht. Dabei wurden insgesamt 213 Mängel festgestellt. Die Bandbreite reiche von baulichen Mängeln bei Querungen und hinsichtlich der Oberflächen sowie zu schließenden Lücken des Wegenetzes. In Sachen Sicherheit wurden fehlende Beschilderungen, mangelnde Sichtverhältnisse und 44 besondere Gefahrenstellen dokumentiert.

Radnetze: Die einzelnen Streckenabschnitte des zu ertüchtigenden, beziehungsweise zu ergänzenden Radwegenetzes wurden im Konzeptentwurf fünf verschiedenen Routen zugeordnet. Dies sind einerseits das „Rad-Netz BW“ und das kreisweite Radnetz. Ferner wird zwischen dem Hauptnetz und dem Ergänzungsnetz unterschieden. Touristisch genutzte Routen bilden die fünfte Gruppe. Sämtliche Maßnahmen wurden in Abhängigkeit ihrer Bedeutung einer dieser fünf Routen zugeteilt. Dies geschah auch unter dem Gesichtspunkt, ob sie entlang von Bundes-, Landes-, oder Kreisstraßen verlaufen. Die anteiligen Kosten wurden entsprechend der vorgenommenen Eingruppierung dem verantwortlichen Bauträger (Bund, Kreis, Land und Stadt) zugeordnet.

Kosten: Die Gesamtkosten für die Umsetzung des Konzeptes beziehungsweise für die Ertüchtigung des Radwegenetzes beziffert das planende Büro auf gut 15,223 Millionen Euro. Davon entfallen gut 3,6 Millionen Euro auf die Stadt und 4,6 Millionen Euro auf den Landkreis. Das Land müsse bei einer Realisierung knapp 3,1 Millionen Euro beisteuern, der Bund knapp 653 000 Euro. Auf weitere knapp 3,25 Millionen Euro werden jene Maßnahmen kalkuliert, die zwei oder mehrere Baulastträger gemeinsam finanzieren müssen.

Dringlichkeit: Sämtliche 213 Maßnahmen wurden in Abhängigkeit der Mängel, der erforderlichen Baumaßnahmen und der Kosten in Sofortmaßnahmen betitelt, beziehungsweise als mittel- oder langfristig umzusetzende Projekte priorisiert.
rat

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