Crailsheim Sommer bringt Aufwind für Engel

Braumeister Robert Ochsenkühn prüft die Maische vor dem Abläutern. Durch Filtrieren wird die Würze von den unlöslichen Bestandteilen, dem Treber, getrennt.    
Braumeister Robert Ochsenkühn prüft die Maische vor dem Abläutern. Durch Filtrieren wird die Würze von den unlöslichen Bestandteilen, dem Treber, getrennt.     © Foto: Bildquelle
Crailsheim / Von Kerstin Dorn 22.08.2018
Der Sommer gibt noch immer sein Bestes und alle stöhnen unter den hohen Temperaturen. Bis auf einige, bei denen jedes Grad Celsius mehr auf dem Thermometer die Kasse klingeln lässt.

Der Sommer gibt noch immer sein Bestes und alle stöhnen unter den hohen Temperaturen. Bis auf einige, bei denen jedes Grad Celsius mehr auf dem Thermometer die Kasse klingeln lässt.

Neben den Mineralwasserproduzenten gehören die Brauereien zu jenen, die sich über den gestiegenen Durst freuen. Denn die Branche leidet seit mehr als zwei Jahrzehnten unter sinkenden Umsätzen. Tranken die Deutschen 1993 noch 112 Millionen Hektoliter Bier, so ist der Verbrauch im letzten Jahr laut Statistischem Bundesamt um knapp ein Fünftel auf 93,5 Millionen Hektoliter gesunken. Allein im letzten Jahr betrug der Rückgang gegenüber 2016 2,5 Prozent.

Kein Grund zum Jammern

In das Klagelied der Branche will Alexander Fach, Inhaber der Crailsheimer Biermanufaktur Engel, nicht einstimmen. Engel wachse kontinuierlich, sagt der Firmenchef, ohne konkrete Umsätze nennen zu wollen, und der warme Sommer tue ein Übriges dazu. Einen Grund dafür sieht Fach in der Vielfalt seines Angebots. Engel hat den Trend hin zu handwerklich gefertigten Bieren, die sich unter dem Begriff der „Craft-Biere“ in die Wahrnehmung der Konsumenten geschlichen haben, stetig verfolgt. 37 Produkte listet die firmeneigene Homepage auf, die allesamt in der Crailsheimer Brauerei handwerklich gefertigt und abgefüllt werden. Darunter finden sich 23 Biersorten, mit denen Engel verschiedene Geschmacksrichtungen bedient – vom feinherben, klaren Pils bis zum naturtrüben Bio-Kellerbier. Zahlreiche Auszeichnungen konnte das Familienunternehmen, das heute von Seniorchef Wilhelm Fach in vierter und dem Juniorchef Alexander in der fünften Generation geführt wird, einfahren. Besonders stolz ist die Familie auf den Bundesehrenpreis der deutschen Brauwirtschaft, den das Unternehmen zum sechsten Mal verliehen bekam.

Engel-Bier ist in vielen Supermärkten – sowohl in der Crailsheimer Heimat bis hoch in den Hamburger Norden zu finden, allerdings nie unter den Super-günstig-Angeboten. „In der Liga der günstigen Anbieter spielen wir nicht mit“, sagt der Juniorchef. „Wir kaufen hochwertige Rohstoffe aus der Region und zahlen dafür unseren Preis.“ Rund ein Drittel der Biere geht in den Export und wird hauptsächlich an die Gastronomie geliefert.

Das Leergut ist knapp

Wenn es nach Fach geht, könnte der Sommer ruhig noch eine Weile andauern und für durstige Kehlen sorgen, auch wenn sein Unternehmen – so wie viele andere Getränkehersteller auch – unter dem Leergutmangel leidet. 200.000 Kästen hat Engel im Umlauf und allein dieses Frühjahr 30.000 Kästen nachbestellt, so der Seniorchef. Hätte der Hersteller alle geliefert, wäre man gut über die Runden gekommen. So aber musste der Betrieb mit gut der Hälfte der bestellten Menge klarkommen, was zu Engpässen führte. „Die eine oder andere Sorte konnten wir zeitweise nicht abfüllen“, gibt der Juniorchef zu. Ansonsten bereite das warme Wetter keine Probleme. Beim Produzieren sorgen die Kühlaggregate für konstante Bedingungen und beim Ausliefern schützen die dunklen Engel-Flaschen das Bier vor zu viel UV-Strahlung. Je dunkler das Glas, desto besser der Schutz, weiß Fach. Aber auch wenn Engel eine Haltbarkeit von einem Jahr garantiert, sei Bier ein Frischeprodukt, das man kühl und frisch trinken sollte.

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