In großen Lettern prangt der Familienname Schüttler über dem Elektrofachgeschäft in der Kirchgasse in Rot am See. In der Nähe parkt ein Kleintransporter mit dem gleichen Schriftzug. Es ist das Dienstfahrzeug von Elektroinstallateurmeister Rainer Schüttler – mit dem Blitz im Logo. Seit dem Jahr 2000 ist er damit im Einsatz, um Unternehmen sowie Privatkunden im Ort und der Umgebung mit Strom zu versorgen. Auch das größte lokale Volksfest, die Muswiese, knüpft der Fachmann mit seiner Mannschaft seither ans Netz an. Ein öffentliches Jubiläumsfest durfte Schüttler aufgrund der aktuellen Gesundheitslage nicht ausrichten, doch gemeinsam mit der Familie auf das 20-jährige Bestehen anzustoßen, habe er sich nicht nehmen lassen. Immerhin gab es doppelten Grund zum Feiern: „Unsere Mitarbeiterin im Verkauf, Elke Rosenau, ist seit der ersten Stunde dabei. Sie haben wir in kleiner Runde geehrt.“

Den Sprung in die berufliche Unabhängigkeit habe Schüttler nie bereut, auch wenn er auf eine Arbeitszeit zwischen 60 und 80 Stunden pro Woche kommt und in der Regel nicht vor 22 Uhr Feierabend hat. „Selbstständigkeit heißt, selbst und ständig unterwegs zu sein, um am Ball zu bleiben, damit die Firma läuft“, ist der gebürtige Speckheimer überzeugt. Sechs Personen beschäftigt der 53-Jährige aktuell. Bis auf den Ladenverkauf, der eine Zeitlang geschlossen bleiben musste, laufe die Arbeit auch in Zeiten der Corona-Pandemie ganz normal weiter. Installationsarbeiten bei Alt- und Neubauten, Alarm- und Telefonanlagen, IP-Verkabelungen sowie Gerätereparaturen zählen zu den betrieblichen Leistungen.
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Frankenhardt

Auf fast 400 Quadratmetern betreibt Schüttler, neben dem Elektrofachhandel, ein Lager, außerdem eine Werkstatt. Zudem werde der Smart-Home-Markt immer größer. „Darum liebe ich meinen Beruf: Er ist vielfältig und abwechslungsreich. Wer am Markt bestehen will, muss sich weiterentwickeln, besonders im Hinblick auf die moderne Technik. Gerade für den Nachwuchs ist das interessant“, findet Rainer Schüttler, der auch Vorsitzender im Prüfungsausschuss bei der Elektro-Innung Schwäbisch Hall-Crailsheim ist, und sich wünscht, bald wieder einen passenden Auszubildenden zu finden. Denn das sei für ihn schwierig, obwohl das Geschäft floriere und die Gesamtbranche laut Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) bereits das fünfte Jahr in Folge Zuwächse beim Nachwuchs verzeichnet.
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Rot am See/Stuttgart

Rückhalt durch die Familie

Am wichtigsten sei für den Elektroinstallateurmeister, die Familie hinter sich zu wissen. „Wir sind vor zehn Jahren von der Hauptstraße in Rot am See in das Nachbargebäude in der Kirchgasse gezogen“, erzählt Schüttler. „Dies war nur möglich, weil wir viele der Umbauarbeiten selbst gestemmt haben. Ohne meine Frau wäre das gar nicht gegangen.“ Die aus Brettenfeld stammende Gudrun Schüttler packt an, wo sie kann. Zweimal pro Woche hilft sie im Laden mit. Zusätzlich kümmert sie sich um die Buchhaltung. Auch auf die Söhne Daniel und Simon, beide Elektroniker, sowie auf Tochter Melanie, Wirtschaftsingenieurin, könne sich Schüttler stets verlassen. Dass einer der Nachkömmlinge einmal den Betrieb übernimmt, sei gut möglich. Für die nahe Zukunft wünscht sich Schüttler jedoch, „dass unsere Kunden uns weiterhin mit genügend Aufträgen versorgen, ich ihnen bei Problemen weiterhelfen und eine solide Arbeit abliefern kann, wie es auch in den letzten Jahren immer der Fall war“.

Elektrobranche zählt zu den größten im Handwerk


In Baden-Württemberg sind rund 60 000 Menschen im Elektrohandwerk beschäftigt; bundesweit zählt die Branche rund eine halbe Million Mitarbeiter und etwa 54 000 Fachbetriebe – laut Statista Market Report meldet die Hälfte davon offene Stellen.
Im Ausbildungsjahr 2019 erlernten insgesamt rund 45 000 Auszubildende einen elektrohandwerklichen Beruf – rund 2000 Azubis mehr als im Vorjahr. Das Elektro-Handwerk setzte im vergangenen Jahr etwa 58 Milliarden Euro um: Die meisten Aufträge erhalten die Betriebe von der gewerblichen Wirtschaft und von Privatkunden. Der Anteil bei öffentlichen Auftraggebern und Wohnungsbaugesellschaften ist deutlich geringer.
Projekte in der Energie- und Gebäudetechnik sind für gut zwei Drittel des Umsatzes bei den Betrieben verantwortlich (67,4 Prozent). Danach folgen die Informations- und Telekommunikationstechnik (10,3 Prozent) sowie die Automatisierungstechnik (4,8 Prozent). Der Umsatz im Smart-Home-Markt betrug 2018 geschätzt 2,5 Millionen Euro, im Jahr 2022 wird in diesem Bereich ein Marktvolumen von etwa 5 Millionen Euro erwartet.