Gedenken Sie sind Helden des Widerstands

Immer wieder befassen sich bedeutende Künstler mit Hans und Sophie Scholl – auch der in Stimpfach lebende Bildhauer Rudolf Kurz.
Immer wieder befassen sich bedeutende Künstler mit Hans und Sophie Scholl – auch der in Stimpfach lebende Bildhauer Rudolf Kurz. © Foto: Hans Kumpf
Crailsheim / Andreas Harthan 24.02.2018

Er, das Sonntagskind (so nannten ihn seine Eltern) ist an einem Montag gestorben, am 22. Februar 1943. Nur sieben Sekunden vergingen zwischen seiner Übergabe an den Scharfrichter und dem Heruntersausen des Fallbeils. Hans Scholl, am 22. September 1918 in Ingersheim (heute ein Stadtteil von Crailsheim) geboren und mit Böllerschüssen begrüßt, wurde im Gefängnis in München-Stadelheim hingerichtet, ermordet. Wie kurz zuvor schon seine jüngere Schwester Sophie. Der berüchtigte Volksgerichtshof unter seinem blutrünstigen Vorsitzenden Roland Freisler hatte die Geschwister nur Stunden zuvor zum Tod verurteilt. Die Begründung der Nazi-Richter: Die Scholls hätten „den Führer aufs Gemeinste beschimpft“, und „zum Sturz der nationalsozialistischen Lebensform unseres Volkes aufgerufen“.

„Vorbild für alle“

Vorgestern hat sich der Todestag der Geschwister Scholl zum 75. Mal gejährt. Dieser Donnerstag hat gezeigt: Die Geschwister Scholl sind nicht vergessen. Und auch nicht die anderen Mitglieder der studentischen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, von denen viele ebenfalls von den Nazis ermordet worden sind. Thomas Oppermann, der Vizepräsident des Deutschen Bundestages, betonte vorgestern zu Beginn des Sitzungstags: „Hans und Sophie Scholl sind und bleiben ein großes moralisches Vorbild für uns alle. Sich menschenverachtendem Gedankengut und Hass entschlossen in den Weg zu stellen, ist heute leider wieder besonders aktuell. Dafür kann das mutige Handeln der Geschwister Scholl ein Ansporn sein.“ Der hiesige Abgeordnete Harald Ebner ergänzte, dass er „großen Respekt“ vor dem Handeln der beiden habe.

„Helden des Widerstands“

Der 75. Todestag der Scholls hat gezeigt, dass die beiden Geschwister nicht vergessen sind. Das belegt auch ein Interview mit dem renommierten Historiker Professor Wolfgang Benz, der an der TU in Berlin lehrte und dort auch das Zentrum für Antisemitismusforschung leitete. Für den gebürtigen Ellwanger steht fest, dass Hans und Sophie Scholl ein Platz „ganz weit oben“ in der deutschen Erinnerungskultur gebührt. Die anhaltende Popularität der Geschwister erklärt er mit ihrem Mut und ihrer überzeugenden Argumentation gegen die Barbarei der Nazis.

Für Benz waren die Scholls der Mittelpunkt der studentischen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Gescheitert sei die Gruppe nicht, obwohl die Nazis viele ihrer Mitglieder hinrichteten und Menschen aus ihrem Umkreis ins Gefängnis warfen. Für den Historiker sind die Scholls vielmehr „Helden des deutschen Widerstands“. Sie hätten den Mut gehabt, sich zu widersetzen. Für Benz bleiben die „Weiße-Rose“-Mitglieder „eine immerwährende Mahnung, wie man sich gegenüber diktatorischen Regimes, gegenüber menschenfeindlicher Obrigkeit verhalten müsste.“

Die Geschwister Scholl sind nicht vergessen. Das zeigen auch die vielen Bücher, die bis heute über sie erscheinen. Stand zunächst die in Forchtenberg geborene Sophie im Mittelpunkt, kümmert sich die Forschung mittlerweile zunehmend um den in Ingersheim geborenen Hans. Barbara Ellermeier legte 2012 eine Biografie des Widerstandskämpfers vor, seit einigen Tagen ist das Buch von Robert M. Zoske über den Studenten aus Crailsheim zu haben („Flamme sein! Hans Scholl und die Weiße Rose“). Der Autor stellt es am 11. Juni auch in Crailsheim vor.

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