Crailsheim SPD-Urgestein Erhard Eppler stellt sich in Crailsheim den Fragen von Bürgern

HARALD ZIGAN 19.09.2013
Erhard Eppler, der große alte Mann der SPD im Land, öffnete in Crailsheim bei einem Wahlkampfauftritt mit der SPD-Kandidatin Annette Sawade das Schatzkästchen seiner reichen politischen Erfahrungen.

Der Parteifreund Helmut Schmidt schmähte den früheren Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit (1968 bis 1974) und SPD-Landesvorsitzenden (1973 bis 1981) einst als "Mann, der niemals Wahlen gewonnen hat".

Dennoch teilen der Hamburger und der Württemberger aus Hall eine Gemeinsamkeit - nämlich eine Altersweisheit, die sich aus einem Fundus an Erfahrungen speist, der viel zu selten für die Lösung von aktuellen politischen Fragen beherzigt wird. Mit seinen 86 Jahren kommt Erhard Eppler aus einer anderen politischen Zeit, in der ein Hilfsarbeiter mit seinem Lohn noch eine Familie ernähren konnte und die Gehälter der Manager noch keine schwindelerregenden Höhen erreicht hatten.

Der SPD-Querdenker Eppler, als Bundes- und Landtagsabgeordneter stets dem linken Flügel seiner Partei zugeordnet, lebt allerdings nicht in der Vergangenheit, sondern auf der Höhe der Zeit.

Das zeigten seine Antworten auf die Fragen aus einem 60-köpfigen Publikum im Bürgertreff auf dem Roten Buck in Crailsheim. Ganz bewusst verzichtete die SPD-Bundestagskandidatin Annette Sawade auf die übliche Prozedur einer Wahlversammlung - allein die Fragen der Bürger standen im Mittelpunkt. So sieht Eppler zum Beispiel einen engen Zusammenhang zwischen Niedriglöhnen, "von denen man nicht leben kann", und dem miserablen Ruf der Politik: "Das ist die Folge einer marktradikalen Welle, die seit Jahren auch durch unser Land rollt" - mit der Verheißung, dass der Markt schon alles regeln werde.

"In einem Land", so Eppler, "wo über Mindestlöhne diskutiert wird, muss es auch eine Debatte über Höchstlöhne, die absolut keinen Sinn mehr machen, geben" - wobei ein Bundeskanzler "geradezu miserabel" bezahlt werde im Vergleich mit Führungsposten in der Wirtschaft. Überhaupt müsse die Politik aus ihrer "Dienstboten-Rolle", etwa für die kriselnden Finanzmärkte, herausgeholt werden.

Erhard Eppler korrigierte auch den populären Vorwurf, dass sich die Parteien nach der Wahl nicht an ihre Versprechungen halten würden: "Das ist keine moralische Frage, sondern eine Frage des Wahlsystems und der Koalitionen", bei denen stets Kompromisse gefunden werden müssen.

Für eine rot-grüne Bundesregierung sieht Eppler jedenfalls beste Voraussetzungen: "SPD und Grüne stehen sich mittlerweile viel näher in ihren Programmen als noch bei der letzten Bundestagswahl."