Restaurant Landgasthof Adler in Rosenberg schließt

Rosenberg / Mathias Bartels 28.10.2016
Seit 1972 kocht Josef Bauer in Rosenberg, seit 1989 auf allerhöchstem Niveau. Sein „Adler“ gilt nicht nur unter Kritikern als „bester deutscher Landgasthof“. Am Sonntag ist der letzte Öffnungstag.

Das ist wahrlich ein schwerer Schlag ins Kontor all jener Menschen, die sich von Zeit zu Zeit etwas super Gutes gönnen und ihr Ansinnen mit einem Besuch in einem Restaurant der Spitzenklasse krönen: Im Landgasthof „Adler“ in Rosenberg schließen sich die Türen zu Küche, Gaststube und Zimmern. Am Sonntag steht Patron und Küchenmeister Josef Bauer letztmals in seinem  Reich und hantiert an seinen Kochplatten und Öfen mit Töpfen und Pfannen, mit Messern und Gabeln, mit Geschirr und Besteck. Zweifellos für alle Freunde des Hauses ein echter Schock.

So wundert es absolut nicht, dass Marie-Luise Bauer in den letzten Wochen, seit die Aufgabe des Restaurantbetriebs bekannt wurde, einen Run auf die Tische wie nie zuvor erlebt hat: „Offenbar wollten alle noch mal zu uns kommen. Mit einem solchen Ansturm haben wir jedenfalls nie und nimmer gerechnet.“ Schön und gut: Ihr Mann Josef Bauer wird letztlich auch das verkraften – und dann in der Nacht zum Montag seine Arbeitsstätte zum letzten Mal abschließen.

Immer wieder Reize gesetzt

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge, denn der ungemein sympathische, besonnene und allzeit bescheiden gebliebene Meisterkoch hat seinen Beruf geliebt. Denn das ist klar: Wer sich wie er über viele Jahre in der absoluten Spitze der Gastronomie bewegt und in Restaurant-Ranglisten stets unter den Top 50 gelandet ist, der muss den Beruf voll und ganz zu seiner Sache machen. Mehr noch: Er muss Neuem gegenüber aufgeschlossen sein, darf und soll zwar nicht jedem Trend hinterherlaufen, aber doch immer wieder kreative Reize setzen.

Josef Bauer ist das zweifellos gelungen. Bereits 1972 übernahm er als Gastwirtssohn zusammen mit seiner Frau den Landgasthof, ab 1986 setzte er ganz bewusst auf eine hochmoderne, aber nie abgehobene Küche, weil es für die Gäste aus dem Dorf immer auch einfache, günstige Gerichte wie Kutteln gab. Bei ihm war kein kulinarischer Schnickschnack angesagt, sondern seine Edel-Kreationen orientierten sich eher an solidem Handwerk als an Küchen-Überfliegerei mit Showeffekten.

Im vergangenen Jahr zeichnete ihn der damalige Landes-Wirtschaftsminister Nils Schmid mit der baden-württembergischen Wirtschaftsmedaille aus und lobte den Küchenchef: „Ihnen geht es nicht um Tellerakrobatik, sondern um Geschmackserlebnisse. Für Sie ist Kochen in allererster Linie Handwerk und Leidenschaft.“ Das trifft’s zweifelsohne. Wie sehr Josef Bauer indes auch feinnervige Gastro-Kritiker zu überzeugen wusste, verdeutlicht der Jahr um Jahr erneut an ihn vergebene Michelin-Stern, den er 1989 erstmals erhielt. Im Gault-Millau wird er seit vielen Jahren mit 18 (von 20 möglichen) Punkten gewürdigt. Und Bertelsmanns „Großer Restaurant-Guide“ kürte ihn gar zum „Koch des Jahres“. Dass Josef Bauer trotz nachgewiesener Bodenständigkeit stets wissbegierig geblieben ist, belegt wiederum sein Praktikum beim katalanischen „Zauber-Koch“ Ferran Adrià, der sich allerdings auch schon eine längere Auszeit gönnt.

Seit gut zwei Jahren lief es bei den Bauers auf eine Betriebsübergabe hinaus. Christian Baur sollte in Rosenberg die Chefrolle in der Küche übernehmen. Irgendwie hat es nicht so ganz gepasst. Mittlerweile arbeitet der 39-Jährige im Schwarzen Adler in Oberbergen – hinüber war damit auch die Idee vom sanften Übergang. Es blieb die Erkenntnis: Köche lassen sich nicht einfach austauschen.

Doch irgendwas musste passieren, denn mit 73 wollte Josef Bauer nicht mehr jeden Tag in der Küche stehen, so sehr er auch jede Menge Herzblut in seinen Adler zu investieren bereit war. Immerhin: Der Maître hat bis heute durchgehalten – andere sind da längst in Rente. Jetzt will er kürzertreten und Abstand gewinnen. Wer will ihm das verdenken?

„Es wird sich wohl was tun, aber wir können und wollen darüber jetzt noch nicht reden“, macht es die charmante Marie-Luise Bauer spannend. „Das Haus wird sicher nicht auf Dauer geschlossen – wir stehen in Kontakt mit Leuten, die wirklich spannende Konzepte haben.“ Die Stammkundschaft darf zuversichtlich sein. Doch was auch immer es letztlich wird: Die Bauersche Sterne-Küche wird nur schwer zu toppen sein. Wahrscheinlicher ist: gar nicht!

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