Crailsheim Schüler ziehen nach dem "Eugen-Grimminger-Tag" eine zukunftsweisende Bilanz

Unterstützte die Studentengruppe "Weiße Rose": Eugen Grimminger mit seiner Frau Jenny auf einem Bild aus den Dreißigerjahren. Foto: Stadtarchiv Crailsheim
Unterstützte die Studentengruppe "Weiße Rose": Eugen Grimminger mit seiner Frau Jenny auf einem Bild aus den Dreißigerjahren. Foto: Stadtarchiv Crailsheim
Crailsheim / PM 03.03.2014
An ihrem "Eugen-Grimminger-Tag" zum Gedenken an diesen Gegner der NS-Diktatur beschäftigten sich die Klassen der gleichnamigen Schule in Crailsheim mit dem Thema "Erinnern und Weitermachen".

Nachdem schon in der Woche zuvor im Foyer der Schule eine Ausstellung des Vereins "Weiße Rose" zu sehen war, war dies auch ein Ansatzpunkt für mehrere Klassen, sich am "Eugen-Grimminger-Tag" mit der NS-Ideologie und den damit kontrastierender Werten der Widerständler um Hans und Sophie Scholl zu beschäftigen.

Schon zuvor hatten sie eine Präsentation über das Leben Eugen Grimmingers und seiner jüdischen Frau Jenni Stern gesehen, woran sich die Ansprache von Schulleiterin Anne Technau über Widerstand, Mut und Gewaltlosigkeit anschloss.

Ein Schwerpunkt lag dieses Jahr auf Besichtigungen historischer Orte. Mehrere Klassen besuchten zum Beispiel die KZ-Gedenkstätte Oberer Kuhberg in Ulm. In dieser alten Festung waren schon von 1933 bis 1935 politische Gefangene inhaftiert, die vielfältigen Torturen ausgesetzt waren. In der Volkshochschule wurde mit der Ausstellung über Ulmer Jugendwiderstand ein passender Gegenpunkt gesetzt. In Crailsheim waren mehrere Klassen auf den Spuren Eugen Grimmingers unterwegs oder beschäftigten sich mit den Stolpersteinen in der Stadt.

Beispielhaft für die Klassen, die sich beim Eugen-Grimminger-Tag engagierten, berichten Noor Abodi und Esther Siegmund nachfolgend über die Aktivitäten der 12. Klasse des sozialwissenschaftlichen Gymnasiums: "Der EGS-Tag setzte sich für unsere Klasse nach der Eröffnung mit einem klasseninternen Frühstück und einem mit selbst erarbeiteten Geschichten zu jüdischen Familien gestalteten Besuch des jüdischen Friedhofs fort. Begleitet wurden wir von Ursula Mroßko vom Verein ,Weiße Rose. Beendet wurde der Tag mit einer Rede des SMV-Lehrers Konrad Schneider und Gedichtvorträgen von drei Schülern mit Hannes Hartleitner. Dabei haben wir uns die Frage gestellt: Was bedeutet uns Schülern dieser Tag eigentlich? Lange Reden und gebetsmühlenartig wiederholte Rituale rufen ja normalerweise bei Schülern eine schlechte Einstellung gegenüber solchen Gedenktagen hervor. Viele der Schüler haben schon am Morgen abgeneigte Erwartungen an den bevorstehenden Tag und nehmen das Geschehen dadurch negativ beeinflusst und gelangweilt wahr. Für uns ist es wichtig, nicht nur zu reden, sondern zu handeln.

Die Geschichte Eugen Grimmingers und der Weißen Rose ist uns allen bekannt, aber das ist Vergangenheit. Was ist mit dem Hier und Jetzt? Auch heute noch leisten viele Menschen Widerstand, sind mutig und leiden unter politischen Systemen. Wir wünschen uns in Zukunft, die Fehler der Vergangenheit mit aktuellen Geschehnissen zu verknüpfen. Gewalt und Widerstand ist in mehr Bereichen des Lebens zu finden. Für uns ist es wichtig zu wissen, wie wir in alltäglichen Situationen handeln können und wie wir andere Menschen bei ihrem Widerstand gegen Ungerechtigkeit und dem Kämpfen für Freiheit unterstützen können. Aus der Vergangenheit können wir nur durch das Verknüpfen mit der Gegenwart lernen. Echtes Gedenken besteht nicht aus Lippenbekenntnissen, sondern orientiert uns auf die Verantwortung jedes Einzelnen heute."

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