Sieger Köder ist tot. Der weithin bekannte Künstlerpfarrer starb am frühen Montagmorgen in der Ellwanger St.-Anna-Virngrund-Klinik. Köder hat dort die letzten Wochen seines Lebens verbracht. Am 3. Januar hatte er im Krankenhaus seinen 90. Geburtstag begangen.

Letztlich starb Sieger Köder an den Folgen einer Lungenentzündung. In den letzten Jahren war er gesundheitlich immer wieder ziemlich angeschlagen. "Man ist halt keine 80 mehr", scherzte er, wenn er mal wieder die Bürde des Alters zu spüren bekam. Seit er jedoch im Dezember 2014 in die Klinik kam, hat er sich nicht mehr wirklich erholt. Wann der verstorbene Monsignore Sieger Köder beerdigt wird, stehe noch nicht ganz fest, wird aus dem Kreis seiner Familie berichtet. Als sicher gilt, dass Köder seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof seiner Heimatstadt Wasseralfingen finden wird.

Sieger Köder stammte aus Wasseralfingen, wurde dort im Rathaus geboren; sein Vater war Gemeindepfleger. Köder besuchte das Gymnasium in Ellwangen. 1943 machte er Abitur und musste während des Krieges noch Wehrdienst leisten; geriet auch in Gefangenschaft. Auch während des Nazi-Terrors war der Verstorbene aktiv in der katholischen Jugend und im katholischen Schülerbund "Neudeutschland".

Nach dem Krieg besuchte er zunächst die Fachschule für Edelmetalle in Schwäbisch Gmünd, später studierte er an der Kunstakademie Stuttgart und das Fach Anglistik an der Uni in Tübingen. Noch hatte er seine Berufung als Pfarrer nicht gefunden. Sieger Köder war in den Jahren von 1954 bis 1965 Kunsterzieher am Schubart-Gymnasium in Aalen. Im Ehrenamt war er unter anderem neun Jahre lang CDU-Gemeinderat in seiner (damals noch selbstständigen) Heimatstadt Wasseralfingen.

Bundesverdienstkreuz für Sieger Köder

1964 deutete sich eine Lebenswende an. Im Jahr 1965 ging Köder zurück an die Universität Tübingen, ein Oberstudienrat im Alter von 41 Jahren, als Student der katholischen Theologie. Er studierte bis 1970, wurde 1971 zum Priester geweiht. Primiz war am 11. Juli 1971 in Wasseralfingen. Der Bischof schickte Köder für vier Jahre als Vikar nach Ulm. 1974 ging er nach St. Jakob auf den Hohenberg als Leiter der Pfarreien Rosenberg und Hohenberg. Den Ehrentitel "Monsignore" verlieh ihm 1985 Papst Johannes Paul II., im selben Jahr erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Köder war Pfarrer auf dem Hohenberg bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1995.

Aber was heißt schon Ruhestand für einen Künstler? Köder übersiedelte nach Ellwangen. Vor einigen Jahren zog er als prominentester Bewohner ins Seniorenheim der St.-Anna-Schwestern, wo er auch ein Atelier unterhielt.

1997 machte ihn das Land Baden-Württemberg zum Professor h.c., also ehrenhalber. Als Seelsorger in Rente, legte er als Schaffer sakraler Kunst noch mehr los als zuvor. Köder arbeitete als Maler, Zeichner, Illustrator und als Bildhauer. Als erster deutscher Künstler gestaltete "SK" 1996 das Hungertuch der Misereor-Aktion, er illustrierte auch die berühmte "Tübinger Bibel". Den zeitweiligen Rummel um seine Person ertrug er mit Gelassenheit und Würde, obwohl ihm viel Aufsehens seinetwegen eher immer etwas lästig war.