Bundestagswahl Sie stehen mit ihren Namen für eine faire Wahl

Stimpfach / Birgit Trinkle 26.08.2017
Zwei Wahlhelfer aus dem Kreis sprechen vom Privileg, mitbestimmen zu dürfen, und vom Sonderfall, für einen „repräsentativen“ Bezirk eingeteilt zu sein.

Bei 30 Wahlen hat er geholfen, rechnet Albert Gräter nach und lacht. Wenn er in 45 Jahren Forst­amtstätigkeit eines gelernt hat, dann, dass runde Zahlen als geschätzt gelten und doppelt überprüft werden. Aber es stimmt, und er bleibt dabei. Der 67-Jährige ist der erfahrenste Wahlhelfer Stimpfachs. Mit ihren 20 Jahren nimmt sich Clarissa Throm dagegen wie ein Küken aus, eines freilich mit Verwaltungserfahrung und einer Sonderaufgabe bei der anstehenden Bundestagswahl.

Als Clarissa Throm geboren wurde, war Gräter bereits seit zwölf Jahren Ortsvorsteher in Rechenberg. Er nimmt die Kommunalpolitik sehr ernst: „Richtig oder gar nicht“, das gilt vor allem beim Einsatz für Gemeinde und Gemeinschaft. Wenn er dabei ist, wird garantiert nicht hier getrödelt oder dort ein bisschen geschlampt.

Von der Beflaggung bis zur pünktlichen Öffnung des Wahllokals, wo zu diesem Zeitpunkt längst alles vorbereitet sein muss, gibt es für Gräter einen ganzen Katalog von Selbstverständlichkeiten. Leute wie er sind Garant dafür, dass eine Wahl nicht manipuliert wird. Er führt die Gegenliste, vergleicht unablässig Namen und Zahlen. Früher, als es die noch gab, hat er die Kuverts in 50er-Stapel geordnet und so eine weitere Möglichkeit gefunden, Fehler auszuschließen.

Wahlen sind wichtig. Albert Gräter wird nicht müde, zu betonen, dass es neben dem Wahlrecht eine Wahlpflicht gibt. Er erinnert sich gut an die Verzweiflung einer Russlanddeutschen aus Ludwigsburg, die kurz nach der Wende in Stimpfach wählen wollte und nicht durfte und anfing zu betteln: „Ich schaff’s doch nicht mehr heim.“ Und überhaupt: Andernorts riskierten die Leute ihr Leben, um wählen zu können.

60 Prozent Wahlbeteiligung bei einer Wahl, die über die Zukunft eines Landes bestimmt – da geht irgendetwas furchtbar schief. „Wie können so viele Leute ständig und überall mitreden wollen, sich aber nicht aufraffen, zur Wahl zu gehen?“ Immer öfter werde die Briefwahl genutzt: Kann er persönlich nicht verstehen, „aber zumindest wählen diese Leute“. Politikverdrossenheit sei nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, sagt Albert Gräter; wenn erst mal die falschen Weichen gestellt und Rechte beschnitten würden, sei es zu spät.

Wahlverhalten auswerten

Ganz ähnlich sieht das Clarissa Throm, die im Stimpfacher Rathaus gelernt hat und als Verwaltungsfachangestellte arbeitet. Sie muss am Wahltag nicht nach Stimpfach fahren. Sie will.

„Viele Leute, zu denen ich Kontakt habe, sehe ich nie; umgekehrt sollen die Menschen wissen, mit wem sie es im Rathaus zu tun haben“, sagt sie. Das hat mit Interesse an Stimpfach zu tun, mit Wertschätzung. Und damit, dass ihr, wie Albert Gräter, die Institution Wahl sehr am Herzen liegt. „Jeder hat eine Stimme. Wenn jeder seine Meinung sagt, können nicht einige wenige mit ihrer Stimme über alle und alles bestimmen.“

Für Clarissa Throm ist es die dritte Wahl, freilich eine, die sich von den anderen unterscheidet. Der Urnenwahlbezirk Weipertshofen III ist Stichprobenwahlbezirk. Das heißt, dass die Stimmabgaben für die Wahlvorschläge nach Geschlecht und sechs Altersgruppen gewertet werden – unter Wahrung des Wahlgeheimnisses. Dieser Bezirk, wie rund 2800 andere im Land, wurde zufällig ausgewählt, was freilich einigen Mehraufwand bedeutet. „Statt mit acht arbeiten wir mit zehn Leuten“, sagt Clarissa Throm, und zwar unter Hochdruck. „Damit wir so schnell sind wie die anderen oder doch so schnell wie irgend möglich.“ Die Stimpfacher Eilmeldung muss schließlich raus. Das ist wichtig. Die Wahl ist wichtig.