Traurig und dankbar, das ist alles, was ich höre“, sagt Ulrich Wildermuth am Schluss der vielen Grußworte. „Das klingt doch wie eine Beerdigung. Ich bin zwar überwältigt von dem Abschied. Aber wir leben noch. Und es besteht die Möglichkeit, uns zu besuchen.“

Dennoch: Die Lücke, die Wildermuth nach 17 Jahren als Pfarrer in Altenmünster und in verschiedenen Funktionen im Kirchenbezirk hinterlässt, ist groß. Das wurde zum einen in der großen Anteilnahme deutlich, die die Verabschiedung fand: Die Friedenskirche in Altenmünster war gerammelt voll. Ehemalige Bürgermeister, ehemalige Dekane, Kollegen, Freunde, Weggefährten, Gemeindeglieder: Sie alle wollten sich von Wildermuth und von seiner Frau Eva verabschieden. Es gab viele, viele Umarmungen und ja, auch so manche Träne.

Zum anderen wurde es auch in den Grußworten deutlich, die es nach der Entpflichtung durch Dekanin Friederike Wagner gab. Sie alle schilderten Wildermuth als zugewandten, feinfühligen und engagierten Seelsorger, der immer auch auf Worte und Gefühle zwischen den Zeilen hörte und der sich für die Gemeinschaft in allen Bereichen einsetzte. Indem er zum Beispiel klaglos Pfarrdienste für Kollegen übernahm, indem er unzählige Besuche machte, indem er sich für Flüchtlinge und den muslimisch-christlichen Austausch einsetzte.

Prinzip Solidarität

Acht Grußworte waren es an der Zahl – angefangen bei Schuldekan Nonnenmann über Konrad Wetzel, der für den Kirchenbezirk sprach, Pfarrerin Elke Maier für die Kollegen, Pfarrer Franz-Josef Konarkowski und Diakon Werner Branke für die katholische Kirche, Stadtarchivar Folker Förtsch für die Stadt Crailsheim, Jens Zielosko für die Vereine in Altenmünster, Rektorin Ulrike Fetzer für die Grundschule Altenmünster und nicht zuletzt André Krauß für den Kirchengemeinderat.

Der sang überdies zusammen mit dem Kirchenchor dem Pfarrer ein Ständchen – einer der Höhepunkte. Denn der Kirchengemeinderat hatte ein Lied aus den Archiven gekramt – Greensleeves –, das Pfarrer Wildermuth einmal mit einem neuen Text versehen hatte. Und das klang wie dessen großes Credo und Vermächtnis: „Schaut die Vögel und Lilien an / wie schön sie sind, wie ihr Leben blüht. / Lernt von ihnen und denkt daran / ja, mehr noch liebt Gott seine Kinder.“

Seine Abschiedspredigt hielt Wildermuth über einen Paulusbrief (Römer 12), der für diesen Sonntag als Predigttext vorgesehen war. „Mit diesem Text hab ich mich schwergetan“, sagte Wildermuth. „Ausgerechnet zum Abschied eine Reihe von Ratschlägen.“ Hinter den Ratschlägen stünde bei Paulus aber Freude und Feuer im Glauben und die Barmherzigkeit Gottes. Damit könne er sich freilich verabschieden. Denn auch das Prinzip Solidarität stecke darin, das ihm immer wichtig war – und jetzt mehr denn je „in einer Zeit, in der Abschottung praktiziert wird“. Deshalb sei ihm dieses wichtig. Auch das stecke in den Ermahnungen des Paulusbriefs: „Habt Acht aufeinander und bewahret einander vor Herzeleid.“

Lasst uns jetzt Häppchen sehen

„Das reicht, wenn ihr euch das merkt“, sagte er, verließ den Altarraum der Kirche, nicht ohne sich zuvor rührend bei Frau und Söhnen für die wohlwollende Begleitung zu bedanken. „Lasst uns jetzt Häppchen sehen“, sagte er, und der gemütliche Teil des Abschiedsgottesdienstes begann.

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