Am Montag geht es los: Nach sieben Wochen Schließungszeit beginnt die Öffnung der Schulen in Baden-Württemberg – zunächst „schrittweise und stark eingeschränkt“, so gibt es das Kultusministerium vor. Zum Präsenzunterricht erscheinen dürfen zunächst nur die Abschlussjahrgänge, die in diesem oder im nächsten Schuljahr ihre Prüfungen ablegen. Dies sind die Kursstufen der Gymnasien sowie die Klassenstufen 9 und 10 der Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen. Alle übrigen Schüler bleiben daheim und machen weiter Homeschooling.

Wie klein die Schritte hin zu einem normalen Schulbetrieb sind, zeigt ein Blick auf die Crailsheimer Schullandschaft. Oberste Priorität hat die Einhaltung der Hygienevorgaben zum Infektionsschutz. Davon ausgehend werden kleine Lerngruppen gebildet und geteilte Klassen auf eine größere Zahl von Räumen verteilt. Da Lehrer, die zur Risikogruppe gehören, nicht unterrichten sollen, gibt es auch personelle Veränderungen.

Jede Schule hat ein eigenes Konzept entwickelt. An der Eichendorffschule wurden aus drei Klassen sechs Lerngruppen gebildet, die in unterschiedlichen Fachräumen mit viel Abstand unterrichtet werden. Jede Gruppe fängt zu einer anderen Uhrzeit an. „Somit können sich die Gruppen auf den Gängen eigentlich nicht begegnen“, sagt Rektor Oliver Grau. Dies sei wichtig zur Minimierung der Ansteckungsgefahr und zur Verfolgung einer eventuellen Virenkette. Außerdem sorgten unterschiedliche Anfangszeiten dafür, dass weniger Schüler in den Bussen sitzen.

Schüler nutzen verschiedene Eingänge

Der Leonhard-Sachs-Schule kommt in der aktuellen Situation zugute, dass der dringend nötige Umbau noch nicht begonnen hat. „Unsere drei Klassen, die in sechs Lerngruppen unterteilt sind, nutzen jeweils einen eigenen Eingang. Sie treffen sich im Schulhaus nicht“, erklärt Rektor Michael Ullrich. Grüne Punkte an den Eingängen markieren die Abstände und in jedem Klassenzimmer erinnert eine „Corona-Messlatte“ aus Kantholz die Schüler daran, wie lang 1,50 Meter sind.

An der Realschule am Karlsberg nutzen die Klassen ebenfalls verschiedene Eingänge, sie starten zu unterschiedlichen Uhrzeiten und haben versetzt Pausen. An drei Tagen kommen die 9er-Klassen und an zwei Tagen die 10er-Klassen in die Schule. An den schulfreien Tagen gibt es weiterhin Homeschooling.

Schüler der Realschule zur Flügelau werden am Montag von einem Lehrer vor dem Schulhaus empfangen und in den Klassenraum begleitet. Die Hygieneregeln hängen bereits an einer großen Infotafel im Foyer der Schule, in dem es kein gemütliches Beisammensitzen geben wird, wie dies vor Ausbruch der Pandemie üblich war. Auch der Unterricht wird sich verändern, sagt die stellvertretende Schulleiterin Anja Brückner: „Kompetenzorientierte Unterrichtsmethoden, auf die wir sonst großen Wert legen, müssen durch klassischen Frontalunterricht abgelöst werden.“

Zu den Hygienemaßnahmen am Lise-Meitner-Gymnasium, das zunächst nur Kursstufenschüler besuchen, gehört neben regelmäßigem Händewaschen mit Seife auch das Abwischen der Tische mit Desinfektionsmittel am Ende einer Doppelstunde. Diese Aufgabe übernehmen die Schüler. Die Lehrer desinfizieren regelmäßig die Griffe der Klassenraumtüren.

Sehnsucht nach Normalität

Schulleiter Joachim Wöllner rechnet damit, dass nach den Pfingstferien weitere Teilgruppen von Klassen schrittweise zum Unterricht in die Schule kommen dürfen. „Bis zum Schuljahresende werden wir aber immer wieder auch Fernlernunterricht haben – leider, denn wir alle sehnen uns danach, endlich wieder mit allen Schülern in gewohnter Weise arbeiten, leben und Schule gestalten zu können“, so Wöllner.

Der Schulleiter des Albert-Schweitzer-Gymnasiums (ASG) fordert die Kursstufenschüler in einem Infobrief zum Tragen eines Mund- und Nasenschutzes im Schulbus sowie in den Pausen und auf den Gängen der Schule auf. Im Unterricht ist der Mundschutz nicht verpflichtend. Die Schulöffnung betrachtet Günter Koch mit einer Mischung aus Freude und Sorge: „Freude darüber, dass ich endlich einen Teil meiner Schüler sowie viele Kollegen wiedersehen kann – zwar mit dem vorgeschriebenen Abstand, aber immerhin in Natura. Sorge deshalb, weil ja niemand – auch nicht die vielen Experten – sagen kann, ob die Öffnung der Schulen trotz aller getroffenen Hygienemaßnahmen und Abstandsregelungen nicht doch mit Risiken verbunden ist und vielleicht etwas zu früh kommt.“